BAP live in Berlin 2024: Wolfgang Niedecken singt im Tempodrom Hits aus den 80ern

Wolfgang Niedecken (M.) mit Anne de Wolff (l.) auf der Bühne. Auf insgesamt vier „Zeitreise“-Konzerten spielte die Kölschrock-Band BAP im vergangenen Jahr in ihrer Heimatstadt noch einmal alle Titel ihrer beiden Durchbruchsalben „Für Usszeschnigge!“ und „Von drinne noh drusse“. Daraus erwuchs eine umfangreiche Tournee, die sie im November 2024 ins Tempodrom nach Berlin führen wird.
picture alliance/dpa- BAP spielt im November 2024 im Tempodrom Berlin Hits aus den 80ern.
- Fokus auf Alben „Für Usszeschnigge!“ und „Von drinne noh drusse“.
- Wolfgang Niedecken singt auf Kölsch vor internationalem Publikum.
- Konzert fällt auf den Jahrestag der Reichspogromnacht.
- Fans sollten öffentliche Verkehrsmittel nutzen; Tempodrom hat keine eigenen Parkplätze.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer als Musiker den ganz großen Durchbruch schaffen will, muss auf Englisch singen. So lautet ein ungeschriebenes Gesetz der Musikindustrie. Und meistens stimmt das bis heute ja auch. Aber dann kommt jemand daher und zeigt, dass es auch ganz anders sein kann. Stellt alle Regeln auf den Kopf und macht Musik, die in Bezug auf großen Publikumserfolg so unwahrscheinlich ist, wie sie es nur sein kann.
Dieser jemand ist Wolfgang Niedecken mit seiner Band BAP. Niedecken verweigert sich nicht nur dem Englischen seit mehr als 45 Jahren beharrlich. Er singt sogar in einem Idiom, das schon 100 Kilometer von seinem Herkunftsort nur die wenigsten noch verstehen: Er singt auf Kölsch. BAP spielen damit tatsächlich vor ausverkauften Häusern, und das sogar in nicht-deutschsprachigen Ländern Europas. Sänger Wolfgang Niedecken hat mit seinem Freund Bruce Springsteen auf der Bühne gestanden, er hat die Texte von Bob Dylan in seine niederdeutsche Mundart übersetzt (Album „Leopardefell“, 1995). In Deutschland hatten BAP mehr Nummer-1-Alben als die Beatles.
„Verdammp lang her“: Welche alten BAP-Stücke gespielt werden
Mehr als 40 Jahre nach ihrem Durchbruch blickt die Band um Wolfgang Niedecken nun zurück. BAP spielen zwei frühe Alben in voller Länge: „Für Usszeschnigge!“ und „Vun drinne noh drusse“ (Hochdeutsch: „Zum Ausschneiden!“ und „Von Drinnen nach Draußen“). Beinahe nonstop war die Band damals auf Konzertreise und brachte Nicht-Rheinländer dazu, die für sie unverständlichen Liedtexte lautmalerisch mitzusingen. Die Band spielte auf den großen Protestveranstaltungen gegen den Nato-Doppelbeschluss in Bonn, sie lieferte den Soundtrack für die damals junge, friedensbewegte Generation. Sie stieg von einem Club-Act zu einem Chart-Topper auf.
In dieser Zeit entstanden jede Menge bleibender Songs, Klassiker geradezu. Zum Beispiel „Kristallnaach“ über die nationalsozialistischen Pogrome vom 9. November 1938 und die Gefahr einer Wiederkehr finsterer Mächte. Oder „Do kanns zaubere“, ein Liebeslied, in dem sich das poetische Ich ganz verletzlich und unsicher zeigt. Und nicht zuletzt „Verdamp lang her“, der größte Hit der Band überhaupt. Im Tempodrom werden auch jene Stücke von diesen beiden Alben zu hören sein, die die Band auf früheren Tourneen noch nie angefasst hat.
Ob es wohl ein Zufall ist, dass ihr Berliner Konzert ausgerechnet auf den Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht fällt? Auch zu einem anderen deutschen Schicksalsereignis, der an den 9. November geknüpft ist, haben BAP eine besondere Beziehung: 1984 sollten sie in der DDR eigentlich eine Tournee mit 14 Konzerten geben. Der Deal platzte kurzfristig, als die Band schon in Ostberlin war. Der Grund: Ihr Lied „Deshalv spill` mer he“ („Deshalb spielen wir hier“), das sie eigens für diesen Anlass komponiert hatten, wurde als SED-Kritik gedeutet. Die Künstleragentur der DDR intervenierte in letzter Minute.
Wolfgang Niedecken und BAP: Der Bob Dylan vom Rhein
Wolfgang Niedecken, geboren 1951, erspielte sich schon ab Mitte der 1970er-Jahre in Köln und Umgebung einen Ruf als singender Kunststudent in den musikalischen und lyrischen Spuren von Bob Dylan. Bis heute ist der abgebrochene Kunststudent auch im Bereich der bildenden Kunst tätig. Niedecken hat viele BAP-Albumcover gestaltet und eigene Ausstellungen gemacht.

Rückblick ins Jahr 1999: Der amerikanische Filmstar und Künstler Dennis Hopper (l.) eröffnet in Düsseldorf eine Kunstausstellung von BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (r.)
picture-alliance / dpaDie Band an Niedeckens Seite muss daneben notgedrungen etwas im Schatten stehen. Sie hat sich im Laufe der Jahrzehnte deutlich gewandelt. Schon in den späten 1970er-Jahren kamen und gingen die Bandmitglieder. Langjährige Gefährten, die auch beim Songwriting wichtig waren, sind heute nicht mehr dabei. So sind die Lead-Gitarristen Klaus Heuser (1980-199) und Helmut Krumminga (1999-2014) beide nicht mehr dabei. Vielen Fans aus Ostdeutschland ist vor allem der aktuelle Keyboarder Michael Nass (seit 1999 dabei) ein Begriff, der auch Mitglied der Band Seilschaft ist.
Wolfgang Niedecken und BAP: Publikumsnah im Tempodrom
Wer BAP kennt und schätzt, weiß, dass die Band den intensiven Kontakt mit ihren Fans sucht und bei Auftritten eine besondere Stimmung herbeizaubert. Dafür haben Niedecken und Co. sich stets besondere Orte ausgesucht: Lieber nicht die ganz großen und sterilen Arenen, sondern Theatersäle mit Rängen, Clubs oder Bühnen, die Amphitheatern gleichen: Hauptsache, alle sind immer mittendrin.
Schon zu Zeiten ihres Durchbruchs Anfang der 1980er-Jahre spielten BAP in ihrer Heimatstadt lieber eine Woche lang in den Sartory Sälen (ca. 1500 Plätze) als einmal in der großen Sporthalle (ca. 8000 Plätze). Im vergangenen Jahr haben sie diese Tradition mit vier Auftritten in den Sartory Sälen aufgegriffen; diese Konzerte bildeten zugleich den Auftakt in die laufenden „Zeitreise“-Tournee mit den Alben von 1981 und 1982.
Und das 2001 neueröffnete Tempodrom in Kreuzberg passt perfekt zu ihren Ansprüchen: Die Konzertbühne mit dem markanten Spannbetondach wurde einem Zirkuszelt nachempfunden, die Bühne ragt weit in die Arena mit ihren kreisförmig angeordneten Tribünen hinein.
BAP im Tempodrom: Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Allen Fans sei geraten, am Sonnabend das Auto lieber stehenzulassen und mit S- oder U-Bahn zum Konzert zu fahren. Das Tempodrom verfügt über keine eigenen Parkplätze, und die Straßen ringsum sind auch ohne laufende Großveranstaltungen meist schon randvoll mit parkenden Autos. In fußläufiger Nähe findet sich aber zum Beispiel die S-Bahn-Trasse der Linien S1, S2, S25 und S26 (Station Anhalter Bahnhof), die U-Bahn-Line U2 (Potsdamer Platz) sowie die Linien U1, U3 und U7 (Möckernbrücke). Außerdem einige Buslinien.

Wolfgang Niedeckens BAP im Kölner Club Basement bei einem der ersten Auftritte im Jahr 1978 oder 1979, noch ohne den langjährigen Gitarristen Klaus Heuser.
picture-alliance / dpaBAP: „Zeitreise 81/82“ am Sonnabend, 9. November, Tempodrom, Möckernstraße 10, 10963 Berlin-Kreuzberg, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Ggf. bald wieder neues Kontingent mit Restkarten ab 32,90 Euro verfügbar



