Theater in Frankfurt (Oder)
: Was das Kleist-Forum mit Südafrika zu tun hat

Sophie Rois, Alexander Scheer, Dominique Horwitz und Boris Aljinovic – warum so viele Stars gern nach Frankfurt (Oder) kommen und was 2025/26 zu erwarten ist.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Bürgermeister Claus Junghanns und Florian Vogel, künstlerischer Leiter des Kleist-Forums, bei der Vorstellung der Spielzeit 2025/26

Bürgermeister Claus Junghanns (l.) und Florian Vogel, künstlerischer Leiter des Kleist-Forums, bei der Vorstellung der Spielzeit 2025/26 in Frankfurt (Oder).

Christina Tilmann
  • Kleist-Forum Frankfurt (Oder) begeistert mit internationalen Produktionen und Stars wie Sophie Rois.
  • Erfolgsstück „Die Seele am Faden“ startete hier und tourt weltweit, Preise inklusive.
  • Highlight 2025: Südafrikanische „Faust“-Version von Regisseur Brett Bailey.
  • 25 Jahre Kleist-Forum 2026 – gefeiert mit Mummenschanz und weiteren Events.
  • Neue Projekte: Konzerte für Demenzkranke und erweiterte Kooperationen mit Künstlern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Einen „Gänsehaut“-Moment gab es am Montagabend in Hamburg: Da gastierte der Tänzer Friedemann Vogel mit seinem Kleist-Soloabend „Die Seele am Faden“ in der Hamburger Staatsoper. Ein schmaler, zerbrechlicher Mensch im leeren, dunklen Bühnenraum – und 1700 Zuschauer, die ihn nach Ende der einstündigen Performance begeistert und frenetisch feiern. „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, erzählt Florian Vogel, der den Abend gemeinsam mit seinem Bruder Friedemann entwickelt hat. „Direkt nach dem Black am Schluss standen alle auf, wie ein Mann, und jubelten.“

Was in Hamburg 1700 Menschen begeistert, hat in Frankfurt (Oder) begonnen – vor 120 Zuschauern, auf der Hinterbühne des Kleist-Forums, im Februar 2024. Stolz zeigt Vogel, der künstlerische Leiter des Kleist-Forums, das Programmbuch der Hamburger Staatsoper, wo es in der Ankündigung heißt: „Wir danken dem Kleist-Forum Frankfurt (Oder). Die Produktion ist inzwischen in alle Welt gereist und wurde mehrfach preisgekrönt. Auch in Frankfurt soll sie in der kommenden Spielzeit wieder zu sehen sein, die Termine stehen allerdings noch nicht fest.

Bessere kulturelle Botschafter für die Stadt könne es nicht geben, freut sich auch Bürgermeister Claus Junghanns über den Erfolg „seines“ Theaters. Und dass Stars wie Sophie Rois, Alexander Scheer, Dominique Horwitz oder Boris Aljinovic regelmäßig gern zurückkommen an die Oder, spricht für die Stadt – und für die professionelle künstlerische und technische Betreuung am Kleist-Forum. „Wir haben zwar kein Ensemble mehr“, bedauert auch Florian Vogel, „aber wir haben das Theater wieder zu einer festen Größe in der Stadt gemacht“. Man kann es auch bodenständiger formulieren, wie Claus Junghanns: „Das Kleist-Forum ist das Wohnzimmer der Stadt Frankfurt (Oder)“, so der Bürgermeister.

Kleist-Forum in Frankfurt (Oder): Koproduktionen bis nach Südafrika

So kann das Haus mit 42.000 Besuchern bei den Theateraufführungen, mehr als 200 Vorstellungen und 1000 Künstlern aus aller Welt auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Und will den Weg der erfolgreichen Ko- und Eigenproduktionen weitergehen – das sei die Zukunft des Theaters, so Vogel. Produktionen allein zu stemmen, könnten sich die wenigsten Häuser noch leisten. Erst recht nicht, wenn es internationale Produktionen sind, wie sie auch in Frankfurt zu erleben sein werden, wenn Regisseur Brett Bailey mit seiner südafrikanischen Truppe an die Oder kommt, um eine neue X-Version des „Faust“ zu präsentieren, die sich an den starken Männern der heutigen Zeit abarbeitet.

Präsentiert seine Version der "Fledermaus": Boris Alijinovic

Kleist-Forum in Frankfurt (Oder): Boris Alijinovic präsentiert seine Version der „Fledermaus“.

Oliver Look

Wie gut, dass viele Stars die Bühne in Frankfurt (Oder) inzwischen gern nutzen, um neue Produktionen erst einmal auszutesten, bevor man damit an die größere Berliner Öffentlichkeit geht. So zum Beispiel Sophie Rois. Der Volksbühnen-Star ist regelmäßig in Frankfurt (Oder) zu erleben - in der kommenden Spielzeit mit einer Phädra-Adaption gemeinsam mit Campbell Caspari. Boris Aljinovic nimmt sich zum Abschluss des Strauss-Jahres humoristisch „Die Fledermaus“ vor, Poetry-Slammer und MOZ-Talk-Moderator David Friedrich beschäftigt sich mit Kleists „Zerbrochenen Krug“. Und Alexander Scheer kommt mit einer erweiterten Version seines David-Bowie-Abends zurück, den er 2022 im Rahmen der Kleist-Festtage schon einmal hier präsentierte.

Doch nicht nur große Kunst gibt es im Kleist-Forum zu erleben – das Haus erfüllt seine Funktion des „Wohnzimmers“ auch auf andere Weise. Etwa beim Sonntagsabo, das Besucherinnen und Besucher aus dem Umland zu Kaffee und Kuchen plus Kunst ins Haus lockt. Oder bei einem besonderen Projekt, das Florian Vogel gemeinsam mit der Alzheimer-Stiftung auflegen möchte: Konzerte für demenzkranke Menschen, die gemeinsam mit ihren Angehörigen einen festlichen Nachmittag mit Singen und Tanzen erleben sollen. Und überhaupt sei das Haus proppevoll, so Vogel: Durch die sanierungsbedingte Schließung der Konzertkirche habe man auch das Brandenburgische Staatsorchester regelmäßiger im Haus - zum Beispiel mit einem Konzert des künftigen Generalmusikdirektors Felix Mildenberger am 27. März 2026.

Und dann wird im Frühjahr auch noch 25 Jahre Kleist-Forum gefeiert - mit einer Aufführung der Schweizer Gruppe Mummenschanz, die seit 50 Jahren mit ihrem „visuellen Theater“ tourt, das ohne Worte und für Groß und Klein funktioniert.

Spielzeitstart ist am 13. September mit einem großen Theaterfest mit der Breakdance-Gruppe Flying Steps, dem Berliner Improvisationstheater Gorillas - und der neuen Trendsportart Rudelsingen.

Infos, Tickets und Programm: www.kleistforum.de