Brandenburgischer Kunstpreis 2024: Woidke setzt ein Zeichen für die Kunstfreiheit

Die Akteure und den Preisträger auf der Verleihung des 21. Brandenburgischen Kunstpreises auf Schloss Neuhardenberg. Für die diesjährigen Preise in den Kategorien Malerei, Plastik/Installation, Grafik, Fotografie haben sich insgesamt 347 Künstlerinnen und Künstler beworben – so viele wie noch nie.
Patrick Pleul/dpaWer wissen will, wozu es Kunst braucht, muss Cornelia Schleime fragen. „Das Nette hat in der Kunst nicht zu suchen“, ruft die goldgewandete Ehrenpreisträgerin des Jahres ins Mikrophon. Nett sein können man zu Nachbarn oder zu Kindern, aber nicht mit Kunst.
Die in der Nähe von Neuruppin lebende Künstlerin, die schon über mehrere Leben und damit auch mehrere Lebenswerke verfügt, von der Fotografie und Performance über Malerei, Musik, Schauspielerei und Literatur, bezeichnet sich selbst als extrem freiheitsliebend – und malt daher auch das, was wild und frei sein will: Vögel, Mädchen mit windzerzaustem Haar, oder mit Hühnerbeinen in der Hand. Um „Züchtigung und Bändigung“ sei es in ihrem Werk immer gegangen, sagt sie, und bezeichnet sich als „komplett verträumt und dann wieder wie eine Kalaschnikow“.
Brandenburgischer Kunstpreis 2024 im Umbruch
Das ist der richtige Ton für eine Veranstaltung, die sich in diesem Jahr neu aufstellt und positioniert – und das nicht nur wegen der anstehenden Wahlen und der möglichen Auswirkungen auch auf Kunst und Kultur. Als „kritische Infrastruktur“ bezeichnet Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Kunst und Künstler in seiner Laudatio auf Cornelia Schleime. Sein Credo: Es gibt keine freie Gesellschaft ohne freie Kunst - und keine freie Kunst ohne eine freie Gesellschaft.
Wie passend, dass die Landesregierung gerade in diesem Jahr die Trägerschaft für den Brandenburgischen Kunstpreis vom Märkischen Medienhaus übernommen hat. Und bezeichnend auch, dass der Preis im kommenden Jahr erst einmal nicht verliehen werden kann, wie Regierungssprecher Florian Engels bestätigt. Die Landtagswahl und ein noch nicht verabschiedeter Haushalt verhindern die Finanzierung.
Brandenburgischer Kunstpreis 2024 – Juryvorsitzender geehrt
Dennoch darf Woidkes Rede als Bekenntnis gelesen werden, und auch sein warmer Dank an Juryvorsitzenden Frank Mangelsdorf, der mit diesem Jahr seinen Posten aufgibt. Das, was er in zwanzig Jahren mit der Preis etabliert hat, ein jährliches Familientreffen der brandenburgischen Kunstszene, wird hoffentlich weiterbestehen.
Oder, wie Fritz Bornstück, Preisträger von 2022, es in seiner Künstlerrede formuliert: „Der Kunstpreis bläst uns den Wind in die Segel“. Denn Kunstschaffende müssten nicht nur leben – Jörg Engelhardts Diktum „Kauft beim lebendigen Künstler“ wurde mehrfach zitiert – sondern brauchten auch Öffentlichkeit, Austausch und Diskussion.

Dietmar Woidke (SPD, r), Ministerpräsident von Brandenburg, und Frank Mangelsdorf (l), Jury-Vorsitzender vom Brandenburgischen Kunstpreis, ehren die Künstlerin Cornelia Schleime mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten auf der Verleihung des 21. Brandenburgischen Kunstpreises auf Schloss Neuhardenberg.
Patrick Pleul/dpaDazu bietet nicht nur die Kunstpreisausstellung in Neuhardenberg, sondern eben auch diese Preisverleihung gute Gelegenheit – mit Preisträgern, die die ganze Vielfalt der Brandenburgischen Szene verkörpern. Mit Kraft, Farbe und Energie, wie der Maler Volker Henze in seiner Hommage an Tina Turner – oder mit Skulpturen, die die Seele im Baumstamm suchen, wie bei dem Bildhauer Klaus Hack.
Frank Diersch zeichnet dystopische Stadtlandschaften als Kommentar auf eine wuchernde Stadtentwicklung und Sven Gatter lässt sich von den Wäldern rund um Beeskow inspirieren. Und immer liegt darin die Spannung zwischen Drinnen und Draußen, Stadt und Land. „Es gibt hier draußen viel zu entdecken“, so der vor acht Jahren nach Altfriedland gezogene Bornstück. Die Gäste aus Berlin und Brandenburg, die noch bis 11. August hoffentlich zahlreich ihren Weg nach Neuhardenberg finden, mögen ihn beim Wort nehmen.
Ausstellung Brandenburgischer Kunstpreis 2024: Neuhardenberg, bis 11. August 2024, Di bis So 10 bis 18 Uhr

