Filmfest in Eberswalde 2025
: Junge Talente aus der Region für die „Provinziale“

Filmfest „Provinziale“ in Eberswalde 2025: Sascha Leeske vom Festivalteam verrät, warum zwei kontroverse Themen fehlen.
Von
Boris Kruse
Eberswalde
Jetzt in der App anhören
Sascha Leeske, Organisationsleiter des Filmfestes Eberswalde

Sascha Leeske, Organisationsleiter des Filmfestes „Provinziale“ in Eberswalde.

Tatjana Marintschuk
  • Filmfest „Provinziale“ in Eberswalde 2025: 33 Filme aus 57 Ländern, Fokus auf Einzelschicksale.
  • Jugendprojekt „Filmknack“ bringt starke Beiträge – Schülerfilm „Das Zeitvermächtnis“ wird hervorgehoben.
  • Wettbewerbsbeiträge behandeln ländliche Entwicklung, Alltagskultur und das Verhältnis von Mensch und Raum.
  • Politisch heikle Themen wie Ukraine und Gaza fehlen – Fokus auf künstlerische Qualität statt Propaganda.
  • Musikalisches Rahmenprogramm mit Pianistin Beate Wein und dem Pulsar Trio ergänzt das Festival.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Acht Tage lang Kino der herausfordernden Art – Dokumentarfilme, Animationsfilme, Filme aller Art rund um die Beziehungen zwischen Menschen und den Räumen, in denen sie leben. Beim Filmfest Eberswalde, das stolz den Titel „Provinziale“ trägt und ab 11. Oktober 2025 im Eberswalder Haus Schwärzetal stattfindet, finden auch die etwas schwereren Themen ein breites Publikum.

Filme, die sich um ländliche Entwicklung und strukturellen Wandel drehen, um Alltagskultur und Traditionen - und um das oft spannungsreiche Verhältnis von Individuen zu ihrer Umgebung.

„Wir haben dieses Mal besonders viele Filme im Programm, in denen einzelne Protagonisten im Mittelpunkt stehen“, sagt Sascha Leeske, in dessen Händen die organisatorische Leitung des Festivals liegt. Es geht in vielen der insgesamt 33 Wettbewerbsbeiträge um Schicksale von Menschen, die eine existenzielle Krise zu meistern haben und sich neu in ihrem Umfeld orientieren müssen.

Dabei konnte das 15-köpfige Kuratorenteam um Festivalleiter Kenneth Anders aus der Fülle von rund 550 Beiträgen schöpfen, die von Filmteams aus 57 Ländern nach Eberswalde geschickt worden waren.

„Provinziale“: Starke Beiträge Jugendlicher dank „Filmknack“

Das Filmfest legt in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf die filmischen Arbeiten Jugendlicher. Im Rahmenprogramm werden etliche Beiträge gezeigt, die dem medienpädagogischen Projekt „Filmknack“ entsprungen sind – eine Kooperation des Festivalvereins Sehquenz e. V. mit der Sparkasse Barnim und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

Szene aus "Das Zeitvermächtnis", ein einstündiger Schülerfilm aus der Reihe "Filmknack". Die Regisseure Til Anklam, Finley Otte und Nico Csirmaz sind erst 18 und 19 Jahre alt.

Szene aus "Das Zeitvermächtnis", ein einstündiger Schülerfilm aus der Reihe "Filmknack". Die Regisseure Til Anklam, Finley Otte und Nico Csirmaz sind erst 18 und 19 Jahre alt.

Til Anklam, Finlay Otte, Nico Csirmaz

Einer der Beiträge, der einstündige Science-Fiction-Streifen „Das Zeitvermächtnis“, wird sogar gesondert gezeigt. Die Veranstalter legen besonderes Augenmerk auf diesen Streifen rund um Zeitreisen und einen finsteren Gott, weil die drei Filmemacher Til Anklam (18), Finley Otte (19) und Nico Csirmaz (18) von der Oberbarnimschule sich mit Feuereifer und vielen guten Ideen in die Arbeit gestürzt hätten: „Ich bin beeindruckt von den Fähigkeiten der drei Jungs“, sagt Sascha Leeske.

Sascha Leeske unterrichtet Film an Schulen in Eberswalde

Für die „Filmknack“-Produktionen geht Leeske über das gesamte Schuljahr hinweg in den Unterricht an Schulen in Eberswalde und im Umland. Er vermittelt dort Wichtiges rund um das Filmedrehen – Kamera und Schnitt kommen ebenso zur Sprache wie Erzähltechniken.

Schließlich setzen die Schüler eigene Ideen um. „Die Qualität der Filme ist sehr unterschiedlich“, sagt Leeske, der an der Eberswalder Fachhochschule einst BWL studiert hat. „Aber das ist gar nicht das wichtigste Entscheidungskriterium dafür, ob ein Film auf dem Festival gezeigt wird oder nicht.“ Wichtiger: die Themen und der Blick. „Ich sage ihnen immer: Alles, was Euch beschäftigt, wird eine authentische Geschichte ergeben.“ Und die werde auch andere Leute interessieren.

Der Dokumentarfilm "Al oeste, en Zapata" erzählt von einem armen Krokodiljäger und seiner Familie. Die kubanisch-spanische Koproduktion des Regisseurs David Bim läuft auf dem Filmfest Eberswalde in der Wettbewerbssektion für lange Dokumentarfilme.

Der Dokumentarfilm "Al oeste, en Zapata" erzählt von einem armen Krokodiljäger und seiner Familie. Die kubanisch-spanische Koproduktion des Regisseurs David Bim läuft auf dem Filmfest Eberswalde in der Wettbewerbssektion für lange Dokumentarfilme.

David Bim

Aber auch die vier Wettbewerbskategorien sind in diesem Jahr wieder vielfältig. Es gibt unter anderem eine kubanisch-spanische Dokumentarfilm-Koproduktion über eine arme Familie in einem Sumpfgebiet, die von der Krokodiljagd lebt („Al oeste, en Zapata“ / „Nach Westen, in Zapata“). Oder einen belgisch-niederländischen Kurzspielfilm über eine Teenagerin, deren Mutter an Schizophrenie erkrankt („Ultraviolet“).

Oder auch einen deutsch-vietnamesischen Kurzspielfilm über einen zehnjährigen Jungen und seine Mutter in einer ausweglosen Lage („Ngày Khác“ / „Ein weiterer Tag“). Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 12.000 Euro vergeben.

Filmfest 2025: Weder die Ukraine noch Israel und Gaza kommen vor

Wer die „Provinziale“ über die Jahre verfolgt hat, weiß, dass dort mit einiger Zeitverzögerung stets auch die aktuellen politischen Krisenherde der Welt verhandelt werden. Landflucht, wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich, Kriege und Umweltkatastrophen, Flucht und Vertreibung sind Themen, die in den Wettbewerbsbeiträgen immer wieder zur Sprache kamen.

Vor diesem Hintergrund ist es auffällig, welche Themen nicht präsent sind: Der Krieg in der Ukraine zum Beispiel, oder der Konflikt zwischen Israel und Gaza bzw. der Hamas als Folge des Überfalles vom 7. Oktober 2023. Das liegt nicht nur an einem Mangel an Einsendungen, wie Sascha Leeske erklärt. Hier galt es auch, einige Klippen zu umschiffen. Sind doch die Kontroversen in den vergangenen Monaten bei manchen Kulturveranstaltungen komplett aus dem Ruder gelaufen, bis hin zu Ausladungen, gefühlten oder tatsächlichen Redeverboten. Die Nerven liegen überall blank. „Da haben wir uns die Frage gestellt: Können wir als Festival das kräftemäßig überhaupt auffangen?“ Die ehrliche Antwort, sagt Leeske, müsse lauten: eher nicht.

Politische Filme, zurückhaltendes Festivalteam

Der Organisationsleiter betont, dass das Festivalteam in der Vergangenheit eigene politische Positionierungen stets vermieden habe und dies auch weiterhin so halten wolle. Die Filme müssen für sich sprechen und überzeugen. Das bedeutet freilich nicht, dass sich das Festival damit komplett aus der Affäre ziehen kann, wenn es um Anwürfe gegen einen strittigen Wettbewerbsbeitrag geht. „Man muss den Film auch verantworten, wenn kontroverse Fragen aufkommen.“ Ein schmaler Grat.

Auf einer Klausurtagung zu Beginn des Jahres hat das Festivalteam sich über dieses Thema ausgiebig Gedanken gemacht: „Filme dürfen politisch sein, sie sind sogar unweigerlich politisch, weil sie zur Welt in Beziehung treten“, fasst Sascha Leeske die Beschlusslage zusammen. „Aber das Politische darf die künstlerische Arbeit des Films nicht ersetzen oder dominieren. Ein Film, der das Politische über die welterkundende Mühe des Films stellt, wird Propaganda.“ Deshalb sind die Eberswalder bei Themen vorsichtig, „bei denen wir das aufgrund der herrschenden Diskurse nicht wirklich beurteilen können“.

Filmfest Eberswalde vom 11. bis 18. Oktober 2025, Haus Schwärzetal in der Weinbergstraße 6a, 16225 Eberswalde, Programm, Tickets und Kontakt: https://provinziale.de/