Theatertreffen in Berlin 2026: Was man vom „Leoparden“ für heute lernen kann

Das Alte und das Neue: Der "Leopard", Don Fabrizio Fürst von Salina, beim berühmten Tanz mit der schönen Aufsteigerin Angelica. Die Theatefassung von Lampedusas Roman aus dem Schauspielhaus Zürich eröffnete das Theatertreffen 2026 in Berlin.
Krafft Angerer- Theatertreffen eröffnete mit „Der Leopard“ aus dem Schauspielhaus Zürich in Berlin.
- Intendant Matthias Pees setzt auf Gelassenheit, nennt jedoch vielfältige kulturpolitische Probleme.
- Inszenierung zeigt Glanz und Verfall – Fokus auf Tradition statt Zukunft des Theaters.
- Markus Scheumann spielt Don Fabrizio; der Tanz mit Angelica bildet einen Höhepunkt.
- Aufführungen bei 3sat online und am 16. Mai im Fernsehen, weitere Stücke sind angekündigt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gelassenheit will Matthias Pees, der Intendant der Berliner Festspiele, als Motto der Zeit ausgeben. Angesichts der vielfältigen kulturpolitischen Probleme ein so überraschendes wie selbstbewusstes Motto.
Peers lässt es sich nicht nehmen, die Bedrohungen der Theaterlandschaft aufzuzählen - dass die AfD im benachbarten Sachsen-Anhalt für ein patriotisches Kulturverständnis aufrüstet, dass in Osnabrück ein Stück gecancelt wurde, das die Verfehlungen der katholischen Kirche thematisierte, dass in Magdeburg Bürger gegen das Theater mobil machen, weil es den Amoklauf auf dem Weihnachtsmarkt 2024 zum Thema einer Inszenierung machen wollte ... und da hat man von den aktuellen kulturpolitischen Problemen wie einem Kulturstaatsminister, der gegen unabhängige Juryarbeit vorgeht, und einer Berliner Kultursenatorin, die wegen einer Fördermittelaffäre zurücktreten musste, noch gar nicht gesprochen.
An kulturpolitischer Prominenz lässt sich bei der Eröffnung des Theatertreffens im Haus der Berliner Festspiele denn auch allein Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sehen. Sie hat mit zwei Einladungen an die Häuser in Cottbus und Brandenburg in diesem Jahr auch Grund zur Freude. Und doch hätte man zumindest den frisch gebackenen Berliner Interims-Kultursenator gern hier gesehen, als Zeichen, dass es ihm ernst ist mit dem Bekenntnis zur Kultur.
Gelassenheit, das könnte die heutige Zeit auch von Don Fabrizio Fürst von Salina lernen, dem „Leoparden“, der in der Theaterfassung von Lampedusas berühmtem Roman das diesjährige Branchentreffen in Berlin eröffnet.
„Damit alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern“
Markus Scheumann gibt den müden Helden, der erkennen muss, dass seine Zeit vorbei ist und im Italien des Risorgimento Emporkömmlinge wie der windige Dorfbürgermeister Don Calogero Saldara (Alexander Angeletta) das Sagen haben.
Der berühmte Ausspruch: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es war, dann muss sich alles ändern“ könnte in Zeiten eines umfassenden Strukturwandels als zynische Anweisung zum Machterhalt gelesen werden - oder als Erkenntnis, dass es so, wie es ist, nicht bleiben kann und die müden Machthaber sich doch bitte endlich mal bewegen mögen.
Markus Scheumann absolviert den Part, der wahrscheinlich für immer mit der Gestalt Burt Lancasters in Luchino Viscontis berühmter Verfilmung von 1963 verbunden bleiben wird, mit Grandezza: der lange Tanz mit Angelina, der schönen Tochter des Bürgermeisters, ist auch in der Züricher Fassung ein Höhepunkt, zwischen Anziehung, Ermüdung - und, ja, Gelassenheit.
Und doch kann die Inszenierung von Pinar Karabulut die Mär vom alten Womanizer, der auch zu Zeiten der Besetzung Palermos mit seinem Beichtvater Pater Pirrone ins Bordell fährt und sich in seinen letzten Atemzügen noch der einen oder anderen erotischen Begegnung erinnert, nicht so stehenlassen.
Concetta, die Tochter des Fürsten, in der Interpretation von Sophia Mercedes Burtscher der eigentliche Kraftpol des Abends, wischt ihn mit einem einzigen, letzten, gnadenlosen Satz hinweg: der mottenzerfressene, verstaubte Hund, den sie wegwerfen lässt, ist nicht nur das ausgestopfte Lieblingstier des Vaters. Es ist auch dieser selbst, der gemeint ist.
So ist der prachtvolle, vierstündige Abend im Haus der Berliner Festspiele denn auch eher eine Feier dessen, was das Theater traditionell kann, als eine Vision, wie es künftig sein wird. Das in drei Ebenen gestaffelte Bühnenbild von Michela Flück, das sich in der Pause auch vom Publikum erforschen lässt, zeigt Glanz und Verfall des Fürstenpalasts, die Kostüme von Sara Valentina Giancare evozieren mit Reifröcken und elegantem Frack den Splendor des 19. Jahrhunderts, und auch Angelicas erotische Provokationen halten sich sehr im gesellschaftlichen Rahmen.
Der hellsichtigen Erzählung, die Giuseppe Tomasi di Lampedusa schon 1958 als Abgesang auf eine vergangene Epoche vorlegte, fügt der Abend nichts hinzu. Außer dem leichten Bedauern, dass es so schön, wie es war, niemals wieder werden wird.
Das Theatertreffen 2026 findet bis 17. Mai in Berlin statt. Programm und Tickets unter www.berlinerfestspiele.de. Wer die Theaterfassung von „Der Leopard“ sehen will, kann sie online bei 3sat und am 16. Mai im Fernsehen schauen. Der Sender zeigt auch noch andere Inszenierungen des Theatertreffens: „Mephisto“, „Fräulein Else“ und „Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen“.



Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson:'/%3e%3cpath%20fill='%2300a2ca'%20fill-rule='nonzero'%20d='M55.9851361%206.04040555h-5.7611779c-4.4117128%200-8.04488805%203.63317525-8.04488805%208.04488806%200%204.4117128%203.63317525%208.04488805%208.04488805%208.04488805%204.4117128%200%208.04488806-3.63317525%208.04488806-8.04488805V8.3241157c0-1.24566009-1.03805008-2.28371016-2.28371016-2.28371016Zm-2.64702768%209.03103562h-2.12800265v2.12800265c0%20.51902504-.46712253.93424506-.98614757.93424506s-.98614757-.41522002-.98614757-.93424506v-2.12800265H47.109808c-.51902504%200-.93424507-.46712253-.93424507-.98614756%200-.51902504.41522003-.98614757.93424507-.98614757h2.12800264v-2.12800265c0-.51902504.46712253-.93424506.98614757-.93424506s.98614757.41522002.98614757.93424506v2.12800265h2.12800265c.51902503%200%20.93424506.46712253.93424506.98614757%200%20.51902503-.41522003.98614756-.93424506.98614756Z'/%3e%3cpath%20fill-rule='nonzero'%20d='m12.4389356%208.99884825%202.28371015%207.0587405%202.28371016-7.0587405h3.21795522v10.1728907h-2.43941767V16.7842238l.25951252-4.87883534-2.43941767%207.2663505H13.9441082l-2.49132018-7.2663505.25951252%204.87883534v2.38751517H9.22098037V8.99884826h3.21795522Zm17.90636373%205.29405537c0%20.98614757-.15570751%201.86849013-.57092754%202.64702768-.36331753.77853756-.88234256%201.3494651-1.5570751%201.76468512-.67473256.41522003-1.4532701.62283005-2.33561267.62283005-.88234256%200-1.60897761-.20761002-2.28371016-.62283005-.67473254-.41522002-1.19375758-.98614756-1.5570751-1.71278261-.36331753-.72663505-.57092754-1.60897762-.62283005-2.54322268v-.57092754c0-.98614757.15570751-1.86849013.57092754-2.64702768.41522003-.77853756.88234256-1.3494651%201.5570751-1.76468512.67473256-.41522003%201.4532701-.62283005%202.33561267-.62283005.83044006%200%201.60897761.20761002%202.28371016.62283005.67473254.41522002%201.19375758.98614756%201.5570751%201.76468512.36331753.72663505.57092754%201.6089776.57092754%202.59512518l.0519025.46712253Zm-2.49132017-.41522003c0-.98614757-.15570751-1.76468512-.51902504-2.28371016-.36331753-.51902503-.83044006-.77853755-1.4532701-.77853755-1.24566009%200-1.86849013.93424506-1.97229514%202.75083269v.72663505c0%20.98614757.15570751%201.76468512.51902504%202.28371016.31141502.51902503.83044006.77853755%201.4532701.77853755.62283004%200%201.08995257-.25951252%201.4013676-.77853755.31141502-.51902504.51902503-1.2975626.51902503-2.28371016v-.41522003h.0519025Zm6.38400794%203.37366273h4.87883533v1.86849013h-7.99298555v-1.29756259l4.82693284-7.00683798h-4.87883534V8.99884825h7.88918054v1.24566009l-4.72312782%207.00683798Z'/%3e%3c/svg%3e)
Bitte in Berlin mehr nach Regeln spielen!
Rücktritt in Berlin: Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) geht nach Kritik des Rechnungshofs an Fördervergaben. Der Fall wirft Fragen zur Kulturpolitik der CDU auf.