Tokio Hotel in Berlin: Ein fliegender Bill und eine Überraschung namens Nina Chuba

Sänger Bill Kaulitz (hier bei einem Auftritt 2025) sorgt mit seiner Band Tokio Hotel beim Konzert in der Uber Arena Berlin für Party-Stimmung.
Friso Gentsch/dpa- Tokio Hotel feiern in der Uber Arena Berlin eine opulente Pop‑Show mit Hightech-Effekten.
- Bill Kaulitz schwebt zum Opener ein, wechselt mehrfach Outfits und reitet auf einer Champagnerflasche.
- Setlist reicht von frühen Songs bis heute, mit Fokus auf „Encore“ und „Humanoid“ sowie Covern.
- Nina Chuba erscheint bei „Fata Morgana“ aus dem Bühnenboden – Kreischalarm im Publikum.
- Finale mit „Durch den Monsun“ weckt kollektive Erinnerungen und sorgt für laute Chöre.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Omnipräsent – das Wort beschreibt Tokio Hotel aktuell wohl am besten. Vor allem an den Kaulitz-Zwillingen ist derzeit kein Vorbeikommen. Zu hören sind Bill und Tom in ihrem Podcast, zu sehen in ihrer Netflix-Doku und bald im Öffentlich-Rechtlichen als „Wetten, dass..?“-Moderatoren. Sie betreiben Werbung für Kosmetikkonzerne, Reiseanbieter, Fastfood-Ketten. Wer Fuß in einen Berliner Späti setzt, trifft mitunter auf einen Bill Kaulitz aus Pappe, der fruchtige Brause anpreist.
Bei so viel medialer Dauerbeschallung gerät leicht in Vergessenheit, womit alles einmal angefangen hat: nämlich mit einer Band. Einer Band, wohlgemerkt, die nach wie vor Musik macht. Den Beweis liefert sie an diesem Samstagabend (7. November) in der Berliner Uber Arena. Dort zeigen Tokio Hotel, dass sich ihr Bandsein und die Kunst der Selbstinszenierung keineswegs ausschließen müssen. Im Gegenteil.
In der ausverkauften Hauptstadt-Arena demonstrieren Tokio Hotel, dass auch ein weiteres Wort mit O auf sie zutrifft: opulent. Wie ein extravaganter Pop-Spielplatz mutet ihre aktuelle Arena-Tour an. Und das auffälligste Kind darauf? Klar: Bill Kaulitz. Zum Opener „Shout 2 the Universe“ schwebt der 37-Jährige von oben in die Arena ein. Funkelnd wie eine Planetenkonstellation, mit Absätzen, deren Höhe nurmehr astronomische Einheiten greifen. Es ist das erste von vielen Outfits, deren Strahlkraft selbst den gigantischen Videoscreen in den Schatten stellt.
Tokio Hotel liefern Feuer, Laser und große Gefühle
„Berlin, wie geht’s euch? Schön, dass ihr da seid! Ihr seht wunderschön aus!“, ruft der Sänger seinen Fans zu. „Ich bin so nervös heute, ich hab direkt einen Nagel verloren.“ Grund für solche Nervosität könnte eine Premiere sein: Beim Champagner vor dem Auftritt sei ihnen aufgefallen, so Kaulitz, dass sie in Berlins größter Arena noch nie gespielt haben. Beim Grad an Euphorie, den das Publikum an diesem Abend zeigt, fragt man sich tatsächlich, warum es so lange gedauert hat.
Fehl am Platz wirken Bill, Tom, Georg und Gustav jedenfalls nicht. Die Halle ist vielmehr gerade groß genug für die Show der Marke Tokio Hotel. Egal, ob Licht, Effekte, Animationen – alles ist State of the Art. Songs wie „The Heart Get No Sleep“, „Spring nicht“, die doch ordentlich nach vorne gehen, werden von Feuerfontänen begleitet, die selbst auf den Rängen den Schweiß auf die Stirn treiben. Mal liegt Nebel zwischen den Beinen der vier Musiker, mal schießen Laser über ihren Köpfen hinweg.
Einen Vorgeschmack auf derartige Extravaganzen erhielten Berliner Fans bereits im Sommer 2025, als Tokio Hotel 20 Jahre „Durch den Monsun“ in der Wuhlheide feierten. Ganz so aufwendig wie der Jubiläumsauftritt gerät die Arena-Show zwar nicht. Schließlich lassen sich in einer Halle schlecht Drohnen fliegen oder Feuerwerk zünden. An Entertainment mangelt es dennoch nicht.
Trotzdem gibt es viel zu Bestaunen. Immer wieder schwebt Bill Kaulitz in luftige Höhen. Zur Akustiknummer „Geisterfahrer“ tut er dies gemeinsam mit Tom und Georg, die sonst im breiten Rockstarschritt zu den Rängen gerichtete Laufbänder zu nutzen wissen. Überhaupt gibt es kaum ein Bühnenelement, das sich nicht in irgendeine Himmelsrichtung bewegt.
Besonders laut kreischen Fans bei frühen Tokio Hotel-Songs
Viele der überwiegend weiblichen Fans sind gemeinsam mit der Band erwachsen geworden. Das Kreischen haben sie dennoch nicht verlernt. Von den neu dazugestoßenen Teenies, denen Bill Kaulitz auch heute noch als Stilikone dient, ganz zu schweigen. Textsicherheit ist ebenfalls vorhanden, wie Publikumschöre zur Ballade „World Behind My Wall“ zeigen. Besonders laut wird die Resonanz jedoch bei frühen Songs wie „Rette mich“.
Trotzdem sind sie in Berlin rar. Die Setlist spannt zwar den Bogen von den Anfängen bis heute. Dennoch sind es vor allem das aktuelle Album „Encore“ und die 2009 erschienene Platte „Humanoid“, die besonders prominent vertreten sind. Dazwischen streuen Tokio Hotel Cover wie „Iris“ von den Goo Goo Dolls sowie Kollaborationen wie „Fahr mit mir (4x4)“. Anders als noch beim Wuhlheide-Konzert gibt sich Kraftklub nicht persönlich die Ehre, dafür fährt zu „Fata Morgana“ Nina Chuba zu ohrenbetäubendem Gekreische aus dem Bühnenboden. Von so viel Fanliebe zeigt sich Bill Kaulitz beeindruckt: „Berlin ist immer special! Es fühlt sich an wie zuhause.“
Bill Kaulitz reitet auf Champagnerflasche
Gemeinsam mit ihren Fans feiern Tokio Hotel in der Hauptstadt eine extravagante Party. Und als hätte diese Party noch einer greifbaren Metapher bedurft, reitet Frontmann Bill zu den Beats „Dogs Unleashed“ auf einer gigantischen Champagnerflasche. Unvermeidliches wie unverzichtbares Highlight bleibt jedoch „Durch den Monsun“. Das Finale einer jeden Tokio Hotel-Show holt bei tausenden Fans kollektive Erinnerungen an die eigene Jugend hoch, die sich in Endorphinen und inbrünstigen Chören entladen.
Egal, ob man selbst dabei mitgesungen oder nur staunend beobachtet hat: Wer in Berlin dabei war, weiß, dass Tokio Hotel nicht nur Werbemarke oder Fernsehphänomen sind – Tokio Hotel ist eine Band. Und die spielt verdammt gute Konzerte.


