„OMG Die Ärzte LOL“ Berlin 2024: So starten Die Ärzte in Tempelhof ins erste von drei Konzerten

Bester Drummer in „DÄmpelhof“: Bela B von Die Ärzte (hier 2022) spielte am Freitag (23. August) mit seiner Band das erste von drei Konzerten auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin
Moritz Frankenberg/dpaLogbuch-Eintrag am Freitag, 24. August 2024. Zielort: DÄmpelhof. Einwohnerzahl: knapp 60.000. Wetterlage: Prächtig! Kaum Wolken, leicht kräftige Briese und viel Sonne. Flughöhe: himmlisch hoch. Ideale Konzertbedingungen also. Anders ausgedrückt: „Hip, Hip, Hurra! Alles ist super, alles ist wunderbar“.
Gleich in den ersten Minuten geben Die Ärzte den radikal-optimistischen Refrain (wie auch den Rest) ihres Klassikers „Hurra“ zum Besten. Nostalgischer Kracher – und akkurater Ausblick auf die folgenden drei Stunden. Farin Urlaub warnt nicht umsonst vor einer „furchteinflößend langen Setlist“.
Bela, Farin, Rod: Bürgermeister von DÄmpelhof
Zeit für eine La Ola zum Einstand muss trotzdem sein. Bietet sich an im weitläufigen DÄmpelhof, in gewisser Weise Berlins jüngster Ortsteil. Und Bela B, Farin Urlaub und Rodrigo González haben als Bürgermeister zum Stadtfest geladen. In wesentlich realitätsnäherer Weise ist DÄmpelhof die marketingbewusste und zeitweise Umbenennung des ehemaligen Flughafen Tempelhofs, wo an diesem Freitag das erste von drei Die Ärzte-Konzerte stattfindet.
Und nimmt man den Auftakt als Indiz, steht der Hauptstadt ein fabelhaftes Rock-Wochenende bevor.
Die Ärzte sorgen für offene Münder und Lacher
Die Ärzte „auuuus Berlin“ sind in Berlin in bester Spiellaune. Kein Wunder, vor einer Woche haben sie sich noch in zwei Clubs der Stadt warm gespielt. Getreu dem Titel des Konzert-Triples „OMG Die Ärzte LOL“ sorgt die „beste Band der Welt“ in Tempelhof wie gewohnt für offene Münder und Lacher. Die Massen dürfen armwippend den altbekannten „Mmh Ahh“-Chor anstimmen und über Anekdoten der Punk-Entertainer lachen.
Dass Bela B beim Anflug auf Tempelhof einmal versehentlich Salz statt Zucker in seinen Tee kippte, nur um diesen vor lauter Stolz trotzdem zu trinken, wissen sie nun auch. Auch, dass er im Anschluss die Flugzeugtoilette länger umarmte.
„1/2 Lovesong“ zur untergehenden Sommersonne
Aber die anwesenden 60.000 Anhänger der „besten Band der Welt“ erfahren wie gewohnt auch viel Liebe von ihren Helden. „Du bist nicht allein / Wir sind Legionen und wir werden bei dir sein“, der Opener „Nicht allein“ ist das musikalische Äquivalent einer Begrüßung mit offenen Armen. Wirklich physisch in den Armen gelegen wird sich spätestens, als Rod zur untergehenden Sommersonne „1/2 Lovesong“ herzzerreißend schön singt.
„Lasse redn“, „Der Graf“, „Wie es geht“, „Gehn wie ein Ägypter“, „Deine Schuld“, „Junge“ – die drei Berliner spielen sich mit vielen Hits quer durch ihre üppige Diskografie. Ein bunter Strauß aus feinstem Quatsch. Mit einem Duft, den sonst nirgends gibt. Das Publikum, das in Form von Familien, Pärchen und Freundesgruppen gekommen ist, liebt diesen Duft. Nicht nur bei „Westerland“ singen selbst gestandene Rocker mit Stiernacken innig ineinander verkeilt mit.
Absage an AfD auf Ärzte-Art
Doch bei allem Spaß und Glückseligkeit: Klare Kante gegen Rechts darf nicht fehlen bei der Band, die einst die Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ geschrieben hat (die erklingt zum Schluss natürlich auch). Es tut Not. Denn „Nazi-Spacken“ habe es zwar immer gegen, konstatiert Bela B. „Nur gerade trauen sie sich mehr“. Aber eines weiß er: „Wir sind mehr!“
Vor den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg warnt der Drummer zudem vor der AfD und bezeichnet sie als Partei, „die nachweislich nur Schlechtes“ im Schilde führt. Und da rechts außen selbst die Herkunft von Backerzeugnissen für heiße Gemüter sorgt, widmet das Trio der AfD „Zum Bäcker“ („Wollt ihr das totale Brötchen?“).
Doch Die Ärzte lamentieren nicht. Sie bietet einen Gegenentwurf in Form von Musik. Und die klingt auch nach vier Jahrzehnten live immer noch fantastisch! Gut also, dass die Bela, Farin und Rod von ihrer Gewohnheit, lange Konzerte zu spielen, noch nicht ablassen.
DÄmpelhof ist durchaus eine Reise wert
Nette Leute, gute Musik, keine Nazis. Was soll man sagen? DÄmpelhof ist eine Reise wert! Und in der Liste bedeutender Ärzte-Orte längst eingeschrieben. Vor zwei Jahren hatte die Band hier schonmal zu drei Konzerten geladen. Nur damals ließ die Reiseprospekt-Kulisse auf sich warten. Pünktlich zur ersten Show zogen pechschwarze Gewitterwolken über Berlin auf. Das Konzert musste wegen Unwetter abgesagt werden.
Für manch einen Fan gibt es also etwas nachzuholen. Und auch jene dürften eine Rückkehr in Betracht ziehen, die an diesem Freitag gegen 22 Uhr zu „Schlaf mein Kindchen“ in die Berliner Nacht entlassen werden. Gelegenheit dazu gibt es. Das Konzert am Sonntag ist noch nicht ausverkauft.


