Metallica in Berlin 2026: 95.000 Fans! So hart knallte das Rekord-Konzert im Olympiastadion

Setzen in Sachen Stadionkonzerte neue Maßstäbe: James Hetfield (v.l.), Lars Ulrich und Kirk Hammett, von Metallica (hier 2025 in München). Im Olympiastadion Berlin spielt die US-Band vor 95.000 Fans. Rekord!
Sven Hoppe/dpa- Metallica spielten im Olympiastadion Berlin vor rund 95.000 Fans – Rekord in Deutschland.
- 360-Grad-Bühne ermöglichte Vollauslastung; die Show setzte auf Pyro, Licht und große Türme.
- Set mit Thrash-Schwerpunkt: u. a. „Creeping Death“, „For Whom The Bell Tolls“, „Fuel“.
- Balladen wie „One“ und „Nothing Else Matters“ sorgten für Nähe; „The Unforgiven“ berührte.
- Trujillo und Hammett coverten „Sonne“ von Rammstein, zum Abschluss gab es ein Feuerwerk.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Trompeten von „The Ecstasy of Gold“ sind kurz vor dem Höhepunkt. Ennio Morricones berühmte Töne, die wie keine anderen kundtun: Es folgt Episches. Als der Soprangesang in schwindelerregende Höhen steigt, betritt James Hetfield die ringförmige Bühne. Kein Nebel, keine Schweinwerfer. Schmucklos schreitet er die dunklen Bodenplatten ab. Die Hand wandert zu den Saiten seiner weißen Electra Flying Wedge. Und verdammt, es folgt Episches.
Dumpf geschredderte Akkorde. Nochmal. Schneller. Dann dieses mitreißende Riff, so raunzend, so grollend, wie es nur ein jugendlicher Kirk Hammett schreiben konnte. Mit „Creeping Death“ starten Metallica ihre Show im Berliner Olympiastadion. Gleich zu Beginn volle Thrasher-Wucht. „Die! Die! Die by my hand!“ Zehntausende pressen sich den Breakdown aus der Kehle.
Das kollektive Gröhlen bei „For Whom The Bell Tolls“, dem zweiten Song des Abends, hallt derart laut, dass es noch auf dem Teufelsberg hörbar sein muss. Rund 95.000 Fans sind hier. Sie fühlen sich an wie 666.666. Eine satanische Sensation. Und ein Rekord! Metallica spielen das größte Stadionkonzert, das es jemals in Deutschland gegeben hat.
Metallica feiert mit seinen Fans eine Messe des Metal
Möglich macht es eine 360-Grad-Bühne inmitten des Publikums. Fallen sonst zahlreiche Tribünenplätze dem Backstagebereich hinter der Frontalbühne zum Opfer, ist diesmal Vollauslastung auf den Rängen möglich. Und Metallica nutzt das Setup für eine gigantische Messe des Metal. Gut also, dass die Reihen mit fanatischen Eiferern gefüllt sind. „Of Wolf and Man“, „The Memory Remains“, „The Day That Never Comes“ – die Fans werfen sich mit voller Kraft gegen die Wand aus Riffs, die sich vor ihnen aufbaut. Eine beinah religiöse Hingabe. Und eine, die Not tut. Schließlich haben Metallica zuletzt vor sieben Jahren in der Hauptstadt gespielt.
Als gäbe es etwas gutzumachen, streut die Band um James Hetfield an diesem Samstagabend einiges an Sturm und Drang ins Set. Es sind Songs der frühen Thrash-Ära, die eine Lunte ans Pulverfass Olympiastadion setzen. Metallica weiß sie anzuzünden. Nicht nur zur pyromanischen Nummer „Fuel“ mit seinen Feuersäulen, wogt ein nicht enden wollendes Meer aus zum Teufelshorn geformten Händen durch die Reihen.
Die Bühne säumen gigantische Traversentürme, an denen zylindrische Videoleinwände und Lautsprecher-Stacks montiert sind. Erst als die Dunkelheit hereinbricht, entfalten sie ihre volle Wirkung. Es flackert, es blitzt, Pyro schießt in den sommerlichen Nachthimmel. Mit modernster Live-Technik ringt Metallica dem Olympiastadion, dem Endgegner für Qualitätssound, sogar passablen Klang ab.
Auch Rammstein erklingen im Olympiastadion
Selbstverständlich bekommt auch das Rekord-Konzert sein eigenes Doodle. Für das inzwischen traditionsreiche Ein-Song-Zwischenset, beim dem Robert Trujilo und Kirk Hammett lokale Songs interpretieren, fällt in Berlin die Wahl auf „Sonne“ von Rammstein. Neben dem Bass übernimmt Trujilo dabei auch den deutschsprachigen Gesang – sehr zum Gefallen des Publikums.
Mit Songs wie „Sad But True“ ist in Berlin das legendäre „Black Album“, die bis heute kommerziell erfolgreichste Metal-Platte überhaupt, besonders dominant. Darüber, dass das titelgebende „72 Seasons“ die einzige Nummer des aktuellen Metallica-Albums ist (formal der Aufhänger der Tour), wird kaum eine Fan-Träne vergossen.

Auf ihrer aktuellen „M72 World Tour“ sind Metallica mit einer 360-Grad-Bühne inmitten des Publikums unterwegs (hier 2024 in München).
Sven Hoppe/dpaAnders sieht es bei den Balladen wie dem kriegsmüden „One“ und dem unvermeidlichen Leersaiten-Evergreen für Gitarren-Neulinge „Nothing Else Matters“ aus. Fans liegen sich schunkelnd in den Armen. „Fühlst du es, Berlin?“, fragt Hetfield während „The Unforgiven“. Berlin fühlt es.
Und auch mit den Bandmitgliedern entsteht ein Gefühl der Nähe. Das Internet ist voll mit Videos des 62-jährigen Frontmanns, der sich am Bühnenrand nur eine Handbreit von Fans entfernt eine Zwischensong-Zigarillo gönnt. Nach der Rekordshow dürften einige Mitschnitte dazukommen. Auf der Bühne stampft indes nicht nur Robert Trujilo (wie gewohnt breitbeinig seinen Bass schnalzend) die Reihen ab. Selbst Lars Ulrich wandert zwischen diversen Drumkits hin und her.
Festival-Stimmung beim Rekord-Konzert von Metallica
Dass eine Band wie Metallica nach über 40 Jahren noch eine derart fanorientierte Tour konzipiert, ist bemerkenswert. In vielen Städten spielen die Kalifornier zwei Tage hintereinander mit unterschiedlichen Setlists und Support-Acts. In Berlin ist es nur ein Abend, doch der liefert Festival-Stimmung. Schon zu den Metalcore-Recken von Knocked Loose und den inoffiziellen Olympia 2024-Eröffnungsfeiergewinnern Gojira feiern die Fans. Die französischen Schwermetaller helfen trotzdem mit einem „Schreit mal ihr Arschlöcher“-Schild nach.
Derartige Hilfsmittel sind bei Metallica nicht nötig. Die Berlinerinnen und Berliner, viele sind mit Freunden, als Paar oder mit Kindern hier, liefern headbangend und grölend ab. Die „Metallica-Family“, die James Hetfield beschwört, ist an diesem Abend eine harmonische. Für Unmut sorgen lediglich die langen Schlangen. Egal ob Merch, Bier oder Bratwurst, überall werden sich die Beine in den Bauch gestanden. So setzen die zusätzlichen 20.000 Fans auch in Sachen Wartezeiten Rekorde.
Vor der Bühne regiert jedoch Euphorie. Besonders als nach einem für Metal-Maßstäbe gefühlvollen, aber nie trägen Mittelteil Tempo und Aggressionslevel nach oben geschraubt werden. Die legendären Hymnen „Seek & Destroy“, „Master of Puppets“ und „Enter Sandman“ entfesseln das letzte Eskalationspotential auf wie abseits der Bühne. Doch damit haben Metallica ihr Pulver noch nicht verschossen. Nachdem das letzte Riff verstummt, werden die Fans mit einem minutenlangen Feuerwerk verabschiedet. Ein episches Ende für einen epischen Abend.


