Brandenburgischer Kunstpreis 2024: Wer sind die Preisträger?

Frank Mangelsdorf (l.), Jury-Vorsitzender vom Brandenburgischen Kunstpreis, Heike Kramer, Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Neuhardenberg und Tobias Dünow (SPD), Kulturstaatssekretär, stehen neben einem Gemälde der Künstlerin Cornelia Schleime, die 2024 mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet wird.
Patrick Pleul/ZB/dpaNachdenklich schaut die junge Frau nach unten, an ihren blonden Haarsträhnen hat sich eine Taube vergangen, zieht an ihr, lockt, reißt. Angriff? Befreiungsversuch? Das großformatige Bild der Künstlerin Cornelia Schleime ist Blickfang und Höhepunkt der diesjährigen Kunstpreis-Präsentation.
Die Wahl der in der Nähe von Neuruppin und in Berlin lebenden Malerin, Performerin und Autorin als Ehrenpreisträgerin des Ministerpräsidenten ist eine gute, wichtige, überfällige Ehrung. Schleime, die 1952 in Ost-Berlin geboren wurde und 1984 aus der DDR ausgebürgert wurde, hat mehrere Häutungen und Neuanfänge hinter sich – und diese immer produktiv in künstlerische Arbeiten umgesetzt.
Brandenburgischer Kunstpreis 2024: Das sind die Preisträger
Ihre Ehrung ist auch insofern ein gutes Signal, als das Quartett der aktuellen Preisträger diesmal rein männlich daherkommt. Die Spanne reicht dabei von Volker Henze, Jahrgang 1950 und wohnhaft in Hohenfinow, der für sein farbmächtiges Bild „T.T. (3)“ ausgezeichnet wurde, bis zu dem 1978 geborenen Sven Gatter, dessen Serie „straucheln und lichten“ dank des Günter-de-Bruyn-Stipendiums in Tauche bei Beeskow entstand. Der 1966 geborene Werneuchener Klaus Hack, dessen hintersinniger „Madonnen-Altar“ in der Kategorie „Plastik/Installation“ ausgezeichnet wurde, ist als Schöpfer der letztjährigen Kunstpreis-Skulptur ein guter Bekannter. Und Frank Diersch, Jahrgang 1965 und wohnhaft in Woltersdorf, dessen Zeichnung „Ankunft und Ansicht – Nomad City“ eine kleinteilige, wimmelbildartige Stadtansicht präsentiert, war auch schon 2018 Kunstpreisträger.
Alles also im Zeichen der Kontiuität, im 21. Jahrgang des Brandenburgischen Kunstpreises, der in diesem Jahr erstmals vom Land Brandenburg und der Stiftung Schloss Neuhardenberg gemeinsam getragen wird. Juryvorsitzender Frank Mangelsdorf freut sich über 347 Einreichungen auf die Ausschreibung hin – „ein Rekord!“ 52 künstlerische Positionen werden ab Sonntag in der Ausstellungshalle in Neuhardenberg präsentiert. Die feierliche Preisverleihung findet am 7. Juli in Neuhardenberg statt.
Die Spanne, in der sich die künstlerischen Positionen bewegen, macht vielleicht am besten das Dreier-Triptychon des 1986 geborenen Nachwuchspreisträgers Adam Sevens aus Potsdam deutlich: Der Fotograf, der erst den Beruf des Erziehers erlernte und dann am Lette-Verein ausgebildet wurde, stellt eine in einen Vorhang eingewickelte Zimmerpflanze, eine halbe Matrjoschka-Puppe und das Bild eines menschenleeren Seaside-Resorts sowie ein abbruchreifes Ruinengebäude direkt nebeneinander.
Stadtbezug und Naturschönheit, Urlaubsregion und abgehängte Dörfer, all das prägt Brandenburg und die Arbeiten der hier tätigen Kunstschaffenden. Da kann sich Sven Gatter von im Waldesgrün leuchtenden Farbpunkten wie Winterlingen, Lavendel oder Schneebeeren verzaubern lassen und Frank Diersch mit seiner wuchernden Stadtlandschaft einen dystopischen Text von Hugo de Saint Paul überschreiben, Volker Henze in der Farbexplosion seines Bildes Tina Turner ehren und Klaus Hack, der seine Holzskulpturen baut wie Architekturen, mit seinem aufklappbaren Altar auch einen Kommentar zu verschiedenen Kulten intendieren. Wie identitätsstiftend diese Leistungsschau der Brandenburgischen Künstlerinnen und Künstler ist, erlebe man jedes Jahr bei der Preisverleihung, betont Staatssekretär Tobias Dünow. Nur richtig daher, dass das Land nun auch die Verantwortung übernommen hat.
Der Brandenburgische Kunstpreis
Der Brandenburgische Kunstpreis wird seit 2004 jedes Jahr verliehen und geht auf eine Initiative der Märkischen Oderzeitung zurück. In diesem Jahr wird er erstmals vom Land Brandenburg und der Stiftung Schloss Neuhardenberg getragen. Verliehen wird er in den Kategorien Malerei, Plastik/Installation, Grafik und Fotografie und ist mit je 4000 Euro verliehen. Ebenfalls verliehen wird der mit 10.000 Euro dotierte Ehrenpreis des Ministerpräsidenten und ein mit einem Stipendium von 6000 Euro verbundener Nachwuchsförderpreis des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Preisverleihung ist am 7. Juli in Neuhardenberg (Eintritt frei). Zur Ausstellung, die ab Sonntag bis 11. August in Neuhardenberg zu sehen ist, erscheint auch ein Katalog.


