Oper in Rheinsberg
: Champagner in Strömen bei der „Fledermaus“ von Johann Strauss

Die Kammeroper Rheinsberg versetzt „Die Fledermaus“ in die 1920er Jahre - und feiert ein Fest in Pailletten, Fransen und Federboas.
Von
Regine Lox
Rheinsberg
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Fledermaus

Rebecca Aline Frese als Prinz Orlofsky und rechts Maximilian Vogler als Eisenstein bei der „Fledermaus“ im Schlosshof von Rheinsberg

Jürgen Rammelt
  • Die Kammeroper Rheinsberg zeigt „Die Fledermaus“ von Johann Strauss in den 1920er Jahren.
  • Glanzvolle Inszenierung mit Flappermode, Charleston und schillernden Figuren im Schlosshof Rheinsberg.
  • Junge Sänger brillieren stimmlich, u. a. Maximilian Vogler als Eisenstein und Rebecca Alina Frese als Orlofsky.
  • Bearbeitung für Salonorchester sorgt für eine reduzierte, aber stimmige musikalische Begleitung.
  • Weitere Aufführungen: 4., 6., 8., 9., 12., 14., 15. August, jeweils um 19.30 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mehr Schampus! So fängt es an. So endet es. In heiterster Champagnerlaune und mit soviel süffigen Ohrwürmern, dass man fast schon vom Zuhören betrunken wird und selbst laut singen möchte. Aber das soll besser den jungen Sängern überlassen bleiben, die am Samstag im rappelvollen Hof des Rheinsberger Schlosses alle Register zogen, um der bekanntesten Operette von Johann Strauss Seele und Schmelz zu verleihen.

„Die Fledermaus“ ist ein Klassiker des Genres, bei dem nicht die Probleme der Welt verhandelt werden, sondern die kleinen und großen Macken und Marotten der menschlichen Spezies: Eitelkeit und Eifersucht, Ehrgeiz und Engstirnigkeit und das Streben nach Rache. Letztere ist des Pudels Kern – hieß die 1874 in Wien uraufgeführt Operette doch bis kurz vor der Premiere „Die Rache der Fledermaus“. Eine Rache, die zu amüsanten Maskenspielen, amourösen Eskapaden und launigem Kuddelmuddel führt.

Ersonnen wurde die Intrige vom Notar Falke, der seinem Freund und Trinkkumpan Eisenstein eins auswischen will – hat jener ihn doch einst einmal nach einem Kostümball betrunken und im Fledermauskostüm dem Gespött der Leute ausgesetzt. Nun will er ihn zum Ball des exzentrisch-gelangweilten Prinzen Orlofsky locken. Dort soll der Weiberheld Eisenstein in eine Liebesfalle gelockt werden.

Champagner in Strömen, jubelt der Chor bei der „Fledermaus“

Die schöne Unbekannte unter der Maske ist indes Eisensteins schöne Gattin Rosalinde. Die wiederum ihren Verehrer Alfred ins Verwirrspiel bringt. Dann ist da noch das Stubenmädchen Adele, die lieber das Tanzbein als den Staubwedel schwingt, von einer Künstlerkarriere träumt und ebenfalls bei Orlofsky auftaucht. „Es lebe Champagner der Erste!“, jubelt der Chor – und der Schampus fließt in Strömen, treibt die Handlung voran und die Laune sowieso.

Es versteht sich von selbst, dass alle Anwesenden auf dem Ball unter anderem Namen erscheinen – jeder gibt hier vor, wer anderes zu sein. Das Verwirrspiel ist perfekt. Und eine Augenweide. Georg Quander hat in seiner letzten Regiearbeit als künstlerischer Leiter der Musikkultur Rheinsberg auf einen Publikumsmagneten gesetzt und gewonnen. Seine Fledermaus hat er nach Berlin in die Roaring Twenties geholt.

Ausstatterin Julia Dietrich hat diese Vorlage in Glanz und Glamour gegossen. Schillernde Gestalten in Flapperkleidern, Pailetten, Fransen, Federboas und Fräcken bevölkern die Bühne unter dem Kronleuchter. Und rufen nach „Amüsement, Amüsement“. Der Chor – das Vokalsystem Berlin – tanzt Walzer und Charleston und Prinz Orlofsky hält Hof und singt sein berühmtes Couplet: „Ich lade gern mir Gäste ein“.

Ein Fest der Ausstattung: Das junge Sängerensemble in Rheinsberg feiert die 1920er Jahre

Ein Fest der Ausstattung: Das junge Sängerensemble in Rheinsberg feiert die 1920er Jahre

Jürgen Rammelt

Das Werk des Walzerkönigs strotzt vor bekannten Gesängen, die von den Preisträgern des Gesangswettbewerbs koloraturstark, geschmeidig und fein timbriert gesungen werden: Maximilian Vogler, der in Rheinsberg bereits in der „Iphigenie“ und der „Schönen Müllerin“ glänzen durfte, verleiht seinen prägnanten Tenor dem Eisenstein und liefert sich mit seiner Gattin flammende bis schwerverliebte Duette.

Amelie Sophie Gorzellik als Rosalinde gibt sich als Dame der besseren Gesellschaft schauspielerisch etwas reserviert – wenn sie singt, beginnt sie zu leuchten. Ihr „Klänge der Heimat“ bekommt stürmischen Applaus. Und auch, wie sie ihrem – sie nicht erkennenden – Gatten die Repetieruhr abluchst, mit der er zuverlässig Frauen anbaggert, ist absolut sehenswert.

Wer ist wer bei der „Fledermaus“? Film der Jungen Volksoper Wien auf YouTube

Lorraine Pudelko als Adele hat die Soubrettenpartie bestens verinnerlicht und trillert ihr „Mein Herr Marquis“ absolut umwerfend. Kokett und verführerisch setzt sie ihre Reize derart in Szene, dass alle Herren ihrem Charme erliegen – eine sächsische Sirene. Denn: Die Bonnerin, die in Leipzig studiert hat, drückt ihre Zugehörigkeit zum Proletariat durch launiges Säggsisch aus.

Eine Hosenrolle für Rebecca Alina Frese als Prinz Orlofsky

Die Hosenrolle des Prinzen Orlofsky füllt Rebecca Aline Frese mit Charme und schön exzentrisch mit rollend-russischem Akzent. Die hochgewachsene Altistin – in Frack und Corsage – ist Mittelpunkt ihres Salons und majestätischer Blickfang der Szene. Ihr „Ich lade gern mir Gäste ein“ – eine sängerisch nicht eben leichte Arie – sitzt auf den Punkt. Ein Punkt, der aber auch an ihre Sängerkollegen geht, die allesamt stimmlich in Bestform und mit viel mimisch-komödiantischem Talent beeindrucken.

Etwa Robin Park als Fledermaus: Er gefällt mit geschmeidigem Bariton – souverän und elegant. Tenor Ferdinand Dehner verleiht dem Tenor Alfred Schmelz und Schwärmerei. Immer mal wieder streut er – Tenöre sind so gestrickt – ein paar Arien von Wagner bis Mozart in seine Bühnenauftritte. Opernkenner dürfen rätseln. Leo Bachmann als Gefängnisdirektor überzeugt in seiner Charakterstudie ebenso stimmstark wie Hans Kim als Dr. Blind und Sofie Thomas als Tanzgirl Ida.

Dann wäre da noch der Gerichtsdiener Frosch. Eine kleine Sprechrolle – die allerdings 1878 enorm aufgewertet wurde, als der Wiener Volksschauspieler Alexander Girardi sie spielte, Begeisterungsstürme erntete und seitdem nicht selten Theatergrößen diese Rolle mimen. Die Frage „Und wer spielt den Frosch?“ vor Neuinszenierungen ist gang und gäbe. In Rheinsberg sorgt Merten Schroedter für viele Lacher.

Die Rheinsberger „Fledermaus“ ist – auch wenn von Strauss für großes Orchester komponiert – auch in der sparsamen Form gut musiziert. Christian van den Berg-Bremer, hat die Partitur für Salonorchester bearbeitet. Die einzelnen Melodiefäden hat er geschickt auf vier Streicher, zwei Bläser und sich selbst am Flügel aufgeteilt, dass alles da ist, was muss. Etwas Technik sorgt dafür, dass Sänger und Orchester gut aufeinander hören können. Fürs Publikum gab es dafür bessere Sicht auf die säulenumrahmte Bühne. Und fürs Ensemble am Ende rauschenden Applaus.

Weitere Vorstellungen gibt es am 4., 6., 8., 9., 12., 14., 15. August – immer 19.30 Uhr im Rheinsberger Schlosshof.