Foo Fighters in Berlin 2026: So war das Konzert im Olympiastadion

Sorgte nach der Hitzewelle nochmal für heiße Herzen im Berliner Olympiastadion: Dave Grohl von den Foo Fighters (hier bei einem Konzert in Bogota 2019)
Álvaro Tavera/dpa/colprensa- Foo Fighters spielten im Berliner Olympiastadion eines von zwei Deutschland-Konzerten.
- Nach Gewitterwarnung wurde der Innenraum kurz geräumt, die Show lief anschließend planmäßig.
- Auftakt mit „All My Life“, danach Fan-Favoriten wie „The Pretender“ und „Times Like These“.
- Grohl kündigte viele Hits an – fast drei Stunden Set mit Songs aus allen drei Jahrzehnten.
- Idles und Fat Dog eröffneten, Finale mit „Best of You“ und „Everlong“ samt Feuerwerk.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Manchmal reicht ein einziger Akkord. Ein Akkord, der den Puls beschleunigt. Der ein Kribbeln auslöst. Im Fall der Foo Fighters ist es ein abgedämpfter G-Akkord. In Dreierschlägen schrubbt ihn Dave Grohl auf seiner E-Gitarre. Wieder und wieder. Als würde sich eine Dampflok in Bewegung setzen. Und tatsächlich: Während Grohl die ersten Zeilen von „All My Life“ singt, füllt roter Rauch das Berliner Olympiastadion. Maximale Zündstufe!
Als beim lauten Schrei des Frontmanns auch die übrige Kapelle einsetzt, kommt es zur kollektiven Entladung reichlich angestauter Endorphine. Tausende Arme schnellen hoch, es wird gegrinst, gebrüllt, mitgesungen. Mit ihrem Standard-Opener sorgen die Foo Fighters für gewaltigen Donner. Der kurz vor Konzertbeginn durch eine Gewitterwarnung angedrohte Donner blieb glücklicherweise aus, der Innenraum des Olympiastadions musste trotzdem kurzzeitig geräumt werden.
Trotzdem kann die Band aus Seattle planmäßig zu dem übergehen, was sie am besten kann: Stadion-Fundamente zum Wackeln bringen. „The Pretender“, „Times Like These“ – gleich zu Beginn drängen Fan-Favoriten aus den Lautsprecher-Türmen. Die Foo Fighters kleckern nicht, sie klotzen! Und Dave Grohl? Der 57-Jährige brüllt mit derartiger Inbrunst seine Texte ins Mikro, als hätte er Stimmbänder aus Teflon.
Mitten zu „These Days“ ändert Dave Grohl den Songtext
Kein Zweifel, der Mann hat Bock! „Ihr wisst, dass wir die ganze Nacht spielen, richtig?“, sagt er und stimmt die rotzige Old School-Nummer „Stacked Actors“ an. Es klingt fast wie eine Drohung, doch die Berlinerinnen und Berliner stehen der Energie dieses Duracell-Häschen des Rock in nichts nach. Zu „My Hero“ werden sie zum lautesten Chor des Landes und zu „Learn to Fly“ bringen sie mit Sprüngen in die Luft den Boden zum Zittern.
Bei so viel körperlichem Einsatz ist der leichte Regen zu Beginn der Show fast willkommen. Mitten in „These Days“ inspiriert er Dave Grohl gar zur spontanen Textanpassung: „And the rain will feel so good“, singt er mit tief ins Gesicht hängendem, nassem Haar. Dieser wolkenverhangene Mittwoch ist der erste wirklich erträgliche Tag nach vorangegangener Rekordhitze. Die Foo Fighters sorgen trotzdem für heiße Herzen.

Gewohnt intensiv tratt Idles-Sänger Joe Talbot (hier bei einem Konzert 2022 in Berlin) als Support der Foo Fighters im Olympiastadion auf.
Britta Pedersen/dpaGelegenheit zum Warmmachen gibt es bereits vor ihrem Auftritt. Die wenigsten nutzen sie zum soliden Techno Punk-Set, das die britische Band Fat Dog am Nachmittag präsentiert. Mehr waren es bei Idles. Die aus Bristol stammenden Musiker sind mit ihrem notenarmen Post-Punk so etwas wie die jungen Wilden des Gegenwarts-Rock, die zwar nicht mehr ganz so jung, dafür umso wilder sind. In Berlin beweist das nicht nur Sänger Joe Talbot, der mit der Intensität eines willensstarken Kneipenschlägers auftritt und erstaunlich viel Vor-der-Bühne-Support für den Auf-der-Bühne-Support evoziert. Am Ende einer schweißtreibenden Stunde verneigen sich Idles und verlassen die Hauptstadt mit neuen Fans.
Es ist das bisher größte Deutschland-Konzert der Foo Fighters
Überzeugungskraft, die die Foo Fighters nicht mehr leisten müssen. Sie wissen die nun restlos anwesenden, über 70.000 Menschen im Olympiastadion fest an ihrer Seite. Dabei scheint es fast unerheblich, dass hier gerade etwas Besonderes in der über 30-jährigen Bandgeschichte stattfindet. Die Show in Berlin ist nämlich nicht nur eines von lediglich zwei Deutschland-Konzerten ihrer „Take Cover“-Tour, sie ist laut Grohl auch das größte Konzert, das die Foo Fighters hierzulande je gespielt haben. „This is the big one!“, wie es der Frontmann mit funkelnden Augen auf den Punkt bringt.
Und zur Feier gibt es, klar: Mehr Hits! „Wir haben verdammt viele Songs und wir werden sie heute alle spielen“, verspricht Grohl. Am Ende werden es nicht ganz drei Stunden, gefüllt mit Titeln aus allen drei Jahrzehnten. Frühe Nummern wie „This Is a Call“ vom Debütalbum, noch frühere wie „Marigold“ von Grohls 1992 erschienener Demoplatte „Pocketwatch“, neue Songs, etwa „Window“ – sie alle schaffen es auf die Berliner Setlist.
Dazwischen gibt es mehr vom maximal Populären. Einen der höheren Höhepunkte bilden das Lichtermeer und der Publikums-Chor zu „Wheels“. Die Power-Ballade stößt bei deutschen Fans laut Grohl stets auf den größten Anklang.
Die Foo Fighters lassen Songs statt Pyro knallen
Die Foo Fighters verzichten auf Pyro und Effekthascherei. Dave Grohl, Pat Smear, Nate Mendel, Rami Jaffee und Chris Shiflett bringen stattdessen ihre Musik zum Knallen. Dass die Band nach dem tragischen Tod ihres Drummers Taylor Hawkins im Jahr 2022 derart kraftvoll zurückgefunden hat, ist beeindruckend. Es liegt auch an Ilan Rubin. Dass er nicht nur hervorragend trommelt, demonstriert das Ex-Nine Inch Nails-Mitglied, als er für seinen Song „Tap Dancing in a Minefield“ Instrumente mit Grohl tauscht.
Mit „Best of You“ und „Everlong“ findet der Abend schließlich doch ein unerhört unnötiges Ende, das dann trotzdem mit Feuerwerk zelebriert wird. Dave Grohl & Co. haben mit Verve ihren Status als begnadete Stadion-Rocker verteidigt. Ihnen dabei zuzusehen, macht verdammt viel Spaß. Man darf also hoffen, dass die Dampflok namens Foo Fighters bald wieder durch Berlin rollt.


