Avatar – Der Herr der Elemente
: Stärken und Schwächen der neuen „Netflix“-Adaption

Die Realverfilmung der Animationsserie „Avatar – der Herr der Elemente“ trifft Erwartungen, aber Kritik gibt es dennoch. Für echte Fans gibt es noch ein Konzert mit der Filmmusik von Jeremy Zuckerman.
Von
Jessica Reichhardt
Frankfurt (Oder)
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Avatar: Der Herr der Elemente. Gordon Cormier schlüpft in die Rolle von Aang, dem letzten Luftbändiger, der die Feuernation aufhalten muss. Die Netflix-Adaption hat bereits mit der ersten Staffel viel Lob und nicht wenig Kritik eingefangen.

Netflix

„Wasser, Erde, Feuer, Luft. Vor langer Zeit lebten alle vier Nationen in Harmonie zusammen, doch dann erklärte uns die Feuernation den Krieg und alles änderte sich“, so beginnt das berühmte Intro der Animationsserie „Avatar – Der Herr der Elemente“. Eine Serie, die auch heute noch auf Netflix oft genug in den Top 10 des Jahres zu finden ist, obwohl sie bereits seit 2008 abgedreht ist. Wer denkt, dass es sich bei der von Nickelodeon ausgestrahlten Serie nur um ein Kinderprogramm handelt, wird überrascht.

An den Erfolg und die Beliebtheit des letzten Luftbändigers Aang will nun Netflix mit seiner Realverfilmung anknüpfen. Während das Original bereits kindgerecht die Auswirkungen des Krieges (Zerstörung der Natur, Menschen auf der Flucht und Massengenozid) zeigte, setzt Netflix noch eins drauf. Die Auslöschung der Luftnomaden, eine der vier Nationen in der Welt von Avatar, wurde im Original nie im Detail gezeigt. Dafür aber oft genug die Hoffnungslosigkeit, die Aang auf seiner Reise durch die Welt begleitet und die er überwinden muss, um alle vier Elemente (Luft, Wasser, Erde und Feuer) beherrschen zu können. Auch hier knüpft die populäre Streaming-Plattform mit ihrer Verfilmung an.

In der Startwoche kam „Avatar – Der Herr der Elemente“ auf 21,2 Millionen Views. The Economic Times berichtet, dass jede Folge 15 Millionen USD gekostet haben soll. Hochgerechnet lag das Budget also bei 120 Millionen USD. Der kreative Kopf hinter der Produktion ist der US-amerikanische Produzent Albert Kim, der an der TV-Serie Sleepy Hollow mitgewirkt hat.

Die „Avatar“-Adaption wagt es, schockierende Bilder zu zeigen

Aus Platz- und Zeitgründen konnte die Adaption nicht alle Geschichten des Originals mitnehmen. Hier wurde Netflix kreativ: Bekannte Figuren wurden in Episoden eingebaut, die im Original erst viel später auftauchen würden oder eine eigene Episode bekommen hätten. Auch beliebte Zitate haben an anderer Stelle ihren Platz gefunden.

Dennoch kann man bemängeln, dass nicht alle Kostüme passend sind oder manche Handlungsstränge gerade zum Staffelfinale hin etwas übereilt wirken. Fans bemängeln auf X (ehemals Twitter), dass die Hauptfiguren nicht vielschichtig genug wirken und zu viele Änderungen gemacht wurden. Beispielsweise wird die Animationsserie dafür gelobt, dass Aang trotz seiner schweren Aufgabe es immer wieder geschafft hat seinen Mitstreitern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder seine Freunde darin zu erinnern, dass auch sie noch Kinder sind. In der Netflix-Adaption fürchten einige Fans, dass genau dieser Charme noch fehlt. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Aang nicht einmal das Wasser gebändigt hat, obwohl die erste Staffel repräsentativ für dieses Element steht.

Eine interessante Änderung ist die Darstellung von Zuko, dem Prinzen der Feuernation, dessen Vater die Weltherrschaft anstrebt. Zukos Aufgabe ist es, den Avatar zu fangen, wobei er von seinem Onkel begleitet wird. Im Original ist vor allem sein Charakter und wie er sich von Grund auf verändert eine der spannendsten Entwicklungen. Obwohl Netflix eine ähnliche Veränderung anzupeilen scheint, ist der neue Zuko im Gegensatz zum alten nicht so aufbrausend im Ton.

Netflix erntet Kritik für Charakteränderungen

Im Gegensatz zur Animationsserie hört er von Anfang an mehr auf die Ratschläge seines Onkels. Er ist zwar immer noch ungeduldig und reagiert aufbrausend, aber die Beleidigungen gegenüber seinem Onkel fehlen. Stattdessen baut Netflix eine respektvollere Beziehung zwischen den beiden auf, mit der man als Zuschauer durchaus mitfühlen kann. Und das, obwohl die beiden auf der Seite der Feuernation stehen.

Zuko war bereits in der Animationsserie ein Zuschauerliebling – etwas, worauf die Adaption aufbaut. Fans bemängeln infolgedessen, dass Zuko mehr hervorsticht als Avatar Aang und seine Freunde. Dafür hatten beide zusammen tiefere Gespräche als im Originalen, weshalb jetzt schon interessante Szenen entstanden sind. Es bleibt also abzuwarten, was genau Netflix für die (hoffentlich folgenden) weiteren Staffeln plant. Nichtsdestotrotz kann die Adaption als Hommage an Avatar-Fans bezeichnet werden. Die Liebe zu Details, wie das realistische Bändigen verschiedener Kampfstile, ist unbestreitbar da.

Im sogenannten Avatarzustand ist Aang am stärksten, aber auch am verletzlichsten. In der Animationsserie hatte Aang trotz großer Verantwortung viele Momente, in denen er Späße machte. Netflix wird dafür kritisiert, dass dies in ihrer Adaption bisher nicht oft genug gezeigt wurde.

Netflix

Live-Konzert in Berlin zum Miterleben

Für echte Fans wird am 30. April 2024 im Berliner Tempodrom ein Live-Orchester zwei Stunden lang beliebte Filmszenen aus der Animationsserie nachspielen. Emmy-Preisträger Jeremy Zuckerman komponierte seinerzeit die Musik zur Serie, die auch in der Adaption zu hören ist und am Konzertabend noch einmal auf ganz besondere Weise zum Leben erweckt wird. Der Kartenverkauf erfolgt über Eventim, derzeit (29.2.) sind alle Tickets ausverkauft, auch für das zweite Konzert in Düsseldorf am 27. April.