MOZ-Talk in Frankfurt (Oder)
: Cora über die dramatische Geschichte hinter „Amsterdam“

InterviewMit „Amsterdam“ wurde das Duo Cora Kult. Dabei ist die wahre Geschichte hinter dem Partykracher alles andere als fröhlich, erzählt Sängerin Cornelia von dem Bottlenberg.
Von
Michael Heider
Frankfurt (Oder)
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Seit Jahrzehnten gemeinsam erfolgreich: Cornelia (li.) und Swetlana von dem Bottlenberg. Am 18. September kommt das Duo zum MOZ-Talk nach Frankfurt (Oder)

Seit Jahrzehnten gemeinsam erfolgreich: Cornelia (l.) und Swetlana von dem Bottlenberg. Am 18. September 2024 kommt das Popduo zum MOZ-Talk nach Frankfurt (Oder).

Cornelia Freifrau von dem Bottlenberg

Einst tingelten Cornelia und Swetlana von dem Bottlenberg alias Cora unermüdlich über die Bühnen Deutschlands – und erfreuten sich nicht nur wegen ihres Hits „Amsterdam“ großer Beliebtheit. Als Veranstalterinnen und Gastronominnen bereiten sie auf ihrem Gut Schloss Golm in Potsdam heute die Bühne für andere und richten Hochzeiten und Feste aus.

Vor ihrem Besuch beim MOZ-Talk am 18. September in Frankfurt (Oder) erklärt die Sängerin des Duos und Paars Cornelia von dem Bottlenberg, warum sie keine singende Wirtin sein will, wovon „Amsterdam“ wirklich handelt und warum sie mit Gendern nur wenig anfangen kann.

Frau von dem Bottlenberg, mal ehrlich, was ist nervenaufreibender: eine Hochzeit zu organisieren oder ein Konzert zu spielen?

Cornelia von dem Bottlenberg: Also zunächst mal: Stress ist das alles nicht. Es macht noch immer Spaß, sowohl die Musik als auch die Arbeit in unserem Gut Schloss Golm. Aber die Ausrichtung von Hochzeiten wird tatsächlich immer intensiver. Das Internet ist voll von Bildern toller Hochzeiten, auch auf Instagram. Da haben die Leute natürlich bestimmte Vorstellungen. Manchmal schicken sie mir Bilder aus der Toskana, wo ich sage: Na ja, schön, aber schauen wir mal, wie das Wetter wird. Die Ansprüche sind also höher geworden, und deshalb ist die Vorbereitung wesentlich intensiver.

Wünschen sich Kunden denn auch mal einen Auftritt von Cora?

Ja, tatsächlich. Aber wir haben von vornherein gesagt, wir werden mit Sicherheit nicht die singenden Wirtinnen sein. Auftritte machen wir bei unseren Hochzeiten also nicht. Wir sind hier die Dienstleister und Veranstalter von Festen, die Hauptpersonen sind die Hochzeitspaare und die Gäste. Klar spielen die DJs fast immer „Amsterdam“, und alle freuen sich. Aber unsere Arbeit findet im Hintergrund statt.

Nutzen Ihnen die Erfahrungen aus dem Musikgeschäft auch als Gastronominnen?

Als wir angefangen haben, Musik zu machen, da mussten wir unser Geld wirklich schwer verdienen. Einen Kulthit hatten wir damals noch nicht. Wir waren einfach Mädels, die auf der Bühne eine Show gemacht haben. Wir haben getanzt, gesungen, gesteppt und parodiert. Das war relativ hart. Wir sind rumgereist, haben auf allen möglichen Veranstaltungen unsere Show gemacht. So haben wir gelernt, mit Publikum umzugehen, rauszukommen und die Herzen der Leute, die uns nicht kannten, zu erobern. Das war eine ganz besondere Schule. Und davon profitieren wir heute noch, auch in unserem Restaurant.

Unbekannt sind Sie heute nicht mehr. Auch dank Ihres Hits „Amsterdam (Liebe hat total versagt)“. Warum eigentlich Amsterdam und nicht Berlin oder Paris?

Die ehrliche Antwort habe ich lange für mich behalten. Für viele Leute, gerade in den neuen Bundesländern, ist das Lied Kult, weil sie es mit einem gewissen Freiheitsgedanken verbinden. Das Gros erkennt darin eine Sehnsucht und eine gescheiterte Liebesgeschichte. Aber die wirkliche Geschichte ist, Amsterdam hatte in den Achtzigern eine große Drogenszene. Viele Leute, die in West-Berlin nur mit weichen Drogen konfrontiert wurden, kamen in Amsterdam an harte Drogen und gingen dort vor die Hunde. Ich kannte jemanden, da haben die Eltern mit viel Liebe versucht, ihr Kind nach Hause zu holen. Daher der Satz in dem Lied „Liebe hat total versagt“, weil nur mit Liebe kommt man bei wirklich Drogensüchtigen nicht weiter. Da braucht es schon eine Therapie.

Eine äußert dramatische Message also.

Ja, aber die Leute müssen das nicht unbedingt wissen. Für sie ist und bleibt es ein schönes Lied. Man muss schon zwischen den Zeilen lesen, um an den Kern der Geschichte zu kommen. Aber genau dieser Interpretationsspielraum ist auch das Glück von „Amsterdam“. Wie in vielen unserer Songs bleibt Raum für die eigene Fantasie.

So erklären sich wohl auch die verschiedenen Revivals von „Amsterdam“. Bald beginnt das Oktoberfest, dort gehört der Song schon lange zum Kanon der Bierzelt-Hits. Wie finden Sie das?

Ich finde das sensationell. Der Sohn meiner ältesten Schulfreundin lebt in München. Eigentlich hielt er uns immer für Schlager-Tanten, doch dann rief er mich eines Tages an. Mit höchster Hochachtung sagte er, dass sie das Lied auf der Wiesn gespielt haben. Auf der Wiesn! In Bayern ist das schon ein kleiner Ritterschlag. Dann hat man es geschafft (lacht).

Eine weitere Besonderheit Coras ist, dass Sie und Swetlana nicht nur ein Duo, sondern auch ein Paar sind. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil im Showgeschäft?

Keine Ahnung. Wir sind jetzt 52 Jahre zusammen. Wir haben uns einfach kennengelernt, verliebt und dann gemeinsam unsere Musik gemacht. Fertig. Aber wenn ich so darüber nachdenke, ist es natürlich ein Vorteil, weil man seine Emotionen und Ideen austauschen kann. Einen Nachteil gibt es allerdings. Wenn die Partnerin eine ihrer neuen Kompositionen vorstellt, ganz euphorisch ist, und fragt: „Wie findest du das?“ Für den Fall, dass man die Melodie oder die Textidee dann nicht so toll findet, ist da nicht nur die Enttäuschung groß, sondern auch meistens gleich der ganze Abend versaut.

Sie gehörten zu den ersten Paaren, die sich in Brandenburg verpartnern ließen. Wie blicken Sie heute auf den Umgang mit homosexuellen oder queeren Menschen?

Mir ist dieses ganze Getue um LGBTIQ relativ egal. Vieles finde ich heute auch völlig absurd. In Berlin haben die Leute immer schon ihr Leben gelebt und sich nicht geschert, wer welches Klo benutzt. Aber heute wird das so hochgehypt.

Sicher auch, weil andernorts der Umgang damit nicht immer so frei ist.

Klar, wenn wir unterwegs sind und mit Fans sprechen, hören wir schon, dass sie in uns ein Vorbild sehen, weil wir unsere Beziehung immer frei und offen gelebt haben. Aber, dass es außerhalb von Berlin und den Großstädten für gleichgeschlechtliche Paare oft noch immer Probleme gibt, wissen wir natürlich. Man kann neue Gesetze machen oder das Ganze jetzt so stark thematisieren, aber ob sich dadurch in den Köpfen der Menschen etwas ändert, weiß ich nicht. Bei denen, für die es sowieso kein Problem war, ist es keins. Und wo es immer ein Problem war, wird es eines bleiben. Aber mit den verschiedenen Geschlechtern, der sogenannten Wokeness und dem Gendern heute tue ich mich etwas schwer. Ich glaube auch, dass ein Eingriff in die Sprache keinen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen kann.

Der 42. MOZ-Talk mit Musik findet am 18. September in Kleist Forum in Frankfurt (Oder) statt. Neben Coro werden die Moderatoren Lilo Wanders und David Friedrich noch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und die Berliner Berufsfinderin Uta Glaubitz empfangen. Für musikalische Umrahmung sorgt die MOZ-Talk-Showband mit Sören Gundermann, Thomas Strauch und Jacek Faldyna. Weitere Infos sind auf www.kleistforum.de zu finden.