Wohnen in Berlin-Spandau
: Diese Fragen haben Anwohner zum Siemensstadt Square

Die erste Bauphase des neuen Quartiers Siemensstadt Square in Berlin-Spandau beginnt. Bis 2035 soll an dem Milliardenprojekt gebaut werden. Das halten die Anwohner davon.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Infoabend Siemensstadt Square

Melanie Kraft (links), Projektentwicklerin der Bauleitpläne für das Siemensstadt Square in Berlin-Spandau, führt durch den Infoabend. Knapp zwei Stunden beantwortet sie die Fragen der Besucherinnen und Besucher zum neu entstehenden Quartier.

Jessica Neumayer

2750 Wohnungen, viele  Arbeitsplätze, zwei Kindergärten, eine Schule und sogenannte Erlebnisräume sollen auf dem 76 Hektar großen Industrieareal in Siemensstadt entstehen. Insgesamt wird über eine Million Quadratmeter Wohn-, Arbeits- und Lebensraum geschaffen.

Am Dienstag (25. Juni) wurde in Anwesenheit des Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) und des regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) feierlich der Grundstein für eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte gelegt.

Zukunftsort für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten in Berlin

Das einst abgegrenzte Gelände von Siemens soll ein weltoffener Begegnungsort für alle werden. 35.000 Menschen sollen hier zukünftig leben und arbeiten.

Jetzt beginnt die sichtbare Arbeit, erklärt Projektentwicklerin Melanie Kraft. Die Planung im Hintergrund sei für Berliner Verhältnisse recht schnell gegangen, sagt sie auf der Infoveranstaltung am Abend direkt auf dem Baufeld.

Das 4,5-Milliardenprojekt schaffe einen Zukunftsort, der Produktion, Forschung, Lernen, Wohnen und Leben vereinen soll. Auf insgesamt 270.000 Quadratmetern soll Wohnraum für bis zu 7000 Menschen entstehen, davon sind 30 Prozent als sozialer Wohnungsbau geplant. Zusätzlich wird es Platz für Firmen und Einzelhandel geben, der bis zu 20.000 Arbeitsplätze bieten soll.

Siemensstadt Square Grundsteinlegung Geschenke

Honig, Steine und eine S-Bahn. Diese Geschenke haben Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) für die Zeitkapsel mitgebracht. Diese wird jedoch nicht wie üblich vergraben, sondern zukünftig ausgestellt.

Jessica Neumayer

Die ersten Gebäude sollen schon 2026 fertig sein. Unterteilt wird der Bau in drei Module. Der Bau des ersten Moduls hat mit der Grundsteinlegung begonnen und umfasst die Gestaltung des Eingangsbereichs. Grün, dreieckig und einladen soll er werden. Als natürliches Eingangtor werden schon jetzt vier rot blättrige Spitzahornbäume in einer Baumschule gepflegt, die beizeiten auf den Platz gepflanzt werden sollen.

Der Eingangsplatz ist ein Zusammenspiel aus dem sanierten Bahnhof, der dann reaktivierten Siemensbahn, einem 16-stöckigem Bürogebäude sowie einem Atrium Gebäude mit fünf Geschossen als neuen Ort für die Siemensverwaltung.

Siemensstadt Square in Spandau – erste Gebäude 2026 fertig

Auch ein Infopavillon, der mit insgesamt 400 Quadratmetern weit größer als ein zeltartiges Häusschen ist, wird in der ersten Bauphase entstehen. „Der Pavillon sollte erst nur temporär sein“, verrät Kraft. Inzwischen wurde erkannt, dass ein dauerhafter Standort zum Informieren wichtig für die Gesamtentwicklung sei. Nach dem Bau soll das Gebäude dann beispielsweise für Ausstellungen oder ähnliches genutzt werden.

Das neue Verwaltungs- sowie das Informationsgebäude sollen Ende 2026 fertiggebaut werden. Der Büroturm, mit einer Dachfläche, die auch der Öffentlichkeit zugänglich sein soll, wird planmäßig 2027 finalisiert.

Siemensstadt Square Grundsteinlegung Baustelle

Die Bauarbeiten am Siemensstadt Square haben begonnen. Auf dieser Fläche wird zukünftig unter anderem ein sechszehnstöckiges Bürogebäude mit für die Öffentlichkeit zugänglicher Dachfläche stehen.

Jessica Neumayer

Das Besondere am Siemensstadt Square: Es soll auch um Privatgelände keine Zäune geben. „Der Platz wurde bewusst frei gestaltet“, sagt Kraft. Ob es im Eingangsbereich auch Einzelhandel geben wird, möchte ein Besucher des Infoabends wissen. Dies verneint die Projektentwicklerin.

Vereinzelte Geschäfte wird es vielleicht im Bahnhof geben, dessen Planung außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs bei der Deutschen Bahn liegt. Einzelhandel sei von seitens der Projektentwicklung eher ab dem angrenzenden Boulevard geplant.

Siemensstadt Square – Mehr Lebensqualität durch weniger Autos

Einer weiteren Besucherin ist aufgefallen, dass in der Animation des Viertels keine Autos zu sehen sind. Kraft erklärt, dass das neue Quartier ein modernes Mobilitätskonzept haben wird. Stellplätze für Autos wird es nur am Rand des Viertels geben. „Im Innern wird das Siemensstadt Square autoarm sein“, sagt Kraft.

Ausnahmen gibt es natürlich für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Für die Mobilität innerhalb des Siemensstadt Squares wird es zudem eine Buslinie geben, die durch das Viertel führt. „Damit man das Auto auch gar nicht braucht.“

Siemensstadt Square Grundsteinlegung Spitzahorn

Dieser rotblättrige Spitzahorn war ebenfalls Gast bei der Grundsteinlegung in Berlin-Spandau. Bis er als einer der vier nachhaltigen Eingangspforten am Siemensstadt Square stehen darf, wird er noch in einer Baumschule gepflegt.

Jessica Neumayer

An die Mobilitätsthematik anschließend kommt die Frage nach Fahrradstellplätzen auf. „Es wird mehrere tausend Stellplätze für Fahrräder geben“, bestätigt die Stadtentwicklerin. Die genaue Zahl könne jedoch noch nicht genannt werden. Die Plätze hängen eng mit den jeweiligen Bauanträgen zusammen.

Auch nach einem Fahrradparkhaus wird gefragt. Kraft kann dies weder bestätigen noch dementieren. „Man muss schauen, wie die Verteilung aussehen wird.“ Die Anzahl der Gebäude sei noch nicht fix.

Denkmalschutz ist Herausforderung beim Bau

Weitere Fragen beziehen sich auf das denkmalgeschützte Schaltwerkhochhaus nebenan. Derzeit dürfe das zehnstöckige Gebäude wegen fehlender Brandschutzvorkehrungen nur bis zum achten Stock genutzt werden.

Infopoint und Showroom zum Siemensstadt Square

Ab dem 1. Juli 2024 können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger bei einer vorläufigen Anlaufstelle direkt im Verwaltungsgebäude über die Baupläne informieren.

Adresse: Rohrdamm 85, 13629 Berlin

Auch dieses Gebäude wird denkmalgerecht saniert und kann später voll genutzt werden, so Kraft. Bei der Sanierung der Gebäude wird nachhaltig gedacht. Im Sinne des „behutsamen Rückbaus“ wurden 50.000 Ziegelsteine geborgen und von Hand aufbereitet, betont die Stadtentwicklerin. Diese werden nun für die Sanierung eingesetzt.

Einer Frau liegt es am Herzen, dass keine Vögel gegen die verglaste Fensterfront des neuen Hochhauses fliegen. Kraft erläutert, dass es ein Artenschutzkonzept gebe, das neben Vogelschutzglas auch genug Fassadenbegrünung für Gebäudebrüter vorsehe. „30 Prozent der Fassadenfläche des Atriums werden begrünt sein.“

Neben den Themen Wohnen und Arbeiten erweckt auch die Freizeitgestaltung im Quartier Interesse. „Wie sieht es denn mit Sportstätten aus?“ Konkrete Angaben kann Kraft noch nicht machen. Sie weist jedoch auf den zirka 35.000 Quadratmeter großen Park hin, der im zweiten Modul geplant werden soll.

„Nach der Sommerpause wird es eine neue Beteiligung geben“, lädt Kraft ein, die eigenen Ideen bezüglich der Freizeitgestaltung unter freiem Himmel einzubringen. Fest steht, dass es sowohl Spiel- als auch Sportflächen geben soll.