Befinden wir uns im goldenen Zeitalter des Fernsehens? Qualitativ mag diese Frage leidenschaftlich diskutiert werden. Quantitativ ist sie weniger strittig. Selten verließen mehr Serien die Produktionsstudios. Den Überblick über aktuelle Neuerscheinungen zu behalten, fällt nicht leicht. Noch schwerer ist es, in der Masse zu erkennen, wo sich das Einschalten lohnt. Wir versuchen es trotzdem – und stellen vielversprechende Serien vor, die dieses Jahr erscheinen.

„The Last of Us“ (WOW)

Anna Torv (l.) und Pedro Pascal in einer Szene der HBO/Sky-Serie "The Last of Us".
Anna Torv (l.) und Pedro Pascal in einer Szene der HBO/Sky-Serie "The Last of Us".
© Foto: Liane Hentscher/HBO
Noch sind Serienadaptionen auf Basis von Videospielen eher eine Seltenheit. Mit „The Last of Us“ könnte sich dies ändern. Die Erwartungen an die von Sony in Auftrag gegebene Verfilmung sind jedenfalls hoch, schließlich zählt bereits die 2013 erschienene Spielversion zu einem der meist gefeierten Formate seines Genres. Spiel wie Serie sind in einer nahen, postapokalyptischen Zukunft angesiedelt. Zwei Jahrzehnte schon liegt die globale Zivilisation in Trümmern. Schuld ist ein parasitärer Pilz, der Menschen als Wirte nutzt und in willenlose, aggressive Geschöpfe verwandelt. Die Wenigen, die sich noch nicht infiziert haben, sammeln sich in Quarantänezonen, die kleinen Diktaturen gleichen. So auch die 14-jährige Ellie, die von Joel befreit werden soll. Da nicht alles nach Plan verläuft, finden sich beide auf einer gefährlichen Odyssee quer durch die mit Zombies gefüllten USA wieder. Dabei könnte Ellie einen Weg aus der Krise weisen: Sie hat sich trotz Infektion nicht verwandelt.
Für die Show konnte nicht nur der Kopf hinter dem Videospiel, Neil Druckmann, gewonnen werden. An seiner Seite steht mit Drehbuchautor und Regisseur Craig Mazin („Chernobyl“) ein verdienter Streaming-Showrunner. Auch vor der Kamera glänzt „The Last of Us“ mit Schwergewichten. Neben Pedro Pascal („The Mandalorian“) als Joel gibt Bella Ramsey die junge Ellie. Das Nachwuchstalent dürfte vielen noch als die frühreife Lyanna Mormont aus „Game of Thrones“ bekannt sein.
Zu sehen ist „The Last of Us“ ab der Nacht auf den 16. Januar 2023 auf der Streaming-Plattform WOW. Neue Folgen erscheinen immer dienstags. Ab voraussichtlich März wird die Serie auch auf Sky Atlantic ausgestrahlt.

jerks. (Joyn)

Sorgen ein fünftes und letztes Mal für sehr viel Cringe: "jerks."-Duo Fahri Yardim (l.) und Christian Ulmen
Sorgen ein fünftes und letztes Mal für sehr viel Cringe: „jerks.“-Duo Fahri Yardim (l.) und Christian Ulmen
© Foto: Joyn/André Kowalski
Sie sind die unangefochtenen Meister des Cringe: Christian Ulmen und Fahri Yardim. Bereits vier Staffeln lang konnte das deutsche Fernsehpublikum die beiden in schmerzhaft-schöne Grenzbereiche des Humors begleiten. Nun kehrt das Duo für die finale Staffel von „jerks.“ zurück. Laut Streamingdienst Joyn, auf dem die Serie zu sehen ist, führt die fünfte Staffel erstmals in die Vergangenheit der Freunde Christian und Fahri. Wie haben sich die beiden kennengelernt? Und waren sie schon in jungen Jahren „Jerks“ (zu Deutsch: Trottel)?
Mit „jerks.“ verliert die deutschsprachige Fernsehlandschaft eines ihrer innovativsten Comedy-Formate. Die Serie, für die Christian Ulmen neben seiner Rolle als Hauptdarsteller auch als Autor, Regisseur und Produzent fungierte, setzt nämlich zu weiten Teilen auf Improvisation. Angesiedelt im vermeintlichen Alltag der beiden Freunde Ulmen und Yardim, die sich selbst spielen, gespickt mit allerlei Fettnäpfchen und Gastauftritten von Jasna Fritzi Bauer, Sido, Jasmin Wagner, Klaas Heufer-Umlauf und zahlreichen weiteren Prominenten entstand so eine bei Fans wie Kritikern gleichermaßen gefeierte Kombination.
Eigentlich sollte die finale Staffel von „jerks.“ bereits im Winter 2022 anlaufen, das Erscheinungsdatum wurde dann aber verschoben. Zu sehen ist sie nun ab 2. Februar 2023 auf Joyn Plus+. Nach der Premiere auf dem Streaming-Portal sollen die neuen Folgen auch auf ProSieben ausgestrahlt werden.

The Mandalorian (Disney+)

Publikumsliebling Grogu (alias "Baby Yoda") und sein Beschützer der Mandalorianer (Pedro Pascal) kehren für die dritte Staffel der Star Wars-Serie "The Mandalorian" auf Disney+ zurück.
Publikumsliebling Grogu (alias "Baby Yoda") und sein Beschützer der Mandalorianer (Pedro Pascal) kehren für die dritte Staffel der Star Wars-Serie "The Mandalorian" auf Disney+ zurück.
© Foto: The Walt Disney Company
Dass selbst jene, die so gar nichts mit „Star Wars“ anfangen können, Wind von „The Mandalorian“ bekommen haben, liegt an einem kleinen, grünen Wesen mit spitzen Ohren: Grogu, vielen besser bekannt als „Baby Yoda“. Nicht nur Fans der Reihe haben den Jüngling, der zur selben Spezies wie Jedi-Meister Yoda gehört, ins Herz geschlossen. Auch Din Djarin warf seinen Kodex als Kopfgeldjäger über Bord, um den machtsensitiven Winzling zu beschützen. Dass dies dem titelgebenden Helden von „The Mandalorian“ eine ganze Menge Ärger und zahlreiche Abenteuer bescherte, war bereits in Staffel 1 und 2 der Disney+-Serie zu sehen. Auch in der dritten Installation ist der Mandalorianer wieder mit seinem Findelkind vereint. Was die beiden genau erwartet, behält Disney bislang zwar für sich, in einer knappen Inhaltsangabe zur Serie ist aber von alten Verbündeten und neuen Feinden die Rede. Im Hintergrund kämpft die noch junge, neue Republik mit den dunklen Altlasten des vernichteten Imperiums. Zur Einordnung: Die Handlung von „The Mandalorian“ spielt wenige Jahre nach jener von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, der letzten Installation der ursprünglichen „Star Wars“-Trilogie, die zwischen 1977 und 1983 in die Kinos kam.
Als „The Mandalorian“ 2019 erstmals erschien, war es die erste Realserie aus dem „Star Wars“-Universum. Mittlerweile wuchs die Liste um Produktionen wie „The Book of Boba Fett“, „Obi-Wan Kenobi“ und „Andor“. Von ihrem stilbildenden Ruf hat die Produktion, die als erste überhaupt vor Videoleinwänden mit MicroLED-Technik gedreht wurde, nichts eingebüßt ist.
Wenig verwunderlich also, dass Disney erneut Produzent Jon Favreau an Bord holte. Was die Besetzung angeht, werden neben Hauptdarsteller Pedro Pascal, Katee Sackhoff als Bo-Katan Kryze, Carl Weathers als Greef Karga, Amy Sedaris als Peli Motto und Giancarlo Esposito als Bösewicht Moff Gideon vor der Kamera stehen.
Wie Lucasfilm-Kreativchef Dave Filoni und Produzent Jon Favreau auf der Comic-Con Experience in Brasilien mitteilten, läuft die dritte Staffel von „The Mandalorian“ ab 1. März 2023, abrufbar auf Disney+.

„Loki“ (Disney+)

Ganz schon viel Bürokratie im Multiversum: Mobius (Owen Wilson) und Loki (Tom Hiddleston) in einer Szene aus "Loki" auf Disney+
Ganz schon viel Bürokratie im Multiversum: Mobius (Owen Wilson) und Loki (Tom Hiddleston) in einer Szene aus „Loki“ auf Disney+
© Foto: Chuck Zlotnick/The Walt Disney Company
Noch eine Marvel-Produktion? Muss das sein? Bei der zweiten Staffel von „Loki“ dürfte die Antwort lauten: Ja. Schon die erste Staffel der Show ragte in dem mittlerweile 30 Filme und ein knappes Dutzend Serien umfassenden Marvel Cinematic Universe positiv heraus. Und das nicht nur dank des Charismas von Hauptdarsteller Tom Hiddleston. Die Serie um den Gott des Schabernacks bestach auch durch eine kreativ inszenierte Jagd durch verschiedene Zeitebenen und mit einem ungewöhnlichen Setdesign. Anders als in den oft vor Superhelden nur so wimmelnden Filmen gibt die Serie zudem einer der vielschichtigsten Figuren aus dem Hause Marvel viel Raum zur Entfaltung. Die Kombination machte „Loki“ zur meistgesehenen Marvel-Serie auf Disney+.
Zum Inhalt von Staffel 2 hält sich Marvel zwar noch bedeckt. Doch schon das erste Staffelfinale verwies auf Großes. So dürften die Zuschauer erneut in das Multiversum entführt werden. Erste Teaser und Trailer legen eine Konfrontation Lokis mit Super-Schurke Kang dem Eroberer nahe, der auch im Februar erscheinenden Marvel-Film „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ zu sehen sein wird. Der von Jonathan Majors gespielte Bösewicht hat nicht nur die Kontrolle über das Multiversum erlangt, er ist nun auch Herrscher der Time Variance Authority (TVA). Die Behörde, die eigentlich die Wahre Zeitleiste und damit den natürlichen Fluss der Zeit gewährleisten sollte, scheint Loki also auch in der Fortsetzung noch einige Kopfschmerzen zu bereiten. Neben Hiddleston und Majors kehren für Staffel 2 auch Owen Wilson als Mobius, Gugu Mbatha-Raw als Ravonna Renslayer und Sophia Di Martino als weibliche Loki-Inkarnation Sylvie zurück.
Ein genaues Erscheinungsdatum steht zwar nicht fest. Wie Marvel-Chef Kevin Feige ankündigte, soll Staffel 2 von „Loki“ aber im Sommer 2023 auf Disney+ anlaufen.

The Witcher (Netflix)

Für ihn wird es die dritte und letzte Staffel von "The Witcher" sein: Henry Cavill verlässt die Netflix-Serie
Für ihn wird es die dritte und letzte Staffel von "The Witcher" sein: Henry Cavill verlässt die Netflix-Serie
© Foto: Susie Allnutt/Netflix
In Sachen Fantasy gehört „The Witcher“ längst zu den ganz großen Formaten. Wenig verwunderlich also, dass Netflix diesen Sommer mit einer dritten Staffel der Reihe um Hexer Geralt von Riva aufwartet. Laut dem Streaming-Riesen soll darin die Jagd auf Ciri von Cintra weitergehen. Noch hält Geralt, der seine Ziehtochter nach allen Regeln der magischen Kunst beschützen will, versteckt. Während Yennefer das Mädchen selbst in die Magie einführt. Doch die Gegner bringen sich schon in Stellung. Politische Intrigen, dunkle Magie und Verrat lauern also auch in Staffel 3.
Die auf Büchern des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski basierende Show orientiert sich, wie schon in Staffel 2, erneut an dessen Pentalogie-Hauptreihe um den Hexer Geralt. Für die neuen Folgen diente der zweite Band „Die Zeit der Verachtung“ als Vorlage. Und wie Serienschöpferin Lauren Schmidt Hissrich gegenüber dem Branchenblatt „Entertainment Weekly“ verriet, soll der Staffelauftakt gleich an einen besonderen Ort führen: Shaerrawedd. Die Ruinen des einst prächtigen Elben-Palasts zu sehen, dürfte viele Fans freuen.
Weniger glücklich stimmte die Fangemeinde allerdings die Nachricht, dass Henry Cavill die Rolle des Geralt nach Staffel 3 an den Nagel hängen wird. Für die bereits bestellte vierte Staffel soll Liam Hemsworth das Hexer-Kostüm anlegen.
Einen genauen Starttermin nannte Netflix noch nicht. Sicher ist aber, dass Staffel 3 von „The Witcher“ im Sommer 2023 anlaufen soll. Für alle Ungeduldigen hat der Streaminganbieter im Dezember „The Witcher: Blood Origin“ veröffentlicht. Die Mini-Serie spielt 1200 Jahre vor den Ereignissen der Geralt-Saga.

True Detective (HBO/Sky)

Jodie Foster übernimmt die Hauptrolle in "True Detective: Night Country", die vierte Staffel der erfolgreichen Krimi-Reihe von HBO.
Jodie Foster übernimmt die Hauptrolle in "True Detective: Night Country", die vierte Staffel der erfolgreichen Krimi-Reihe von HBO.
© Foto: Jordan Strauss/dpa
„True Detective“ steht für anspruchsvollen Krimi mit erstklassiger Besetzung. Mit jeder Staffel wechselt die Anthologieserie Ermittler und Schauplätze, verpflichtet sich aber jedes Mal schaurigen und überaus spannenden Kriminalfällen. Nach Hollywood-Granden wie Woody Harrelson, Matthew McConaughey und Colin Farrell war zuletzt 2019 Oscargewinner Mahershala Ali („Moonlight“) als Ermittler in Arkansas zu sehen. Doch nach Staffel 3 passierte lange nichts – bis der US-amerikanische Streamingdienst HBO vergangenen Monat ein Video mit Produktionen veröffentlichte, die 2023 erscheinen sollen. Zur Freude vieler befand sich darin auch ein kurzer Teaser für eine vierte „True Detective“-Staffel. Und mit Jodie Foster in der Hauptrolle hält auch sie wieder viel schauspielerisches Talent bereit.
Dass HBO „True Detective: Night Country“, so der volle Name der Neuauflage, in Auftrag gegeben hat, war bereits vorher bekannt. Genau wie der grobe Rahmen der Handlung: Im tiefsten Alaska geht die von Foster gespielte Ermittlerin Liz Danvers dem mysteriösen Verschwinden von sechs Männern nach, die auf einer arktischen Forschungsstation arbeiteten und von denen plötzlich jede Spur fehlt. Unterstützung erhält sie von Evangeline Navarro, gespielt von Profiboxerin Kali Reis („Catch the Fair One“). Um den Verschwundenen auf die Spur zu kommen, müssen sich die beiden Ermittlerinnen „mit ihrer Vergangenheit und den dunklen Wahrheiten, die unter dem arktischen Eis liegen, auseinandersetzen“, heißt es ominös in einer Pressemitteilung von HBO.
Gedreht wurde die vierte Staffel von „True Detective“ in Island, unter Federführung der mexikanischen Showrunnerin Issa López. Neben Foster und Reis sollen unter anderen auch John Hawkes, Christopher Eccleston und Fiona Shaw Teil der Besetzung sein.
Ein genaues Erscheinungsdatum von „True Detective: Night Country“ steht noch aus. Eine Veröffentlichung 2023 ist aber so gut wie sicher. Staffel 1 bis 3 der Serie sind auf WOW und Sky abrufbar.

Ted Lasso (Apple TV+)

Wohlfühl-Comedy mit viel Erfolg: Brendan Hunt (l-r), Jason Sudeikis und Brett Goldstein kehren für eine dritte Staffel der Serie "Ted Lasso" auf Apple TV+ zurück.
Wohlfühl-Comedy mit viel Erfolg: Brendan Hunt (l-r), Jason Sudeikis und Brett Goldstein kehren für eine dritte Staffel der Serie "Ted Lasso" auf Apple TV+ zurück.
© Foto: Colin Hutton

Diese Serie kam genau zur richtigen Zeit. Wenige Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 veröffentlichte der Streaming-Dienst Apple TV+ mit „Ted Lasso“ eine unscheinbare Comedy-Show über einen US-amerikanischen Football-Trainer, der in England einem strauchelnden Fußball-Club sportlich (und auch menschlich) wieder auf die Beine helfen soll. Vielleicht war es der kuschelig-harmlose Humor, die zahlreichen mit jeder Menge Herz geschriebenen Charaktere oder der charismatische Cast um Hauptdarsteller Jason Sudeikis – woran es auch lag, „Ted Lasso“ wurde in der Krise zur Serie, nach der niemand gefragt hatte, die aber scheinbar alle gebrauchen konnten.
Die von „Scrubs“-Schöpfer Bill Lawrence erdachte Serie wurde nicht nur mit guten Kritiken überhäuft. Sowohl Staffel 1 wie auch Staffel 2 waren für jeweils 20 (!) Kategorien bei den Emmys nominiert, insgesamt gewann die Serie elf davon. Und bei Apple TV+ ist „Ted Lasso“ nach wie vor die meistgesehene Serie überhaupt.
Eineinhalb Jahre nach Staffel 2 soll der AFC Richmond um Trainer Ted Lasso nun für eine dritte Runde zurückkehren. Gerüchte, dass es sich bei ihr gleichzeitig um die finale Staffel der Wohlfühl-Comedy handeln soll, halten sich hartnäckig. Der britischen Zeitung „The Sunday Times“ gegenüber deutete „Ted Lasso“-Star Brett Goldstein jedenfalls an, dass die letzte Folge der neuen Staffel wie ein Serienfinale geschrieben werde. Offiziell bestätigt hat Apple TV+ ein Ende der Show allerdings noch nicht.
Ein genaues Erscheinungsdatum für Staffel 3 von „Ted Lasso“ steht noch nicht fest. Es wird allerdings mit einem Start in der ersten Jahreshälfte 2023 gerechnet. Abrufbar ist die Serie auf Apple TV+.