Beyoncé im Film: Was der Superstar in „Renaissance“ von sich preisgibt

Szene des Konzertfilms «Renaissance: A Film by Beyonce». Die US-Musikerin Beyonce veröffentlichte am 1. Dezember den Film über ihre jüngste Konzertreihe.
Foto: AMC Int/dpaWenn Beyoncé, die wenig über ihr Privatleben preisgibt, eine Doku herausbringt, wird die Welt hellhörig: Wird Queen B plaudern? Ja und nein. Die 168–minütige Konzertdoku „Renaissance: A Film by Beyoncé“, die seit Freitag in den Kinos läuft, feiert die 42–Jährige als liebende Mutter backstage mit ihren drei Kindern, leidenschaftliche Produzentin und selbstbewusste Performerin, die niemandem mehr etwas beweisen muss. Es glitzert und menschelt. Auch durch die Bilder von den zahlreichen Fans.
Die Doku schwankt zwischen Konzertfilm und Beyoncéportrait. Das funktioniert sehr gut. Vieles, was Beyoncé erzählt, ist bereits bekannt, Kamerawechsel stören das reine Beyoncé-Erlebnis. Beeindruckend hingegen ist der Einstieg mit glasklar gesungenem „Dangerously In Love“ und „Flaws and All“. Je nach Konzertlocation ist Beyoncé eine Wüstenqueen in Gelb, elegant in Schwarz oder ein knallrotes Energiebündel, der Outfitwechsel erfolgt dabei mit nahtlosen Schnitten. Natürlich spielt Queen B(ey) neben dem neuen Album auch alte Hits wie „Crazy In Love“, „Naughty Girl“, „Sweet Dreams“ und „Run the World (Girls)“. An Beyoncés Geburtstag tritt Diana Ross für sie auf, als Tina Turner stirbt, singt Beyoncé „River Deep, Mountain High“ ihr zu Ehren. Das wird leider zur Randnotiz.
Die Show mit vier Jahren Vorbereitungszeit zwischen Sci–Fi, Hommage und Fashion ist komplett durchdesigned. Das Licht ist zum Beispiel dann perfekt, wenn man wie bei einem Jil Sander–Kleid nichts mehr weglassen kann. Mode begleitet Queen B seit Kindheitstagen, ihre Großmutter war Näherin. Als sie für ihre frühere Band Destiny‘ s Child kein HighEnd–Label fand, entwarfen „Onkel Johnny“ und ihre Mutter Tina Knowles–Lawson die Outfits. Beiden widmet sie das „Renaissance“-Album.
Allen Widerständen zum Trotz
Durch „Onkel Johnny“ lernte Beyoncé die Ballroomszene kennen, wo People of Color (PoC), trans und queere Menschen auch heute noch Raum haben, sich auszudrücken. Beyoncé, auch die ikonische Mutter des „House of Renaissance“ genannt, vogued auf der Bühne in der Category „Sexy, Bitch, Superstar“, lässt ihren Fächer gekonnt aufschnappen. Auch andere bekommen Platz, um zu scheinen.
Besonders bewegend: Beyoncé wurde von ihrem Vater Matthew Knowles schon früh und sehr schmerzhaft zum Superstar getrimmt. Als sie mit zwölf Jahren eine neunstündige Aufnahmesession hatte, bluteten die Stimmbänder. Einen Sommer lang durfte der Teenie nicht singen, selbst in der Achterbahn war Schreien nicht erlaubt. Man sieht den Wagen einer Achterbahn nach oben fahren. „Ich dachte, das war's“, gesteht sie im Film. Mit viel Disziplin holte sie sich ihr Recht, zu singen, wieder zurück. Aufgeben war nie eine Option. Vor der fünfmonatigen Renaissance–Tour trainierte Beyoncé unter erschwerten Bedingungen: Sie hatte eine Knie–OP. Ihre Tochter Blue Ivy Carter ist vom selben Schlag.
Trailer zum Film auf YouTube:
Wie ihre Mutter kämpft sich Blue Ivy auf die Bühne. Als sie ihren einmaligen Auftritt Kritik erntet, erkämpft sie sich einen Platz in der Show. „Sie will ihre Macht zurück“, kommentiert Beyoncé Ivy Blues Entscheidung. Gegen alle Widerstände glänzt sie. Wie ihre Mama, der man einfach gern beim Arbeiten zusieht.
„Renaissance: a Film by Beyoncé“ läuft seit 1.12. in vielen Kinos, regional u.a. im UCI im Lausitzpark in Cottbus, im UCI am Eastgate und Cinemotion Hohenschönhausen und diversen anderen Berliner Kinos

