Kraftwerk in Berlin
: Wie das Konzert in der Uber Eats Music Hall war

Zwischen Nostalgie und Innovation: Das Konzert von Kraftwerk in der Uber Eats Music Hall in Berlin bot faszinierende Animationen, ikonische Hits und erinnerte an eine Welt im Wandel.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Helden der Elektromusik: Kraftwerk in der Uber Eats Arena in Berlin

Helden des Computerzeitalters: die Band Kraftwerk in der Uber Eats Music Hall  in Berlin

Gunnar Leue
  • Kraftwerk spielte in der Berliner Uber Eats Music Hall vor nostalgischem und innovativem Setting.
  • Das Konzert begann mit „Computerwelt“, das die technisierte Welt treffend vorhersagte.
  • Faszinierende Animationen und ikonische Songs wie „Radioaktivität“ und „Die Roboter“ begeisterten.
  • „Ätherwellen“ und „Trans Europa Express“ zeigten Kraftwerks Einfluss auf Techno und Hip-Hop.
  • Visionärer Sound und Nostalgie prägten den Abend mit Highlights wie „Autobahn“ und „Das Model“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es passiert nicht oft, dass die Gleichzeitigkeit des Lebens, auch des kulturellen, auf so faszinierende Weise zu Tage tritt wie am Dienstagabend in Berlin. Praktisch am selben Ort, in unmittelbarer Nachbarschaft, fanden zur selben Zeit Konzerte statt, die neben guter Unterhaltung auch viel Nachdenken über den Zustand der Welt provozierten.

Während Radiohead bereits den zweiten Abend in der großen Uber-Arena ihre gitarrenverzerrten Epen über die Entfremdung von der modernen Gegenwartswelt vortrugen, gestatteten Kraftwerk ihrem Publikum in der kleineren Uber Eats-Music Hall den Rückblick in eine Zeit, in der die computerdominierte Welt von heute quasi geboren wurde.

Es passte jedenfalls, dass Kraftwerk ihr Konzert mit „Computerwelt“ begannen. Der Song kam einst weder pessimistisch noch anklägerisch daher, sondern als präzise Vorhersage einer technischen Revolution und Verheißung. „Am Heimcomputer sitz ich hier / und programmier‘ die Zukunft mir“. Inzwischen ist der KI-Hype da und die Leute im Saal, alle nicht die Jüngsten, wissen, dass es mit der Zukunft auch nicht so dolle aussieht. Nur sind sie dank der Gnade der späten Geburt weniger depressiv als die Jungen.

Tolle Animationen auf den Riesenscreens

Jedenfalls filmen die Fans frohgemut die tollen Animationen auf dem Riesenscreen, vor dem die vier Musiker in LED-verzierten Anzügen jeweils hinter einem Computer stehen. Nur einer von ihnen, Ralf Hütter, ist ein Original-Kraftwerker, was aber nichts macht, weil die schon 1970 gegründete Gruppe ohnehin nie eine Band im herkömmlichen Sinne war, sondern immer ein Verbund von Musikern, die ihr Schaffen immer über ihre Person stellten. Sie verzichteten nicht nur auf Rockbandgetue, sondern auch auf bandtypische Selbstdarstellung, was ihr Image der Außergewöhnlichen zusätzlich pushte.

Wenn renommierte Musikproduzenten die Düsseldorfer Band in der Bedeutung höher einstuften als die Beatles, weil sie eine größere Breitenwirkung auf Stile von Avantgarde über Pop bis Dub Step konstatieren, ist das einerseits gewagt. Andererseits stimmt es, dass Kraftwerk in ihrer visionären Ausstrahlung annährend unerreicht sind. Zwar brachten sie den Zeitgeist nicht so auf den Punkt wie Elvis oder die Stones, aber sie sahen ihn voraus und machten ihn quasi vorab hörbar.

Kraftwerk prophezeiten die technisierte und digital kontrollierte Welt, in der sich der einzelne Mensch als Teilchen in der Masse bewegt (auf der Autobahn, in der Computerwelt), oft mit dem Gefühl, nicht anhalten zu können oder zu wollen. Die Philosophie von Kraftwerk war immer: Der Sound bestimmt das Bewusstsein für die Musik.

Und die Emotionalität. Ihre emotionale Maschinen-, sprich Elektronikmusik, funktioniert bis heute und auch an diesem Abend, weil die steril anmutenden, metallischen Klänge und Synthi-Töne auf eingängigen Melodienfetzen liegen. Sie sind die entscheidende Verknüpfung in einer Musik, die klingt wie nach einem Ingenieursplan zusammengebaut. Und die trotzdem (oder deshalb) die Grundlage für das legte, was man elektronische Tanzmusik nennt.

„Ätherwellen“ ist eine Vorankündigung von Techno

Der Song „Ätherwellen“ ist nichts weniger als eine Vorankündigung von Techno, während „Trans Europa Express“ daran erinnert, dass auch der HipHop aus Kraftwerk Inspiration bezog. Rap-Pionier Afrika Bambaataa hatte 1982 Beats aus dem Stück in seine Musik eingebaut und so für einen Popularitätsschub in der schwarzen Community gesorgt.

Auf eine unbeabsichtigte Weise dürfte das Konzert für manchen Zuschauer auch leichte Nostalgiegefühle hervorgebracht haben, zum Beispiel beim Video zu „Autobahn“. Auf leeren Autobahnen gleiten nur wenige deutsche (Verbrenner)autos der Marken VW und Mercedes durch die schöne Landschaft. Im Video zu „Das Model“ sieht man auch keine GNTM-Kandidatinnen samt Heidi Klum, sondern Damen, die seinerzeit noch Mannequins hießen.

Nostalgiegefühle beim Kraftwerk-Konzert in Berlin

Nostalgiegefühle beim Kraftwerk-Konzert in Berlin beim Song „Autobahn“

Gunnar Leue

Die Erkenntnis des Abends ist klar: Hinter Kraftwerk standen grandios vorausschauende und vorausklingende Musiker. Und zeitlos phantastisch anzuhören ist ihr visionärer Sound bis heute. Mit der größten Freude wie immer im Fall von „Radioaktivität“ und „Die Roboter“.