Tatort aus Berlin: Abschied von Corinna Harfouch sorgt für emotionale Momente

Abschied vom Berliner „Tatort“: Die Schauspielerin Corinna Harfouch kommt zur Preview des Krimis „Tatort: Gefahrengebiet“.
Jens Kalaene/dpa- Corinna Harfouch steigt nach sechs Berliner Tatorten aus; Rolle: Susanne Bonard.
- Letzte Folge „Gefahrengebiet“ spielt im Grunewald; Thema: Survivalisten/Prepper.
- Ausstrahlung: Das Erste zeigt „Gefahrengebiet“ am 1. Februar ab 20.15 Uhr.
- Krimi fokussiert stärker auf die Kommissare; klassische Spannung teils abgeschwächt.
- Nachfolge von Bonard unklar; Mark Waschke ermittelt einen Fall solo.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Keine Sorge, ich bleibe nur für diesen einen Fall“, hatte Susanne Bonard im „Tatort: Nichts als die Wahrheit“ 2023 ihren Kollegen im Polizeirevier zugerufen. Am Ende sind es doch mehr geworden. Nach insgesamt sechs Filmen verabschiedete sich Corinna Harfouch im Berliner Delphi-Filmpalast von ihrer Rolle als Dozentin der Polizeiakademie, die doch wieder in der aktiven Ermittlungsarbeit landet.
„Gefahrengebiet“ heißt die letzte Folge des RBB-„Tatorts“, in der Bonard an der Seite von Robert Karow (Mark Waschke) vor allem in den Wäldern Berlins unterwegs ist. Das Erste zeigt „Gefahrengebiet“ am 1. Februar ab 20.15 Uhr.
Die künftig getrennten Wege sorgten auch bei der Filmpremiere vor Publikum für manchen Kloß im Hals: Das liegt zum einen am Inhalt um die bizarre Welt der Survivalisten und Prepper, die Regisseurin und Drehbuchautorin Mira Thiel eingefangen hat.
Vor gut dreieinhalb Jahren hatten die Arbeiten am Buch zu „Gefahrengebiet“ begonnen. „Ich hatte Angst, dass mich die Realität überholt, und das hat sie ja auch in gewisser Weise“, sagte Thiel nach der Premiere. Private Bunker würden heute schließlich schon im Baumarkt-Katalog angeboten.
Corinna Harfouch - Ausnahmeschauspielerin im Hintergrund
Zum anderen liegt es an der Ausnahmeschauspielerin Corinna Harfouch, die an diesem Abend wie stets eher bescheiden im Hintergrund blieb. „Es macht mich sehr glücklich, dass wir die Arbeit so beenden“, sagte sie. RBB-Filmchefin Kerstin Freels ergänzte, Harfouch habe „die Figuren dieser Filme an die Hand genommen, dafür gesorgt, dass randständige Protagonisten plötzlich ganz vorn waren und so Menschen, die nicht im Mittelpunkt stehen, eine Stimme bekamen“.
Mark Waschke sagte, er und Harfouch seien „gemeinsam in und an den Geschichten, die wir uns erzählen“, gewachsen: „Und diejenigen, die uns dabei zuschauen, sind jedes Mal aufs Neue eingeladen, sich davon infizieren zu lassen.“ Daher sei er Harfouch dankbar, „mit dir zusammen nicht einsam, sondern zweisam gewesen zu sein, bei der Ausübung unserer öffentlich-rechtlichen, dienstlichen und doch auch so persönlichen Pflicht als Tatortkommissare“. Und er dichtete zum Schluss: „Ich kann es nicht verhehlen, du wirst mir durchaus fehlen. Aber tada, tada, tada, du bist und bleibst ja da!“ Oder wie Moderator Knud Elstermann sagte: „Nur die Figur geht zu Neuem - die großartige Schauspielerin niemals“.
Abschied vom Tatort nach 6 Folgen
Dass Corinna Harfouch mit dem Berliner „Tatort“ nicht alt werden möchte, war schon bekannt. Ganz so leicht fällt ihrer Rolle Susanne Bonard der Abschied vom Ermittler-Team aber nicht. Lange scheint es im neuen Fall „Gefahrengebiet“ sogar so zu sein, als müsse Kollege Robert Karow (Mark Waschke) alleine ermitteln, während Bonard in eine kleine Sinnkrise stürzt.
Davor zieht es die Mordermittler aber zunächst an den grünen Stadtrand Berlins in den Grunewald, denn dort wurde ein Obdachloser mit Bissspuren tot aufgefunden. Während sich eine Augenzeugin sicher ist, eine freilaufende Wölfin am Tatort gesehen zu haben, bleibt Kommissar Karow skeptisch. War tatsächlich ein Tier Schuld am Tod des Mannes?
Bonard hingegen wirkt in ihrer letzten Arbeitswoche gedankenverloren. Als das Duo im Wald auf ein Überlebenstraining stößt, schließt sich die Ermittlerin kurzerhand der Wildnislehrerin (Anne Ratte-Polle) an, ohne Handy und Dienstwaffe. Zur Fassungslosigkeit ihres Kollegen - schließlich hänge die Survivaltour offensichtlich nicht mit dem Tatort zusammen. Karow: „Sie wollen doch nicht etwa zurück zu denen, oder?“. Bonard: „Sekt und Schnittchen, das ist nichts für mich“. Den Fall löse er auch ohne sie.
Ganz so einfach ist es letztlich nicht. Denn der Tod des Obdachlosen entpuppt sich als Mord. Bonard und Karow lernen unabhängig voneinander die Welt von Preppern kennen, die sich auf allerlei Katastrophen vorbereiten, darunter der Wanderer Noah Farrell (Nils Kahnwald).
Harfouch und Waschke ermitteln getrennt
„Gefahrengebiet“ von Mira Thiel (Drehbuch und Regie) stellt die persönliche Entwicklung der Kommissare mehr in den Vordergrund als den eigentlichen Mordfall. Atmosphärisch erzählt der Krimi von Gegensätzen: Während sich der sonst so schroffe Karow von einer verletzlichen Seite zeigt und (vergnügliche) Ablenkung in der Großstadt sucht, hinterfragt Bonard in der ruhigen Natur ihr Berufsleben.
Allerdings schwächt der Fokus auf das Private die Spannung des Falls stellenweise ab. Einige Szenen wirken langatmig, etwa die Ausflüge in die „Wildnis“. Wer auf klassische Krimi-Spannung hofft, sollte sich dieses Mal eher auf introspektive Momente einstellen.
Wie bereits die Vorgänger greift der Berliner „Tatort“ erneut politische und gesellschaftliche Themen auf. Welches Verhältnis haben Mensch und Natur? Wie sollte man sich auf einen Katastrophenfall vorbereiten – und ist Deutschland dafür gewappnet? Gerade nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar wirken diese Fragen besonders aktuell.
Und noch eine Frage stellt sich mit Blick auf die Zukunft des „Tatorts“ in der Hauptstadt: Wie geht es weiter? Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte mit Harfouch insgesamt sechs „Tatort“-Episoden vereinbart. Das war auch der Schauspielerin klar, wie sie mal der „Augsburger Allgemeinen“ sagte: „Es wäre ja auch absurd, wenn ich mit 75 immer noch „Tatort“-Kommissarin wäre und im Rollstuhl die Verbrecher jage“. Wer ihre Nachfolge übernimmt, steht bislang nicht fest. Klar ist, dass Waschke als Karow einen Fall solo ermitteln soll. (dpa/kna)


