Steve Hackett in Berlin 2025
: Genesis-Gitarrist blickt in der Uber Eats Music Hall zurück

Viele Musiker nennen ihn als Vorbild: Steve Hackett spielt in Berlin Songs vom Kultalbum „The Lamb Lies Down on Broadway“. Jetzt startet der Vorverkauf.
Von
Boris Kruse
Berlin
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Einzelgänger der Rockmusik: Steve Hackett behauptet sich seit seinem Genesis-Ausstieg vor fast einem halben Jahrhundert beharrlich mit einer eigenwilligen Nischenmusik zwischen Progressive-Rock, Neo-Klassik, Ambient-Klängen und atmosphärischen, an Filmmusik erinnernden Klangcollagen. Er gilt als Innovstor von Spieltechniken auf der E-Gitarre wie auch der Konzertgitarre.

Einzelgänger der Rockmusik: Steve Hackett behauptet sich seit seinem Genesis-Ausstieg vor fast einem halben Jahrhundert beharrlich in einer eigenwilligen Nische zwischen Progressive-Rock, Neo-Klassik, Ambient und Filmmusik-artigen Klangcollagen. Er gilt als Innovator von Spieltechniken auf der E-Gitarre wie auch der Konzertgitarre.

Michaela Ix
  • Steve Hackett spielt am 8. Mai 2025 in der Uber Eats Music Hall in Berlin.
  • Er performt Songs vom Album "The Lamb Lies Down on Broadway" und Genesis-Klassiker.
  • Hackett, ein früherer Genesis-Gitarrist, ist bekannt für innovative Gitarrentechniken.
  • Tickets sind ab dem 1. November 2024 erhältlich.
  • Hackett bleibt mit seiner Musik auch nach Jahrzehnten relevant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er ist schon eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen Rockmusik. Eine Randfigur mit einer unwahrscheinlichen Karriere. Denn Steve Hacketts Songs sind sperrig und komplex, sie haben seltsame Melodien und klingen oft exotisch. In einer Zeit, in der Streaming das Musikgeschäft dominiert, verkauft er immer noch verhältnismäßig viele physische Tonträger an eine eingefleischte Fangemeinde. Wenn er in den großen Städten überall in Europa gastiert, dann füllt er dort verlässlich Hallen mit 2000 bis 3000 Plätzen.

Und das in schöner Regelmäßigkeit. In der Uber Eats Music Hall (damals noch Verti Music Hall) hat der britische Progressive-Rocker Hackett zuletzt im März 2022 gespielt – parallel zu seiner alten Band Genesis, die auf ihrer Abschiedstournee zwei Konzerte direkt nebenan in der Uber Arena (damals noch Mercedes-Benz-Arena) gaben, ob Zufall oder nicht. Manche Karrieren und Verbindungen dauern gefühlt eben ewig an.

Alle Jahre wieder: „Genesis Revisited“

Hackett hatte Genesis bereits 1977 verlassen, weil er sich mit seinen eigenen Song-Ideen in der Band nur selten durchsetzen konnte. Aber so, wie sich ihre Wege 2022 noch einmal (und auch davor schon häufiger) kreuzten, so blieb Hackett der Musik seiner Ex-Band über Jahre hinweg verbunden, durch zahlreiche „Genesis Revisited“-Konzertprogramme und entsprechende Alben mit Neueinspielungen von Genesis-Songs.

Jetzt ist also mal wieder Berlin dran im prallvollen Terminkalender des 1950 geborenen Steve Hackett. Ihm zur Seite stehen sein langjähriger Keyboarder Roger King, der Saxofonist und Flötist Rob Townsend und Bassist Jonas Reingold. Viele der Stücke von seinen Solo-Alben singt Steve Hackett, der über eine eher dünne Stimme verfügt, selbst. Bei den alten Genesis-Songs übernimmt seit einigen Jahren der US-Amerikaner Nad Sylvan das Mikrofon. Neu an Bord ist Schlagzeuger Felix Lehrman, der in Hacketts Begleitband Craig Blundell ersetzt.

Eine surrealistische Rockoper nach Peter Gabriel

Auf Hacketts aktueller Tour stehen Songs von 1974 im Mittelpunkt. Auf dem Doppelalbum „The Lamb Lies Down on Broadway“ erzählten Genesis die Geschichte eines armen Einwanderers aus Puerto Rico in New York. Die Geschichte, die der damalige Genesis-Sänger Peter Gabriel sich ausgedacht hatte, greift erkennbar Motive aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein auf, arbeitet allerdings mit surrealen erzählerischen Mitteln.

Der Schlagzeuger und spätere Frontmann Phil Collins gestand später in einem Interview, dass er die komplexe Handlung seines Kollegen Gabriel nie so richtig verstanden hatte. Die Musik hatten damals übrigens überwiegend er und die anderen Instrumentalisten Tony Banks, Mike Rutherford und eben Steve Hackett komponiert.

Im Laufe des Konzertabends spielt Steve Hackett gemäß Ankündigung aber auch weitere Genesis-Klassiker aus seiner Zeit mit der Band, die von 1971 bis 1977 währte. Außerdem einige Stücke aus seiner langen und extrem produktiven Solokarriere. Je nach Zählweise veröffentlichte Hackett bis heute um die 30 Alben, sowohl mit Begleitbands als auch mit Orchester-Begleitung und komplett solo mit seiner Konzertgitarre. Daneben mehrere Live-Alben.

Was macht Steve Hackett zu einem besonderen Gitarristen?

Für wichtige Gitarristen der Rockmusik war der gebürtige Londoner ein wichtiger Einfluss. Unter anderem betonte Queen-Gitarrist Brian May wiederholt, wie sehr ihn Hackett geprägt habe. Ein weiterer Rockmusiker, dessen Karriere ohne Steve Hackett nicht denkbar gewesen wäre, war Eddie Van Halen (1955-2020).

Denn Hackett erfand quasi im Alleingang bereits zu Beginn der 1970er-Jahre das sogenannte Two-Hand-Tapping. Bei dieser Spieltechnik drücken nicht nur die Finger der Griffhand die Saiten, sondern auch die der anderen. Durch Van Halen wurde das ab Ende der 1970er-Jahre im Hardrock-Kontext beliebt.

Eine weitere spieltechnische Besonderheit von Hackett ist, dass er auf seinem elektrisch verstärkten Instrument bevorzugt Melodiebögen mit lange nachklingenden Tönen („Sustain“) und kunstvollen Tonhöhenverschiebungen („Bendings“) spielt, zu hören zum Beispiel im Solo des Genesis-Klassikers „Firth Of Fifth“.

Von Hardrock über Weltmusik und Neo-Klassik zur TUI-Werbung

Steve Hackett komponierte auch anspruchsvolle Neo-Klassik-Werke für die Konzertgitarre, die von der Romantik, von Renaissance- und Barockmusik sowie vom Flamenco inspiriert sind.

Gemeinsam mit seinem Bruder John Hackett veröffentlichte er im Jahr 2000 das Album „Sketches of Satie“, auf dem Einspielungen der Klavierwerke von Erik Satie (1866-1925) für Flöte und Gitarre versammelt sind. Und Hackett ließ sich immer wieder von der Literatur zu Musik inspirieren, so etwa auf „A Midsummer Night`s Dream“ (1997) von William Shakespeare.

Daneben veröffentlicht Hackett bis heute auch weiter neue Rockmusik mit Weltmusik-Elementen, für die er sich zum Beispiel in den musikalischen Kulturen Asiens oder der Maghreb-Länder bedient. Zuletzt etwa „Surrender of Silence“ (2021) und „The Circus and the Nightwale“ (2024).

Und noch eine ganz andere Facette seines Werkes: Ältere Fernsehzuschauer kennen eine Melodie von Hackett noch durch die Werbespots des Reiseunternehmens TUI. Deren Erkennungsmelodie mit dem Titel „Timeless“ hat Steve Hacket Anfang der 1990er-Jahre ebenfalls komponiert.

Steve Hackett: „Genesis Greats, Lamb Highlights & Solo“, live in der Uber Eats Music Hall, Berlin-Friedrichshain, Donnerstag (8. Mai 2025), Tickets ab 1.11.2024 unter anderem über das Portal PRK DreamHaus