AC/DC in Berlin 2025: So war das Konzert im Olympiastadion

Statteten nach zehn Jahren den Fans in Berlin wieder einen Besuch ab: AC/DC mit Sänger Brian Johnson und Gitarrist Angus Young (hier 2024 bei einem Konzert in Wien)
Tobias Steinmaurer/dpa/APA- AC/DC spielten nach 10 Jahren wieder in Berlin vor 60.000 Fans im Olympiastadion.
- Die Band zeigte trotz ihres Alters beeindruckende Energie, Angus Young glänzte mit Soli.
- Setlist: Klassiker wie „Highway to Hell“, wenig Neues vom Album „Power Up“ (2020).
- Ersatzmusiker Stevie Young, Matt Laug und Chris Chaney überzeugten.
- Finale mit „For Those About to Rock“ und Feuerwerk.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Zeit kann unerbittlich sein. Grausam sogar. Nirgendwo ist dies virulenter als im Rock’n’Roll. Beispiel: Axl Rose (63). Einst war er der Frontmann schlechthin – dynamisch, gefährlich, betörend. Gut 30 Jahre ist das her. Und was macht die Zeit? Lässt auf der aktuellen Tour von Guns’N’Roses nichts davon übrig. Böse Zungen unken sogar, der Sänger klinge heute Micky Mouse zum Verwechseln ähnlich. Schmerz lass nach!
Was also ist von AC/DC im Jahr 52 ihres Bestehens zu erwarten? Jener Band, die 2016 noch eine Tour abbrechen musste, da sonst Sänger Brian Johnson beinahe Taubheit gedroht hätte. (Kurzzeitiger Ersatz war damals übrigens ein gewisser W. Axl Rose.) Welche Grausamkeit hat die Zeit also für Angus Young, das mittlerweile 70-jährige Duracell-Häschen des Rocks, parat? An diesem Montagabend (30. Juni) in Berlin zeigt sich glücklicherweise: erfrischend wenig.
AC/DC ist in Berlin unter guten Freunden
Das Haar unter dem quietschgelben Schuluniform-Mützchen mag ergraut sein. Doch die Finger haben nichts an ihrer Präzision, ihrem Groove eingebüßt. Zielsicher fliegen sie beim Solo zu „If You Want Blood“, diesem Faustschlag von Song und Opener des Abends, über das Griffbrett von Youngs legendärer SG. Keine Frage: die Hand dieses Mannes besteht aus fünf Mittelfingern – und die recken sich dem Regime der Zeit entgegen.
Auch Brian Johnson, wie gewohnt mit Schiebermütze und ärmelloser Weste, ist wieder genesen und voll bühnentauglich. Es sei so schön, wieder in Berlin zu sein, sagt er eingangs. Es ist der zwölfte Auftritt der australischen Hardrock-Legenden hier. Man kennt sich. „Among good friends“, unter guten Freunden, sei man, so Johnson. Kein Wunder also, dass viele der rund 60.000 Fans ihre Metal-Kutten übergestreift und die Haarreifen mit Teufelshörnern abgestaubt (oder neu vor Ort gekauft) haben.
Euphorisch geht es bereits bei The Pretty Reckless zu, die als Support Bluesrock der lasziv-grungigen Art präsentieren. Doch erst AC/DC drückt das Pedal bis zum Anschlag durch. Pedal to the Metal, wie es im Englischen musikalisch präziser heißt. Vollgas auf dem Highway to Hell! Nicht nur im Intro, das über die Bildschirme flimmert und ein röhrendes, teufelsrotes Muscle Car zeigt, das bis auf die Bühne des Olympiastadions braust.
Der Auftritt von AC/DC in Berlin ist Teil der „Power Up“-Tour. Großartig vertreten ist das 2020 veröffentlichte Album jedoch nicht. Lediglich mit „Demon Fire“, für das Brian Johnson in seine unteren Register greift, und dem bluesig-stampfenden „Shot in the Dark“ erklingt Material der Platte in Berlin. Der Rest ist ein Best-of aus Spitzenzeiten. Die „Stiff Upper Lip“ wird zur Schau gestellt und aus der „Back in Black“-Ära gibt es „You Shook Me All Night Long“, „Shoot to Thrill“ und ein kollektives Anstoßen zu „Have a Drink on Me“. Und selbstverständlich sorgt die Evergreen gewordene Fingerübung „Thunderstruck“ für reichlich Blitz und Donner im Olympiastadion.
Viele hatten AC/DC schon abgeschrieben
Keine Frage: AC/DC haben noch reichlich Energie. Viele hatten die Band eigentlich schon 2014 abgeschrieben als Rhythmusgitarrist Malcolm Young aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Seine rechte Hand und ihre metronomhafte Unbestechlichkeit war die perkussive Kraft AC/DCs. Mit Malcolms und Angus Neffen Stevie Young haben sie jedoch einen würdigen Nachfolger für den inzwischen verstorbenen Riff-Meister gefunden. In Berlin hat er nicht nur die Gretsch Jet Firebird-Gitarre seines Onkels umhängen, er spielt sie auch wie er.
Wie auch für den Rest der „Power Up“-Tour spielen AC/DC ohne Schlagzeuger Phil Rudd. Für ihn sitzt Matt Laug an den Drums. Und der viel gefragte Session-Bassist Chris Chaney wiederum ersetzt den tourmüden Cliff Williams am Bass. Gemeinsam lassen sie Welle um Welle lautesten Rocks über die Fans rollen.
Viele in Berlin gespielte Songs stammen aus der Bon Scott-Ära
Dass sie dabei den relativ jungen „Rock N Roll Train“ (Baujahr 2008) fahren lassen, geht fast unter. Der Schwerpunkt der Setlist liegt in der zweiten Hälfte des Konzerts klar auf der Bon Scott-Ära. Egal ob das anrüchige „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „High Voltage“ oder der temporeiche Rock-Boogie „Riff Raff“ – Berlin feiert die Klassiker. Vor allem bei „Highway to Hell“ recken sie die Hände wie besessen zu Teufelshörnern in die Luft und rufen bei „Whole Lotta Rosie“ lauthals ANGUS!
Simple, irrsinnig eingängige Riffs, ohne Schnickschnack aus, heißt die Devise. Vorbei die Zeiten der riesigen Angus-Statue oder der aufblasbaren Rosie. Als Animation rekelt sich die „nineteen stone“ schwere Ikone trotzdem auf riesigen Bildschirmen. Überhaupt macht das Kamerateam vor Ort einen großartigen Job und setzt vor allem Angus Young und Brian Johnson unterhaltsam in Szene. Den Bühnenbildnern blieb jedoch nur die Höllenglocke, die Ehrfurcht erbietend zu „Hells Bells“ läutet. Sonst besteht die Kulisse lediglich aus einer Wand von Marshall-Verstärkern. Klinke rein, fertig. Wäre da nur nicht dieser ständig übersteuernde Sound, der fies in den Ohren kratzt.
Die Augen immerhin staunen. Oft auf den weit ins Publikum reichenden Bühnensteg. Zwar verausgabt sich Angus Young beim Gitarren-Solo-Sprint nicht mehr derart, dass nur noch die Sauerstoff-Maske hilft. Dennoch stampft der leidenschaftliche Raucher auch heute noch die Füße abwechselnd im Takt und lotet den ihm zur Verfügung stehenden Platz vollends aus. Sogar den Chuck Berry-Gedächtnis-Duck Walk packt er zu „Shot Down in Flames“ früh im Set aus. Und zu „Sin City“ fegt er sogar mit seiner Krawatte über die Saiten.
Gitarrengott Angus Young gibt sich minutenlangem Solo hin
Wie viel er noch im Tank hat, zeigt Angus Young zur halb-religiösen Hymne „Let There Be Rock“. Seit jeher ist der Song Rahmen für ein biblisch langes Solo. Und der Gitarrengott enttäuscht nicht. Im offenen Hemd – der Rest der schwarzen Schuluniform fehlt bereits – spielt er mit dem Publikum und lässt dabei die Finger über die Bünde flirren. Der 70-Jährige ist sichtbar in seinem Element – und zelebriert es dank Bühnenlift sogar in mehreren Metern Höhe über einem Meer rot blinkender Teufelshörnern.
Vielleicht wird der Sauerstoff hinter der Bühne ja doch weiter aufgedreht. Die Pause nach rund zehn Minuten schweißtreibendem Solo bis zur Zugabe fällt kurz aus. Zum Endspurt ist es ein von der Bassdrum begleiteter Akkord, mit dem AC/DC nochmals die Kräfte auf und vor der Bühne mobilisieren und in „Oi! Oi! Oi!“-Rufe münden lässt: „T.N.T.“ Der explosive Klassiker legt die Lunte für das eigentliche Finale. Das heißt „For Those About to Rock“ und bietet Salutschüsse aus Kanonen und die einzig mögliche Steigerung: Feuerwerk.
Und so triumphieren die australischen Rocklegenden mit rund 20 Songs endgültig über die Zeit. Man kann nur hoffen, dass sie sich Angus Young & Co. gegenüber trotzdem weiter gnädig zeigt. Denn die zurückliegenden zwei Stunden mit AC/DC waren mehr als alles andere: Eine verdammt gute Zeit.



