Theatertreffen in Berlin 2024: Leiterin Nora Hertlein-Hull präsentiert ihr erstes Programm

Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Theatertreffens der Berliner Festspiele
Hannes P. Albert/dpaGroße Anerkennung für ein Theaterhaus im Berliner Westen: Gleich zweimal ist die Schaubühne am Lehniner Platz in Charlottenburg beim diesjährigen Theatertreffen vertreten, das vom 2. bis 19. Mai in der Bundeshauptstadt stattfindet. Auf die Liste der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des zurückliegenden Jahres schafften es sowohl „Bucket List“ von Yael Ronen und Shlomi Shaban (Regie: ebenfalls Yael Ronen) als auch „The Silence“ (Autor und Regisseur: Falk Richter).
Das gab die neue künstlerische Leiterin der alljährlichen Zehnerauswahl, Nora Hertlein-Hull, bei der Programmvorstellung am 26. Januar im Haus der Festspiele bekannt. Die neue Kuratorin freut sich über eine bunte geographische Verteilung der Produktionen, denen die Jury eine Einladung aussprach. Vertreten sind außerdem zum Beispiel das Schauspielhaus in Bochum, die Salzburger Festspiele, die Kammerspiele München und das Schauspielhaus in Hamburg. Erstmals vertreten in der 60 Jahre alten Tradition des Theatertreffens (die Geschichte beginnt im Jahr 1964) sind das Theaterhaus Jena (Inszenierung: „Die Hundekot-Attacke“ über einen Theaterskandal in Hannover) und das Staatstheater Nürnberg (Stück „Übergewicht, unwichtig: Unform“, frei nach Werner Schwab).

Nora Hertlein-Hull (M.), Leiterin des Theatertreffens der Berliner Festspiele, spricht auf der Pressekonferenz. Hertlein-Hull und die Theatertreffen-Jury werden auf der Pressekonferenz die Auswahl der zehn Inszenierungen bekanntgeben, die für eine Einladung zum diesjährigen Theatertreffen nominiert sind.
Hannes P. Albert/dpaDie siebenköpfige Jury hat im Verlauf eines Jahres insgesamt 960 Stücke im gesamten deutschsprachigen Raum gesichtet. 43 Inszenierungen hätten es auf die Liste geschafft, die in dem Gremium schließlich heiß diskutiert worden sei.
Neue Leiterin will Bewährtes bewahren
Nora Hertlein-Hull, geboren 1982 in Österreich, blickt auf eine jahrelange Erfahrung in unterschiedlichen Positionen des internationalen Theaterbetriebes zurück. Nach einem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Romanistik führte sie unter anderem beim Nature Theater of Oklahoma (New York) Regie und arbeitete für die Salzburger Festspiele sowie für die Schaubühne in Berlin. Derzeit verantwortet sie in Hamburg für das Thalia Theater noch parallel die gerade laufenden Lessing-Tage.
Hertlein-Hull sieht in der diesjährigen Auswahl der Stücke „starke ästhetische Setzungen“ und „mitreißende, inklusive Ensemblearbeiten“. Andererseits seien auch große Bühnenstars zu erleben, wenn das Treffen am 2. Mai in Berlin beginnt.
Berliner Festspiele fördern „Green Ambassadors“ für Bühnen
Wesentliche Elemente aus dem Rahmenprogramm des Theatertreffens will Nora Hertlein-Hull fortführen: „Diese stärker zu vernetzen ist eine Aufgabe für das nächste Theatertreffen.“ So gibt es ein „Internationales Forum“, das Kollaborationen im Bereich des Theaters anstoßen soll, und eine Nachhaltigkeitskampagne für Bühnenhäuser mit dem Titel „Green Ambassadors“.
Auch die drei traditionell im Rahmen des Theatertreffens vergebenen Preise werden erneut ausgelobt: ein mit 20.000 Euro dotierter Preis der Stiftung Preußische Seehandlung, der 5000 Euro schwere Alfred-Kerr-Preis für Nachwuchs-Darstellerinnen und -Darsteller sowie der 3sat-Preis (10.000 Euro).

Das vorherige Leitungsteam des Theatertreffens, bestehend aus Marta Hewelt (v. l.), Joanna Nuckowska, Olena Apchel und Carolin Hochleichter hatte sich im vergangenen Jahr schon bei seinem Debüt in der Leitungsposition zerstritten. Jetzt folgt die gebürtige Österreicherin Nora Hertlein-Hull nach.
Annette RiedlNach einem Experiment im Jahr 2023, als vier Kuratorinnen das Theatertreffen gemeinsam leiten sollten, kehren die veranstaltenden Berliner Festspiele unter der Leitung des Intendanten Matthias Pees nun zum bewährten Modell einer alleinigen künstlerischen Leiterin zurück. Das Team des Jahres 2023 hatte sich rasch im Streit selbst zerlegt.
Programm und Info:www.berlinerfestspiele.de

