Peter Liebers ist tot
: Ex-Kulturchef der MOZ gestorben – ein Leben für die Kunst

Peter Liebers war lange Zeit Kulturchef der MOZ und ein treuer Freund der Kunstszene in Berlin und Brandenburg. Er ist mit 79 Jahren tödlich verunglückt als er seinen Hund retten wollte.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Bei einem Unfall am 11. Juli 2024 verstorben: Peter Liebers, Kulturjournalist und langjähriger Kulturchef der MOZ

Bei einem Unfall am 11. Juli 2024 verstorben: Peter Liebers, Kulturjournalist und langjähriger Kulturchef der MOZ

Heinz Köhler

Die Nachricht kam aus dem Berliner „Tagesspiegel“, dort ohne Namen: Im Tiergarten sei vor einer Woche ein 79-jähriger Mann gestorben, als er versucht habe, seinen Hund aus dem Landwehrkanal zu retten. Den Hund habe er noch ans Ufer gebracht. Er selbst ist untergegangen und ertrunken. Die traurige Gewissheit bringt ein Telefonat mit seinem Ehemann, dem Journalisten Jürgen Liebing: Peter Liebers ist tot. Gestorben am 11. Juli 2024. Die Beerdigung hat schon stattgefunden.

Peter Liebers war für die Kultur-, insbesondere die Kunstszene in Brandenburg unendlich wichtig und verdienstvoll. Als langjähriger Ressortleiter des Kulturteils der Märkischen Oderzeitung seit den 1990er Jahren kannte er die Künstlerinnen und Künstler im Land wie kaum ein anderer, hielt treu und lang den Kontakt, schickte bis zuletzt auch an die Redaktion immer wieder Mails mit Hinweisen, wenn ihm eine Ausstellung oder eine Initiative besonders bemerkens- und beachtenswert erschien.

Peter Liebers rettete den Brandenburgischen Kunstpreis

Bei der Verleihung des Brandenburgischen Kunstpreises, den er gemeinsam mit dem damaligen Chefredakteur Frank Mangelsdorf vor 19 Jahren zur Märkischen Oderzeitung geholt und damit gerettet hatte, fehlte er. Doch Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte anlässlich der Staffelübergabe an das Land Brandenburg am 7. Juli 2024 ausdrücklich das Engagement des damaligen Teams.

Dass eine Zeitung einen Kunstpreis übernimmt, den das Land nicht mehr weitertragen und - finanzieren kann - das war eine Aktion nach Peter Liebers' Sinn. Wo es für die Kunst einzutreten und für sie zu kämpfen galt, war er dabei. Vom damaligen MOZ-Kulturchef Michael Grüning vom Deutschlandfunk nach Frankfurt (Oder) abgeworben, legte der Journalist Wert auf ein Feuilleton, das die große Kultur mit der regionalen Szene verbinden konnte, das sich mit wichtigen Autorennamen schmückte, das den Blick in die weite Welt der Kultur behielt und die regionale Kultur im Herzen.

„Er hat der Kultur ein Gewicht gegeben in der Märkischen Oderzeitung“, bilanziert Heinz Kannenberg, damaliger Chefredakteur der MOZ. Dazu gehörte die Theater- und Opernszene in Berlin genauso wie Bayreuth oder die Berlinale. Und natürlich die vielen engagierten Kunstorte im Land Brandenburg, vom Schul- und Bethaus in Altlangsow bis zum Kleist-Museum, vom EWE-Kunstparkhaus bis zur Eberswalder Märchenvilla, von der Galerie in Bernau bis zur Rathausgalerie in Hoppegarten. Nähme man seine Artikel noch einmal gesammelt vor, man hätte ein Who-is-Who der Brandenburgischen Kunstszene, aufgeschrieben von einem Freund und Wegbegleiter.  „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, hat er manchmal Karl Valentin zitiert. Für ihn war es offenbar keine Arbeit, sondern Berufung.

Nach vier Stunden Beratung steht es fest: Die Kreisstadt bekommt eine „Burgschreiberin zu Beeskow“. Um 13 Uhr trat die Jury auf der Burg zusammen, um aus den 50 eingegangenen Bewerbungen einen neuen Burgschreiber zu wählen. Die Entscheidung fiel dem Juroren-Team, welches sich aus dem Kulturjournalisten der MOZ Peter Liebers, Magdalena Paluska vom Kleist-Museum Frankfurt (Oder), Stefan Hornbach (Burgschreiber 2019/20), Stephanie Lubasch vom Kultur- und Sportamt des Landkreises/Burg Beeskow, dem Beeskower Bürgermeister Frank Steffen sowie Theresia Gottschall (Abiturientin am Rouanet-Gymnasium Beeskow) zusammensetzt, nicht leicht. Moderiert wurde das Auswahlverfahren von Arnold Bischinger, dem Leiter des Kultur- und Sportamtes und der Burg Beeskow. Begleitet wurde das Auswahlverfahren von Susann Müller, Kultur- und Sportamt.

10.09.2020 Beeskow, Nach vier Stunden Beratung steht es fest: Die Kreisstadt bekommt eine „Burgschreiberin zu Beeskow“. Um 13 Uhr trat die Jury auf der Burg zusammen, um aus den 50 eingegangenen Bewerbungen einen neuen Burgschreiber zu wählen. Die Entscheidung fiel dem Juroren-Team, welches sich aus dem Kulturjournalisten der MOZ Peter Liebers, Magdalena Paluska vom Kleist-Museum Frankfurt (Oder), Stefan Hornbach (Burgschreiber 2019/20), Stephanie Lubasch vom Kultur- und Sportamt des Landkreises/Burg Beeskow, dem Beeskower Bürgermeister Frank Steffen sowie Theresia Gottschall (Abiturientin am Rouanet-Gymnasium Beeskow) zusammensetzt, nicht leicht. Moderiert wurde das Auswahlverfahren von Arnold Bischinger, dem Leiter Kultur- und Sportamtes und der Burg Beeskow und es wurde begleitet von Susann Müller vom Kultur- und Sportamt.

Immer für die Kunst aktiv - hier bei den Beratungen zum Burgschreiber in Beeskow, als Zweiter von Links.

Jörn Tornow

Lange war Peter Liebers in verschiedenen Jurys tätig, auch nach seinem Weggang von der Märkischen Oderzeitung 2008. Er wirkte weiter bei der Auswahl der Künstler zum Brandenburgischen Kunstpreis mit, beim Losito-Kunstpreis und bei der Auswahl des Burgschreibers in Beeskow. Er engagierte sich für die Sicherung privater Künstlernachlässe in Brandenburg, unterstützte Ulrike Hogrebe mit ihrer Kunst-Biennale in Neuwerder im Havelland, war bei vielen Ausstellungseröffnungen zugegen, führte Künstlergespräche, zum Beispiel regelmäßig im damaligen EWE-Kunstparkhaus in Strausberg, schrieb Katalogbeiträge, auch für den Brandenburgischen Kunstpreis.

Im Dienst der Kunst: Jürgen Liebers (2. v. l.) bei der Jurysitzung des Losito Kunstpreises 2024. Ebenfalls zu sehen: die Jurymitglieder Karla Woisnitza, Eugen Blume, Nicola Kuhn und Carsten Probst (v.l.n.r.) Im Hintergrund: Werke der Künstlerin Songwen Sun-von Berg (Ausstellung in der Galerie Anke Zeisler)

Jürgen Liebers (2. v. l.) bei der Jurysitzung des Losito Kunstpreises 2024. Ebenfalls zu sehen: die Jurymitglieder Karla Woisnitza, Eugen Blume, Nicola Kuhn und Carsten Probst (v.l.n.r.) Im Hintergrund: Werke der Künstlerin Songwen Sun-von Berg (Ausstellung in der Galerie Anke Zeisler)

Anke Zeisler

Er sei ein außergewöhnlicher Freund der Kunst und der Künstler gewesen, bestätigt auch die Galeristin Anke Zeisler, habe die Künstler mit allem ihm Möglichen unterstützt. Und er fand mit seinem Mann Jürgen Liebing und ihrem Hund ein neues Glück in sommerlichen Ausflügen von Berlin aus ins brandenburgische Umland. Der plötzliche, tragische Tod hat das beendet. Viele Kulturschaffende in Brandenburg werden seiner in Dankbarkeit gedenken.