Spendenaktion
: Das Brandenburgische Staatsorchester sammelt mit einem Benefizkonzert Spenden für die Hochwasser-Opfer

Vor fünf Wochen erst war er in Blessem, dem Dorf in der Nähe von Köln, das besonders vom Hochwasser betroffen war, erzählt Orchestervostand Stefan Große Boymann. Warum ihn das zu dieser Spendenaktion bewegte, erzählt er hier im Interview.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Bundesweite Solidarität: Helfer gehen im Ortsteil Blessem in Nordrhein-Westfalen an Schildern mit der Aufschrift „Danke“ vorbei. Nach mehreren Tagen durften die Bewohner des vom Hochwasser besonders stark getroffenen Ortes wieder in ihre Häuser. Auch das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt wurde durch die Lage in Blessem bewegt.

David Young/dpa

Derzeit sind Teile des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt bei den Bayreuther Festspielen für die Kinderversion von Richard Wagners „Tristan und Isolde“ – die Saison zuhause sollte am 21. August mit dem Auftritt beim Choriner Musiksommer beginnen. Doch angesichts der dramatischen Bilder der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat das Orchester kurzfristig entschieden, mit einem Benefizkonzert Spenden zur Unterstützung der betroffenen Gebiete zu sammeln. Orchestervorstand Stefan Große Boymann erklärt, wie die Idee zustande kam und was dahinter steckt.

Herr Große Boymann, wer aus dem Orchester hatte die Idee, ein Benefizkonzert für die Opfer der Hochwasserkatastrophe zu veranstalten? Und wie haben Sie das jetzt in den Orchesterferien organisiert?

Ich habe mich als Orchestervorstand an den Intendanten gewandt und gefragt, ob wir nicht in Form eines Konzerts oder einer öffentlichen Generalprobe jetzt Solidarität leben können und ein Spendenkonzert veranstalten. Wir haben uns dann im Vorstand per Email und telefonisch abgestimmt, auch unser Intendant Roland Ott hat den Vorschlag gleich aufgenommen, und dann ging alles ganz schnell. Jetzt hoffen wir natürlich, dass das auch ein schöner Erfolg wird und viele Spenden zusammenkommen.

Initiierte die Aktion: Stefan Große Boymann, Solokontrabassist und Orchestervorstand

BSOF

Wie überlegt man sich ein Programm für so einen Anlass?

Es ist ein Teil eines Programmes, das wir sowieso gerade proben und auch aufführen werden. Das Herausragende daran ist die Solistin, Viviane Hagner, die eine weltberühmte Geigensolistin ist. Da ist es gar nicht so einfach, sie auf die Schnelle zu bekommen, da muss die Agentur zustimmen – diese Gespräche hat Herr Ott geführt und es hat geklappt. Sie wird das Violinkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy spielen, das auch für das Konzert beim Choriner Musiksommer am 21. August auf dem Programm steht. Wie das Orchester und unser GMD wird auch Frau Hagner bei diesem Konzert zugunsten der Hochwasseropfer auf ihre Gage verzichten.

Solistin beim Benefizkonzert: die Geigerin Viviane Hagner

Timm Kšlln

Gibt es bei Ihnen im Orchester auch Musiker, die Verbindungen in die geschädigten Gebiete haben und daher persönlich betroffen sind?

Bei mir persönlich war das sehr aktuell, weil ich vor knapp fünf Wochen aus einem traurigen Anlass in Erftstadt war, zu einer Beerdigung. Wir waren genau in Blessem, diesem Ortsteil, der jetzt aktuell so viel durch die Medien ging, weil dort die LKWs auf der Autobahn unter Wasser standen und der Kessel sich in den Ortsteil reingerissen hat. Wir hatten die Landschaft noch vor Augen, wie sie heile war, und dann sah ich auf der Titelseite der „Märkischen Oderzeitung“ dieses große Foto von dem überfluteten Ort. Ich habe gleich Kontakt zu der Pension aufgenommen, in der wir übernachtet haben, aber sie schrieben, dass sie wahnsinniges Glück hatten, weil 50 Meter vor ihrem Hotel das Wasser wieder umgekehrt ist. Das war sozusagen mein ganz privater persönlicher Bezug, weshalb ich auch spontan die Idee zu dem Spendenkonzert hatte.

Während der Spendenaktion der „Märkischen Oderzeitung“ haben wir von vielen Lesern gehört, dass mit den Bildern auch die Erinnerungen an das Oderhochwasser wieder hochkam. Erinnern Sie sich noch, wie das Staatsorchester damals betroffen war?

Wir haben 1997 im Rahmen des Hochwassers unheimlich viel bundesweite Solidarität erfahren, so dass ich es so wichtig finde, dass jetzt in dieser Situation gerade aus unserer Region heraus Solidarität gelebt wird. Deshalb finde ich die Spendenaktion der „Märkischen Oderzeitung“ und des Landkreises Märkisch-Oderland auch so toll, und viele andere organisieren ja auch Sachspenden, die in die Gebiete gebracht werden. Ich denke, das ist ein Gemeinschaftsgefühl, das zeitgemäß und angesagt ist, und da wollen wir als Brandenburgisches Staatsorchester nicht zurückstehen.

Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.

Abschluss der Spendenaktion „Wir helfen“: Konzert und Anmeldung

Das Benefizkonzert findet am 20. August um 17.30 Uhr in der Messehalle 4 in Frankfurt (Oder) statt. Auf dem Programm steht Felix Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert e-moll und Franz Schuberts Sinfonie Nr. 6 C-Dur. Solo-Violinistin ist Viviane Hagner, es dirigiert GMD Jörg-Peter Weigle.

Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, es bleibt den Besuchern überlassen, welchen Betrag sie spenden wollen. Zum einen kann der Eintrittspreis per Überweisung auf das Spendenkonto der Aktion „Wir helfen“ gespendet werden, zum anderen werden Spendenboxen aufstellen, in die man nach dem Konzert seinen „Eintrittspreis“ (bzw. Austrittspreis) nach eigenem Ermessen spenden kann. 

Das Konzert bildet den Abschluss der Spendenaktion „Wir helfen“ des Märkischen Medienhauses, der Lausitzer Rundschau und des Landkreis MOL.

Wegen der nach wie vor bestehenden Corona-Auflagen werden alle Besucher namentlich und mit Tel. oder E-Mail-Adresse (zwecks Nachverfolgung) erfasst. Anmeldungen für das Konzert unter sekretariat@bsof.de oder unter Tel. 0335 552-7300 oder 0335 552-7319.