Pankow in Berlin
: Wie sich die Band verabschiedete – und was die Fans sagen

Mit einem Konzert auf der Freilichtbühne Weißensee verabschiedet sich Pankow in Berlin von der Bühne. Wie war der Abend – und wer war dabei?
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Abschied der Band Pankow

Abschied der Band Pankow - mit einem letzten Konzert in Dresden ist am Sonntag (13.7.) dann endgültig Schluss

Soeren Stache/dpa
  • Pankow spielte ihr Abschiedskonzert in Berlin vor 3000 Fans auf der Freilichtbühne Weißensee.
  • Regen begleitete das Konzert, doch Songs wie „Langeweile“ sorgten für emotionale Momente.
  • Die Band, 1981 in Ostberlin gegründet, war prägend für DDR-Rock und kritische Texte.
  • Nur zwei Gründungsmitglieder, André Herzberg und Jürgen Ehle, sind in der aktuellen Besetzung.
  • Abschiedstour endet am 13. Juli mit einem letzten Konzert in Dresden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Sonnabend regnete es mehr oder weniger den ganzen Tag in Berlin und es wäre ein schöner Zug des Wettergotts gewesen, wenn es gegen 19.30 Uhr aufgehört hätte. Hat es aber nicht und so spielte die Gruppe Pankow ihr Konzert in der Freilichtbühne Weißensee im Regen.

Beim „Lied von der See’nsucht“ konnte Sänger André Herzberg dann doch nicht anders, als zu sagen, es passe dazu. Dann sang er das Lied mit der Zeile „Es ist trübes Wetter“ und dabei blieb es auch. Sonnenschein kam nicht mehr. Trotzdem war das Konzert ein Ereignis.

3000 Fans nehmen Abschied in der ausverkauften Freilichtbühne

Es war ihr letztes Konzert in Berlin ever, denn Pankow befinden sich auf endgültiger Abschiedstour. Das zog natürlich viel Publikum an. Unter den 3000 Leuten in der ausverkauften Freilichtbühne waren Fans wie Rimi aus Strausberg, die die Band schon zu DDR-Zeiten wegen ihrer unkonventionellen Lieder mochte und die die Musiker heute ihre „Säulenheiligen“ nennt.

Auch Michael aus Schöneiche hatte Pankow schon in der DDR kennengelernt, als Teenager. „Ihre LP ‚Aufruhr in den Augen‘ fand ich gut. Ansonsten stand ich eigentlich eher auf Bands wie Feeling B.“ Feeling B sind längst in Rammstein aufgegangen. Pankow gibt es (gerade) noch und deshalb ist Michael zu ihrem Konzert gekommen. Es ist das erste seit viele Jahren in Deutschland, weil er bis vor kurzem in Norwegen lebte.

Auch Kollegen wie Toni Krahl und Uwe Hassbecker sind da

Den letzten Berliner Pankow-Gig wollten sich auch einige Musikerkollegen nicht entgegen lassen. Zum Beispiel Toni Krahl von City und Uwe Hassbecker von Silly. Dessen Bandkollege Rüdiger „Richtie“ Barton hatte jüngst gesagt, der Begriff Ostrock hätte sich beim Publikum ins Positive gewendet. Heute stehe er für etwas ganz Explizites, was in der DDR musikalisch entstanden ist und nicht zuletzt die textlichen Qualitäten meine.

Das trifft auch auf Pankow, 1981 in Ostberlin gegründet, zu. Nicht zuletzt auf das 1988 veröffentlichte Lied „Langeweile“ vom Album „Aufruhr in den Augen“. Darin singen sie: „Ich bin rumgerannt, zu viel rumgerannt, ist doch nichts passiert.“ Und dann: „Dasselbe Land zu lange gesehn‘ ... Zu lange die alten Männer verehrt“. Die Hörer fragten sich damals: Wie konnten diese Worte durch die Zensur gehen?! Man musste kein Oppositioneller sein, um diesen Song, abgetörnt von der bleiernen Schwere in der DDR, zu lieben.

Zwischen den Zeilen lesen

Er wurde am Sonnabend natürlich mitgesungen und besonders bejubelt. Das Publikum, vorwiegend älter, konnte sich nur zu gut erinnern, dass die DDR-Kritik 1988 zwischen den Zeilen zum Himmel schrie. „Man wusste genau, wo der Feind steht, auch wenn man sich oft nicht getraut hat, ihn beim Namen zu nennen“, wie Sänger André Herzberg einmal sagte.

Heute ist die DDR ein Kladderadatsch aus War-nicht alles-Schlecht-Erinnerungen und War-doch-alles -scheiße-Vorwürfen. Ja, Die DDR war ein seltsames Land. Das traf erst recht auf den staatlichen Umgang mit Musik, speziell Rockmusik, zu. Warum welcher Song, welche Platte, gar welche Band verboten war, ist nicht immer nachvollziehbar gewesen.

Auf den Wellen an Absurditäten, Vorgaben und Verboten ist auch die Band Pankow hin und hergeschaukelt. Mal war sie obenauf, mal drohte der Untergang. Gleich ihr erstes Album, das Rockspektakel „Paule Panke“, fiel bei Amiga aus dem Veröffentlichungsplan, obwohl es im Radio gesendet worden war. Den Titel „Freitag“ aus 1981 spielen sie in Weißensee und André Herzberg zeigt sich berührt, dass „Paule Panke“ vor wenigen Tages das erste Mal, „wenn auch etwas spät“, im RBB-Fernsehen lief.

Ehle und Herzberg sind die einzigen aus der Originalbesetzung

Die zumeist Ü50-Frauen und Männer, die ihm zuschauen, dürften die ganzen Eiertänze der DDR-Kulturpolitik größtenteils aus eigenem Erleben gekannt haben. Die Pankow-Fans in Weissensee haben in der Regel überwiegend DDR-Sozialisationshintergrund. So wie vier der fünf reifen Herren der aktuellen Bandbesetzung. Nur Keyboarder Andreas Dziuk war nie DDR-Bürger.

Die beiden einzigen Pankow-Urmitglieder sind Gitarrist Jürgen Ehle und Sänger André Herzberg. In der DDR galten sie als die Ostberliner Glimmer Twins. Ihre Songs kommen auch nach 40 Jahren bestens an. Auch wenn „Die wundersame Geschichte von Gaby“, in der ein Mädchen traumhaft durch ein Disco-Fenster in die Welt fliegt, in der heutigen Zeit semioriginell wirkt. Als es entstand, war es jedoch, wie Herzberg sagt, ein „Lied über Freiheit, eingepackt in ein Märchen“.

Heute gibt es die ersehnte Freiheit. Aber sie hatte auch für Pankow ihre Tücken. Über politische Sachen hätten sie oft gestritten, hat Herzberg, der Sohn kommunistischer Eltern, der seit Kindheit an viel Wut in sich trug, einmal gesagt. „Aber am Ende ging es immer um Liebe“. Das bezeugt auch ihrer letzter Song. In „Bis zuletzt“ singen sie: „Wir haben geliebt und uns gehasst / Das ist heute Schnee von gestern, spielt keine Rolle mehr / Etwas hat uns hier zusammengebracht“.