Von Wegen Lisbeth in Berlin 2025
: So war das erste Konzert in der Columbiahalle

Hattrick in der Hauptstadt! Von Wegen Lisbeth spielen zum Finale ihrer „Supercolor“-Tour gleich drei Konzerte in der Columbiahalle – so war der Auftakt.
Von
Michael Heider
Berlin
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Schließen ihre „Supercolor“-Tour mit drei Konzerten in der Columbiahalle ab: Die Berliner Band Von Wegen Lisbeth

Schließen ihre „Supercolor“-Tour mit drei Konzerten in der Columbiahalle ab: Die Berliner Band Von Wegen Lisbeth

Michael Heider
  • Die Band Von Wegen Lisbeth spielte das erste von drei ausverkauften Konzerten in der Columbiahalle Berlin.
  • Die Konzerte bilden das Finale ihrer „Supercolor“-Tour, die seit Oktober 2025 läuft.
  • Neben bekannten Songs präsentierte die Band neue Stücke aus dem kommenden Album „Strandbad Eldena“.
  • Höhepunkte waren Hits wie „Wenn du tanzt“, „Chérie“ und „Bitch“ in einer abgemilderten Version.
  • Die Band begeistert mit Alltagslyrik, Indie-Pop-Sound und ihrer charmanten Bühnenpräsenz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn die Columbiahalle einen Nachteil hat, ist es ihre Entfernung zum nächsten S-Bahnhof. Ziemlich sicher sind die meisten der 3500 Anwesenden an diesem Donnerstagabend also anderweitig nach Tempelhof gelangt. Doch egal, ob das Transportmittel der Wahl Bus, U-Bahn, Uber oder Fahrrad heißt, alle wissen eines ganz gewiss: Der Fahrstuhl am Westkreuz, der riecht noch immer nach Pisse.

Gleich zu Beginn stimmen Von Wegen Lisbeth ihren nach dem Berliner Verkehrsknotenpunkt benannten Song mit der geruchsintensiven Zeile an. Dass sie mit voller Kraft vom Publikum mitgesungen wird, liegt also weniger an geteilten olfaktorischen Erfahrungswerten, sondern an dem cleveren Reim „Wie doll ich dich vermisse“.

Vor zwei Jahren spielten Von Wegen Lisbeth zuletzt in der Columbiahalle

Offenkundig haben sie sich wirklich doll vermisst, die Band und ihre Fans in Berlin. Das letzte Mal hat man sich in der Indie-Kathedrale in Tempelhof schließlich vor zwei Jahren gesehen. Und so ist das Konzert in der Columbiahalle nur das erste von gleich dreien. Alle sind sie ausverkauft. „Absurd“, nennt es die Band selbst. Der Hattrick in der Hauptstadt bildet für Von Wegen Lisbeth zugleich das Finale ihrer „Supercolor Tour“, auf der sie sich seit Anfang Oktober befinden.

Müde wirken die Fünf allerdings nicht. Zwar ist ihre Bühnenpräsenz seit jeher der Kategorie „gediegen-euphorisch“ zuzuordnen, dass Von Wegen Lisbeth ihr Heimspiel mit sichtbarer und hörbarer Lust begehen, ist aber auch ohne Rampensau-Modus spürbar. Vielleicht liegt es an der riesigen Kugel in Spiegeloptik, die wenige Zentimeter über dem Kopf von Drummer Julian Zschäbitz baumelt und an das Cloud Gate in von Chicago erinnert, die Atmosphäre hat was von Abschlussball.

Überraschend viele Fans dürften Tanzkurs und Schulabschluss zwar noch vor sich haben, getanzt wird in der Columbiahalle trotzdem. Die Palette reicht von schunkelnd-schwingend mit Drink in der Hand zu „L.OST“ über Paartanz bei „Meerschwein“ bis zum Pogo bei „Widersprüche“. Höhepunkte bilden frühe Nummern wie „Chérie“ und „Meine Kneipe“, bei denen textsicher zum Tanz auch jedes Wort mitgesungen wird.

Auch neue Songs spielen Von Wegen Lisbeth

„Normalerweise spielt man eine Tour, nachdem man ein Album rausgebracht hat. Wir machen das anders“, sagt Gitarrist Dominik Zschäbitz. Eine Kostprobe haben sie mit dem locker leichten „Gleichgewicht“ trotzdem schon mal. Auch das träumerisch-waltzerhafte „Mars“ und „Madame Tussauds“ werden Teil von „Strandbad Eldena“ sein, das am 12. Dezember erscheint. In die Berliner Setlist fügt sich das neue Material nahtlos ein. Ihrem Sound bleiben sich Von Wegen Lisbeth treu.

In der Columbiahalle zeigt sich, wie eingängig ihre Lyrics sind. Charmant-lakonische Alltagsbeobachtung lassen sie im deutschen Indie-Pop herausstechen. Und wer, wenn nicht Berlinerinnen und Berliner, können es besser nachvollziehen, wenn Matthias Rohde mit näselnder Stimme von der kleinen Freude singt, im Doppeldecker 104 oben zufällig die erste Reihe nur für sich zu haben. Oder vom Ärger, wenn die oder der Ex die neuen Freunde in die Stammkneipe schleppt. Oder von der Trauer, die man in schwachen Momenten trotzdem verspürt, dass es nun andere Orte sind, wo sich ihr WLAN von selbst verbindet.

Polaroid-Momente gießt Von Wegen Lisbeth in Konzertform

Wunderbar vermeintliche Fahrigkeit, die am Ende trotzdem verdammt nah am eigenen Alltag liegen; tiefgründige, manchmal melancholische Leichtfüßigkeit, beschrieben anhand von Mikro-Momenten – in Berlin zeigt sich, dass Von Wegen Lisbeth damit bei jungen wie alten Fans einen Nerv treffen.

Dass die Band ihre Tour „Supercolor“ getauft hat, ist maximal treffsicher. Der Name erinnert an Polaroids. Schnappschüsse, schnell, direkt, unmittelbar. Leicht übersteuerte Farben, langsames Verblassen, Vignette an den Rändern. Kurz: Retro-Ästhetik. Genau das gießen Von Wegen Lisbeth mit ihren Texten und einem unvergleichlichen Mix aus Indie, Pop, 8-Bit-Sound und Casio-Keyboard in der Columbiahalle in Konzertform.

Spätestens bei „Bitch“, das die Band heute lieber ohne das titelgebende Schimpfwort singt, und „Sushi“ ist der Abschlussball da, wo man ihn haben möchte: Endstation Ekstase. Ab nun wird so getanzt, als würde niemand zusehen. Was bleibt Von Wegen Lisbeth also anderes übrig, als den Abend nach gut zwei Stunden mit ihrem wohl größten Hit „Wenn du tanzt“ abzuschließen.

Ein derart Polaroid-würdiges Ende kann wohl nicht mal ein geruchsintensiver S-Bahnhof auf dem Weg nach Hause trüben.