Dagmar Frederic: Aufgewachsen in Eberswalde – so war die Kindheit der DDR-Ikone

Verbrachte Kindheit und Jugend in Eberswalde: DDR-Showstar Dagmar Frederic. Die Sängerin und Moderatorin kehrt oft in ihre Heimatstadt zurück – so wie etwa 2019, als sie einen Serval taufen durfte (Archivbild).
Thomas BurckhardtDie Eberswalder Tigerradtour im Juni 2023 hielt eine besondere Überraschung bereit. Das Ende der Tour wurde im Eberswalder Zoo mit einem Auftritt der DDR-Showikone Dagmar Frederic gefeiert. Frederic schwelgte gemeinsam mit dem Publikum in Erinnerungen, denn einige Wochen zuvor wäre ihr Vater und langjähriger Direktor des Tierparks, Günter Schulz, 100 Jahre alt geworden.
Doch die Sängerin verbindet weit mehr mit Eberswalde als nur der Beruf ihres Vaters. Sie ist in der Waldstadt aufgewachsen, hat dort ihre erste Liebe erlebt und die Musik für sich entdeckt. Im Interview erinnert sie sich nun an die Stadt ihrer Kindheit – und gibt einen Ausblick auf ihre kommende Weihnachtsshow, mit der sie auch in der Region zu sehen sein wird.
Großvater von Dagmar Frederic besaß Gaststätte in Eberswalde
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ist die Geschichte der Familie Schulz mit der des Zoos verknüpft.
Auf dem Gelände betrieb Frederics Großvater Bruno Schulz einst die Gaststätte am Wasserfall. „5000 Sitzplätze hatte die“, berichtet Frederic. Doch sein Herz habe schon damals den Tieren gehört: „Er hatte ein großes Tiergatter, mit Wildschweinen, zwei Rothirschen und einigen Füchsen.“
Das alles ist 1945 mit einem Schlag zu Ende. „Ich bin am 15. April geboren, und eine Woche später kamen die Russen nach Eberswalde“, sagt Frederic. „Die eigenen Leute, die dann noch da waren, haben die Tiere erschossen und alles in Brand gesteckt.“ Bruno und Günter Schulz geraten in Gefangenschaft. Als Ersterer nach kurzer Zeit freigelassen wird, zieht die Familie nach Spechthausen.

Widmete ihr Leben der Musik: Dagmar Frederic, hier in ihrer Wohnung in Berlin.
Christina Pekel„Mein Vater kam erst 1949 aus Sibirien zurück“, erinnert sich die Sängerin.
Familie baute in der DDR Wildpark in Eberswalde aus
In der Zwischenzeit verwildert das Areal um den Wasserfall. 1957 wendet sich das Blatt: Auf dem Gelände soll unter Günter Schulz‘ Leitung ein Wildpark entstehen. Von Anfang an begleitet Frederic das Projekt: „Meine Mama und ich haben Kaffee gekocht und Schrippen und Stullen geschmiert, während die Männer im Wald geackert und alles schöngemacht haben.“ Das nötige Wissen dafür habe sich ihr Vater autodidaktisch angeeignet, so die Entertainerin.
Spuren der Vergangenheit finden sich dabei immer wieder. Entdeckt wird etwa ein Stein, auf dem der Name der Hündin steht, die Schulz gehörte, als er selbst noch ein Kind war.
„Der stand dann lange hinter unserem Haus als Denkmal“, sagt Frederic. Generell sei der Tierpark ein Familienbetrieb gewesen: „Ich habe selbst Tiere mit der Flasche aufgezogen. Meine Mutter saß dort an der Kasse. Und dort habe ich meinen ersten Kuss bekommen!“
Frederic arbeitete in einer Apotheke in Eberswalde
Gut im Gedächtnis geblieben ist der Sängerin noch ein weiterer Ort: „In der Eisdiele neben der Hirsch-Apotheke haben wir uns immer, wenn es Geld gab, Torte und Eis geholt.“ Als Frederic 16 ist, kommt es dort zu einer schicksalshaften Begegnung zwischen ihrem Vater und dem Direktor der Musikschule: „Der Direktor sagte: ‚Deine Tochter kann doch drei Töne singen, schick die mal zu unserer Gesangslehrerin‘“, erzählt Frederic lachend. „Das war Frau Rosenberg aus Berlin, bei der habe ich klassischen Gesang gelernt.“

Eberswalde in der DDR: Das Bild zeigt die Eisenbahnstraße Ende der 1950er-Jahre. Dort stand auch die Apotheke, in der Sängerin Dagmar Frederic ihre ersten Berufserfahrungen sammelte (Archivbild).
Museum EberswaldeWie ihre Mutter beginnt Frederic zunächst eine Ausbildung als Apothekenhelferin. „In der Hirsch-Apotheke war das – dort habe ich wirklich Disziplin und Ernsthaftigkeit gelernt“, so die Künstlerin. „Mein Chef war sehr streng, sehr akkurat. Aber ich durfte damals sogar Pillen drehen, Zäpfchen gießen und Schnaps machen.“
Dagmar Frederic bald mit Konzerten zu Gast in der Region
Nebenbei singt Frederic beim Tanzorchester Max Reichelt Operetten und Klassik – „wir waren zum Beispiel im Volkshaus, oder auch im Westend-Kino.“ Bei einem der Auftritte wird die junge Frau von Peter Wieland angesprochen.
YouTube-Video: „Du hast gelacht“ von Dagmar Frederic und Siegfried Uhlenbrock
Der Entertainer ist zu jener Zeit der erste Musikpädagoge in Berlin, der Musical-Gesang unterrichtet. „So bin ich, die kleine Apothekerin aus Eberswalde, immer mit dem Zug nach Berlin zu meinen Gesangsstunden gefahren. Das war dann der langsame Abschied von Eberswalde.“
Heute blickt Frederic auf eine Karriere zurück, die mehr als 60 Jahre umspannt. Fans können den Showstar immer noch auf der Bühne erleben – demnächst sogar in der Region. Ihr Programm „Weihnachten mit Dagmar Frederic“ führt Frederic am 27. November 2023 in die Schlosskirche Schöneiche, am 3. Dezember nach Eisenhüttenstadt. „Ich singe natürlich klassische Lieder, aber auch eigene neue Lieder“, verrät die Sängerin. Besonders freue sie sich, den Song „Beste Freundinnen“ zu präsentieren – ein Duett mit ihrer Tochter Maxie. „Darauf bin ich wirklich stolz“, so Frederic. „Meine Tochter ist das größte Glück für mich.“
„Weihnachten mit Dagmar Frederic“, Termine u.a. in der Schlosskirche Schöneiche (27.11., 14 Uhr), im Gewi Treff Eisenhüttenstadt (3.12., 15 Uhr), weitere Termine hier.
Über Dagmar Frederic
■ Dagmar Frederic (*15. April 1945 in Eberswalde) feierte vor allem ab 1967 DDR-weit Erfolge als Sängerin – sowohl solo als auch als Teil eines Gesangsduos mit dem Schlagersänger Siegfried Uhlenbrock.
■ Daneben trat sie auch im Fernsehen auf, moderierte etwa mehrfach die Revue „Ein Kessel Buntes“.
■ 1981 wurde Frederic zusammen mit Peter Wieland von Erich Honecker mit dem Nationalpreis der DDR für ihr künstlerisches Engagement ausgezeichnet.
■ Nach der Wiedervereinigung moderierte sie unter anderem die „ARD-Sommer-Melodien“ und „Meine Show“ sowie verschiedene Formate im Radio.
■ Ihr letztes Album, „Nein, ich bereue nichts!“, erschien 2020.
■ Mehr über Frederics Kindheit ist in ihrer Biografie zu erfahren: „Schürt das Feuer: Erinnerungen und Gedanken“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2005)





