Wohnen in Berlin-Spandau: Leerstand trotz hoher Nachfrage – Gründe und Folgen

Wohnen in Berlin-Spandau: Leerstand - viele Wohnungen werden dem Markt vorenthalten. Warum und was der Bezirk gegen die Verschwendung tun kann.
Tanja Römischer- In Berlin-Spandau stehen trotz Wohnraummangels viele Wohnungen leer.
- 2024 wurden 217 Leerstände gemeldet, Dunkelziffer könnte höher sein.
- Leerstehende Gebäude, wie in der Lasiuszeile, sorgen für Ärger.
- Gründe: Überforderung der Vermieter und Spekulation auf höhere Preise.
- 2024 leitete Spandau 46 Verfahren gegen Zweckentfremdung ein.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Wohnungsmangel in Berlin verschärft sich. Sowohl Einheimische als auch neu Hinzuziehende haben aktuell kaum Chancen, eine Bleibe zu finden. Während auf der einen Seite die Rufe nach dem schnelleren Bau neuer Wohnungen immer lauter werden, stehen auf der anderen Seite insgesamt mehr als 40.000 Wohnungen leer. Warum? Und wie ist die Lage in Spandau?
Satte 12.000 Wohnungen stehen in Berlin länger als ein Jahr leer. Das geht aus Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg für das Jahr 2022 hervor. In Spandau bewegen sich die Werte noch auf einem niedrigeren Niveau.
Leerstehende Gebäude in Spandau: Eine Herausforderung
Das Bezirksamt meldete für das Jahr 2023 insgesamt 109 und für das Jahr 2024 (Stand 13. November 2024) 217 leerstehende Wohnungen. Klingt nicht viel. Aber: Die Dunkelziffer könnte deutlich höher sein. Ein besonderes Ärgernis sind zudem ganze Gebäude, die leer stehen.
In Spandau gibt es insgesamt sechs leerstehende Gebäude, auch Geisterhäuser genannt, die sich über den gesamten Bezirk verteilen. Das bestätigte Luise Schmidt-Gräfenhain, Referentin beim Spandauer Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste, auf Nachfrage. Wo sie genau stehen, teilte sie unter Verweis auf den Datenschutz sowie „laufende Verfahren in der Zweckentfremdung“ nicht mit.

Wohnen in Berlin-Spandau: Das Haus in der Lasiuszeile steht leer. Die Tür wurde mit Kette und Schloss gesichert.
Tanja RömischerUm ein Geisterhaus handelt es sich offensichtlich bei einem Gebäude in der Lasiuszeile. Ob sich das Bezirksamt aktuell auch mit diesem Leerstand beschäftigt, war nicht zu erfahren. Recherchen ergaben, dass es in dem Gebäude Anfang 2023 gebrannt hat. Das Haus sei vorerst nicht mehr bewohnbar, hieß es schon damals in der entsprechenden Polizeimeldung.
Von Sanierungsarbeiten ist ein Jahr später allerdings nichts zu sehen. Stattdessen wurde die Tür mit Kette und Schloss gesichert und ein Schild angebracht: „Betreten der Baustelle verboten.“ Ein weiteres Schild macht auf eine Videoüberwachung aufmerksam, die vor unbefugtem Zutritt schützen soll.
Ganz in der Nähe, in der Lynarstraße, befindet sich ein Haus, das bereits im Leerstandsmelder – einer Plattform, auf der Bürgerinnen und Bürger leerstehende Wohnungen oder Häuser in eine Karte eintragen – verzeichnet ist. Um ein Geisterhaus scheint es sich nicht zu handeln. Gardinen zeugen davon, dass ein Teil der Wohnungen bewohnt ist. Blickt man aber auf die Klingelschilder, sind die meisten leer oder die Farbe ist verblasst. Die Läden im Erdgeschoss sind ebenfalls geschlossen.

Wohnen in Berlin-Spandau: In der Lynarstraße befindet sich ein Gebäude, in dem offenbar viele Wohnungen nicht genutzt werden.
Tanja RömischerDas Gebäude ist auf der Homepage einer Immobiliengruppe aus Österreich aufgeführt. Diese gibt die „vermietbare Fläche“ mit 1.670 Quadratmetern an. Die 26 Wohneinheiten sollen jeweils eine Fläche von 40 bis 80 Quadratmetern haben, das Dachgeschoss kann ausgebaut werden.
Ursachen für den Leerstand in Berlin-Spandau
Die Gründe dafür, warum Eigentümer ihre Immobilien entmieten oder leerstehen lassen, können vielfältig sein. Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins Sebastian Bartels vermutet dahinter zwei Gründe: Ein Teil der Vermieter sei überfordert und gleichgültig, erklärte er gegenüber der Redaktion. Ein anderer Teil lasse Häuser vor allem aus Renditegründen verfallen, um eventuell auf Abriss oder zumindest bei ständig steigenden Bodenpreisen auf lukrative Veräußerung zu spekulieren.
Welcher Grund auch immer vorliegt - all dies fällt unter die Kategorie Zweckentfremdung von Wohnraum. Dagegen kann der Bezirk vorgehen, indem er ein entsprechendes Verfahren einleitet. Die Folge kann dann ein empfindliches Bußgeld sein.
Stehen ganze Gebäude leer, kann der Bezirk sogar einen Treuhänder einsetzen – eine Möglichkeit, die oft nicht genutzt wird, findet Bartels. Das längst verankerte Modell der Treuhänderschaft sei leider völlig aus dem Blick geraten.
Zwei Gesetze enthielten die Möglichkeit, Treuhänder einzusetzen: Das Zweckentfremdungsverbotsgesetz und das Wohnungsaufsichtsgesetz, hieß es. Statt die Bezirke zu ermuntern, flächendeckend solche Modelle zu testen, traue sich niemand so recht aus der Deckung.
Hintergrund: Das Gesetz zum Zweckentfremdungsverbot soll den vorhanden Wohnraum vor der Umwandlung in Gewerberaum oder Ferienwohnungen sowie vor Abriss und Leerstand schützen. Es schafft unter anderem die Möglichkeit, einen Treuhänder einzusetzen, der dann vorübergehend die Aufgaben des Eigentümers übernimmt und sich um die Instandsetzung und Wiedervermietung kümmert.
Spandau – 46 Verfahren wegen Zweckentfremdung eingeleitet
Der Bezirk Spandau verspricht unterdessen, nach Eingang einer Leerstandsmeldung schnellstmöglich aktiv zu werden. Für die Bearbeitung von Anliegen stehen fünf Mitarbeiter zur Verfügung, wie Referentin Schmidt-Gräfenhain mitteilte. Sie leiteten allein im Jahr 2024 in Berlin-Spandau 46 Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Zweckentfremdungsverbot ein (Stand: 30. September 2024). Aufgrund dauerhafter Sanierungsvorhaben in Wohngebieten seien für das Jahr weitere Verfahren zu erwarten, hieß es.
Das Bezirksamt ist bei der Suche nach leerstehendem Wohnraum auf die Hilfe der Öffentlichkeit angewiesen. Eine eigene Recherche seitens der Behörden erfolgt nicht. Bürgerinnen und Bürger können entsprechende Beobachtungen direkt beim Bezirksamt oder auch beim Berliner Mieterverein melden.


