Karat in Oranienburg: Ostrock oder Ostalgie? So war das Konzert im Schlosspark

Karat geben in Oranienburg ein Konzert. Statt Nostalgie versprüht die Band „Ostalgie“, wie Fans berichten.
Thomas Lox- Ostrockband Karat feiert 50 Jahre mit Jubiläumskonzert in Oranienburg.
- Fans aus ganz Deutschland begeistert, viele ältere Jahrgänge.
- Neue Album "Hohe Himmel" in den Top Ten der deutschen Charts.
- Sänger Claudius Dreilich führt das Vermächtnis seines Vaters fort.
- Nächstes Konzert am 5. Juni in Oranienburg angekündigt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Die Ostalgie lebt“, versichert das Ehepaar Bähr. Die beiden sind extra von Rügen nach Oranienburg angereist, um Karat zu erleben. „Die haben wir zu DDR-Zeiten auch schon im Konzert erlebt“, sagt er und sie erinnert sich an die 30 Ostmark für die Blauer-Planet-LP. „Die gab’s damals nur unter der Hand.“ Das ist lange her. Und trotzdem haben die Bährs Songs wie Schwanenkönig, Blauer Planet und natürlich Über sieben Brücken musst du gehen nicht vergessen.
So wie den beiden Nordlichtern geht es vielen – die Reihen im Oranienburger Schlosspark sind am Freitagabend nahezu voll besetzt – freie Plätze gehen auf die zurück, die ohnehin lieber stehen, tanzen, wippen. Die meisten sind ältere Jahrgänge. Die Generation der Ur-Karat-Musiker, die sich vor – tadaa – 50 Jahren gründeten. Fans, die der Band ein halbes Jahrhundert lang die Treue hielten, weil sie – anders als etliche andere Ostrockbands – bereits im Westen einen Namen hatte, nach der Wende weitermachte und das erfolgreich. Nicht zuletzt wegen der erwähnten hymnischen Balladen.
Die gab es natürlich am Freitag auf die Ohren. Claudius Dreilich, Sohn und Mikro-Nachfolger des vor 20 Jahren verstorbenen Gründungsmitglieds Herbert Dreilich, weiß, was die Fans wollen. Trotzdem: Wer nur die alten Ohrwürmer hören wollte, hatte Pech.
Karat in Oranienburg: Band bringt Album heraus
Karat haben selbstbewusst all die Jahre Alben nachgelegt: Für die Jubiläumstour kam pünktlich am Karat-Gründungstag die neue Scheibe „Hohe Himmel“ auf den Markt, von der es etliche Titel ins aktuelle Konzertprogramm geschafft haben. Warum? „Weil das Album auch unsere kühnsten Erwartungen übertroffen hat. Seit mehr als 40 Jahren sind wir damit mal wieder in den Top Ten der deutschen Album-Charts“, freut sich Dreilich.
„Wir sind immer noch da“: Mit diesem Song beginnt das Album und mit diesen Zeilen als Intro beginnt die Band. Ein Statement. Und ein Versprechen. Für die Zukunft. Für die Jubiläumstour, bei der die Musiker 70 Konzerte spielen. Wann man das erste Mal in Oranienburg aufgetreten sei, sinniert Dreilich laut. Man habe sich nicht mehr erinnern können. Fakt ist: Beim ersten Konzert habe man mit einem Zuschauerblock angefangen – diesmal seien es fünf. „Wir scheinen Freunde in Oranienburg zu haben – und wie heute auch eigentlich immer gutes Wetter“, ruft Dreilich vergnügt.
Fans und Musiker tanzen gemeinsam beim Konzert
„Jede Stunde“, einer der guten alten Hits. Immer mehr Fans stehen oder tanzen. Mister Mundharmonika, Keyboarder Martin Becker übt den Elvis-Ernstfall und lässt die Hüften kreisen. Aber auch Gitarrist Bernd Römer – der Karat-Dienstälteste, der seit 1976 dabei ist – Bassist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung lassen nichts anbrennen. Bei aller Routine, die das Quintett inzwischen hat – man merkt ihnen die Lust am Miteinandermusizieren an.

Fans beim Konzert in Oranienburg tragen Shirts der Band Karat.
Thomas LoxUnd die Lust an den Karat-Songs – den alten und den neuen.
„Wir sind Zauberer, wenn wir es woll‘n“, singt Dreilich. Absolut. Die Trommeln hämmern den Herzschlag der Band, das Keyboard untermalt hymnisch oder sphärisch. Die Gitarrenmotive gehen bestens ins Ohr. Und der Techniker am Pult schafft es, auch bei Open-Air-Bedingungen den Sound glasklar zu zaubern. Da ist nichts verwaschen – die Fans bekommen jede Note sauber aufgetischt.
Sänger Claudius Dreilich performt seit 2005 für Karat
Der Zauber wirkt weiter. Auch wenn von den Gründungsmitgliedern keiner mehr dabei ist. Auch wegen Claudius Dreilich, der seit 2005 das Vermächtnis seines Vaters singt – er war, so sagt er, ja schließlich früh mit dabei. „Ich war fünf.“ Und deshalb die Songs verinnerlicht hat: „Gewitter“, den shuffligen Schaukelsong mit den verrückten Taktwechseln; die wunderbaren Balladen „Schwanenkönig“ und „Albatros“; der von so vielen Musikern gecoverte Sieben-Brücken-Song. Und das „Lied für meinen Papi“, so Dreilich: „Uns zwingt keiner auf die Knie“. Dann „Blumen aus Eis“, der Song, der aus der Akustiktour übriggeblieben ist. Gut die Hälfte der Fans stehen jetzt, beim „Blauen Planeten“ sind es fast alle. Die Stimmung ist ausgelassen, die Fans textsicher.
„Sollen wir nächstes Jahr wiederkommen?“, ruft Dreilich vor den drei Zugaben. Jubel. Die Frage ist eh rhetorisch – denn der Termin steht. „Am 5. Juni. Hier. Seid ihr dabei?“ Keine Frage. Eine, die dabei sein wird, ist Angela Templin. Obwohl ihr Sohn am nächsten Tag Jugendweihe hat. „Mein Papa hat mich mit Karat infiziert“, erzählt die 38-Jährige, die mit ihren Eltern ausgelassen das Konzert gefeiert hat. Er habe ihr damals seine krasse Musikanlage ins Kinderzimmer gestellt, auf der als einziges eine Karat-VHS-Kassette lief.
„Karat ist einfach toll. Zeitlose Musik – wir freuen uns schon aufs nächste Jahr. Und jetzt gehen wir in den Partykeller und machen Karat an“, verrät die Oranienburgerin, während auf der Bühne das rot glühende Licht der letzten Zugabe „König der Welt“ verlischt.

