Clueso in Neuhardenberg
: So war das Akustik-Konzert im Schlossgarten

Mal leise, mal gemeinsam laut und hier und da Udo Lindenberg: Clueso lässt bei seinem Akustik-Konzert in Neuhardenberg der Freude am Musizieren freien Lauf.
Von
Michael Heider
Neuhardenberg
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Konzert mit Seltenheitswert: In Neuhardenberg spielte Clueso ein rein akustisches Set.

Konzert mit Seltenheitswert: Im Schlosspark Neuhardenberg spielte Clueso ein rein akustisches Set.

Manu Gruber
  • Clueso gab ein seltenes Akustik-Konzert im Schlosspark Neuhardenberg vor 1000 Besuchern.
  • Er spielte in Trio-Besetzung Songs wie „Keinen Zentimeter“ und Udo Lindenbergs „Cello“.
  • Die intime Atmosphäre verband träumerische Sommernächte mit humorvollen Momenten.
  • Publikum sang bei Hits wie „Chicago“ mit; ein Freestyle war Teil der Zugabe.
  • Konzert endete nach knapp 2 Stunden mit improvisierter Zugabe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Sonne verabschiedet sich gerade hinter den Baumkronen des Schlossgartens Neuhardenberg, da tritt Clueso, ganz in Schwarz gekleidet, auf die Bühne. Kein Wort, erstmal nur sanftes Zupfen an Gitarren-Saiten. Unaufdringliche Leichtigkeit füllt das Bogenzelt unter dem sich Bühne und Publikum befinden. Nach einigen Takten setzt er mit zart-rauer Stimme zu „Auf Kredit“ ein: „Gib mir was, das ich gebrauchen kann“.

Gebrauchen scheinen sie das alle, die rund 1000 Konzertgäste, unter von Gen Z bis Boomer alles vertreten ist, und Thomas Hüber, wie Clueso mit bürgerlichem Namen heißt. Was das ist? Ein lockerer Abend mit guter Musik in akustischem Gewand. „Geil, das macht Spaß! Wir sind auf einer Welle“, lässt Clueso das Publikum gleich zu Beginn wissen. Doch selbst für den 45-Jährigen, einer der fleißigsten Live-Künstler des Landes, hat ein Akustik-Set Seltenheitswert. Lediglich eine Handvoll Shows spielt er dieses Jahr.

Clueso, Picknick-Decken und träumerische Schwere

Eine geeignetere Kulisse als der Schlosspark Neuhardenberg ist für ein solch intimes Konzert schwer vorstellbar. Im Schatten der wuchtigen Kastanienbäume ist selbst die Hitze von knapp 30 Grad Celsius erträglich. Über allem liegt eine träumerische Schwere, wie sie nur heiße Sommernächte bieten. Dass einige Fans auf Decken liegend zu einem Glas Wein Clueso lauschen, verleiht dem Abend Soiree-Feeling. Clueso gefällt es: „Chillt euch ruhig hin.“

Den Soundtrack dazu liefert der Sänger in besonderer „Konstellation“, wie er es nennt. Sonst gerne auch mit riesiger Band unterwegs, hat Clueso in Neuhardenberg nur Gitarrist Deniz Erarslan und Drummer Tim Neuhaus an seiner Seite. Das Trio bricht die gespielten Songs aufs Wesentliche herunter. Und egal ob die Hymne für Frischverliebte „Keinen Zentimeter“ oder das melancholisch gegen Konvention ansingende „Barfuss“ – Cluesos Gespür für Sprache, sein Hang zu poetischen Bildern, im Leisen werden sie verstärkt.

Zu „Cello“ channelt Clueso Udo Lindenberg stimmlich

Bei aller Intimität macht der Abend aber vor allem eines: Spaß! Mehr als an einer Stelle gibt es viel zu Lachen. Etwa als Clueso beim Fan-Favoriten „Cello“, jenem legendären Udo-Lindenberg-Song, dem er 2011 mit einer Unplugged-Version neues Leben eingehaucht hat, den Panikorchester-Maestro selbst channelt und dessen unverkennbaren Singsang imitiert.

Dem ewig jung anmutenden Sänger sprüht diebische Freude am Musizieren aus jeder Pore. Und die Euphorie steckt an! Quälendes Animieren von Publikumsinteraktion ist an diesem Sonntag kein Problem. Mit fortschreitendem Set verwaisen die Picknick-Decken. Die Chance, nah an Clueso gemeinsam zu singen, ist zu verlockend. Entsprechend kraftvoll erklingen die Refrains nicht nur zu Hits wie „Flugmodus“ wie im Chor. Wer sagt schließlich, dass Akustik-Shows nur beschaulich und ruhig sein müssen? In Neuhardenberg jedenfalls ist „alles okay, alles gut...“

Das Tempo eines Songs wechselt Clueso auch mal mittendrin

Einem vorab zementiertem Ablauf müssen Akustik-Sets übrigens auch nicht folgen. „Wir machen heute viel Freestyle“, das betont Clueso. Und wenn es ihm wie bei „Pizzaschachteln“ zu gemächlich zugeht, reicht eine schnelle Bitte an Drummer Tim, doch etwas schneller zu spielen. Alles während des Songs versteht sich. Überhaupt hat der Musiker ein feines Gespür für den Stimmungsregler. Mit Leichtigkeit changiert er zwischen ausgelassener Feier und intimen Augenblicken.

Und auch um humorvollen Anekdoten ist er nicht verlegen. Zweiter Auftritt: Udo Lindenberg. Anders als er selbst, liebe Udo ja den Gang über den roten Teppich, erzählt Clueso. Gut also, dass er die Rocklegende an seiner hatte, als er einmal selbst nicht drum herumkam. Was er ihm allerdings im Blitzlichtgewitter der Kameras ständig unverständlich ins Ohr flüsterte, verriet Lindenberg Clueso erst im Nachhinein: „Nichts, sieht nur auf dem Foto gut aus.“

Zwischen „kleiner Gartenanlage“ und „absolutem Größenwahn“

Hier zwischen „kleiner Gartenanlage“ und „absolutem Größenwahn“, wie Clueso mit Augenzwinkern das Schlossensemble beschreibt, fühlt er sich wohl. Es sei sogar das erste Mal, dass er von Veranstaltern grünes Licht bekommen hat, solange zu spielen, wie er möchte. Allzu exzessiv nutzt Clueso das Angebot allerdings nicht. Als mit dem Überhit „Chicago“, „Achterbahn“ und „Sorgenfrei“ die Zugabe gespielt ist und die Regler ganz nach unten gehen, sind keine zwei Stunden vergangen.

Die ersten sind bereits zum Auto unterwegs, da überlegt es sich der Erfurter anders. Mit den Übriggebliebenen singt er „Du warst immer dabei“. Sogar einen echten Freestyle gibt es noch – neue Songs brauchen eben etwas, um im Stammhirn zu landen. Schließlich ist es wirklich vorbei, das melodiöse Gespräch mit Publikum in Neuhardenberg, das mal subtiles Flüstern, mal gemeinsames aus voller Kehle Singen war. Weniger ist manchmal eben nicht nur mehr, sondern ganz schön viel.