Kleist-Förderpreis 2024 Frankfurt (Oder): Sarah Calörtscher und ihr „Herz aus Polyester“

Hat für ihr Theaterstück „Herz aus Polyester“ den Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2024 gewonnen: Sarah Calörtscher
Fabienne Gantenbein„Unfassbar“, so fasst es Sarah Calörtscher zusammen. Seit sie den Anruf erhalten habe, freue sie sich jeden Tag von Neuem. Am anderen Ende der Leitung befand sich Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums.
Er überbrachte der Schweizerin die Nachricht, dass sie die Preisträgerin des Kleist-Förderpreises für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2024 ist. Den mit 7500 Euro dotierten Preis erhält Sarah Calörtscher für ihr Stück „Herz aus Polyester“. Der von Science-Fiction-Elementen geprägte Text erzählt von einer Zivilisation am Rande des Kollapses, die Zuflucht auf einem anderen Planeten sucht.
Musikerin, Autorin und Dramaturgin in der freien Szene
Calörtscher, Jahrgang 1991, stammt aus Graubünden. Sie studierte Musik und Bewegung und machte ihren Abschluss in Dramaturgie an der Züricher Hochschule der Künste. Die Musikerin und Mitbegründerin der Band „Strange Modes“ tat sich bereits als Autorin und Dramaturgin in der freien Szene hervor. Zu ihren Wirkungsstätten zählen das Theater Neumarkt und das Kellertheater Winterthur.
Zur Uraufführung kommt „Herz aus Polyester“ am 27. September in der Box im Deutschen Theater Berlin. Als Regisseur fungiert Daniel Foerster. Die offizielle Preisverleihung findet am 9. Oktober im Rahmen der diesjährigen Kleist-Festtage 2024 in Frankfurt (Oder) statt, wo das Stück ebenfalls gezeigt wird. Die Laudatio hält der österreichische Autor und Dramatiker Thomas Köck.
Sarah Calörtscher gewinnt 2024 den Förderpreis
Im Rahmen der Bekanntgabe der Preisträgerin sprach Jury-Mitglied Florian Vogel von einem erneut „tollen Jahrgang“. Sarah Calörtscher habe sich auch deshalb mit ihrem Stück durchgesetzt, da es zu Diskussionen angeregt und Lust auf eine Inszenierung mache.
In ihrer offiziellen Begründung schreibt die Jury: „Sarah Calörtschers ‚Herz aus Polyester‘ spielt gleichermaßen an der letzten Station zwischen Erde und Universum sowie im Herzen eines Algorithmus. Das Werk verbindet geschickt den Fluch der Zivilisation mit der Hoffnung auf ein verbessertes Leben auf dem Mars.
Getrieben von der Furcht vor einer alles Leben befallenden geheimnisvollen Krankheit, die die Körper plastifizieren lässt, und Ressourcenmangel, bewerben sich drei Erdlinge um einen der begehrten Plätze auf der Marskolonie, dem einzigen Ausweg für die Menschheit. Die Prüfung ihrer Eignung obliegt einem Algorithmus, der in seinen Interaktionen beweist, dass er längst mehr ist als nur eine simple Rechenbox aus Nullen und Einsen – er ist zu Komplexerem fähig.
„Herz aus Polyester“ – Stillstand, Hoffnung, Gier
Die Schweizer Autorin Sarah Calörtscher beschreibt eindrücklich die Angst vor Stillstand, die Hoffnungen und die Gier der Menschheit nach Fortschritt. Mit beeindruckender Sprachgewalt erschafft sie nicht nur einem abstrakten Algorithmus eine lebendige Präsenz, sondern zeigt in dieser poetischen Science-Fiction auf, welche Möglichkeiten und Ausdrucksmittel das digitale Erzählen auf der Bühne bieten kann, ohne dabei das Menschliche aus den Augen zu verlieren.“


