Walter Trout in Neuruppin 2024: Wie der Gitarrist in der DDR dem Alkohol abschwor

Selten ohne elektrische Gitarre: Walter Trout gilt als Virtuose des Blues. Nun kommt er für ein Konzert ins Kulturhaus Neuruppin.
Fish-Net Productions- Walter Trout (73), US-amerikanischer Blues-Gitarrist, spielt am 6. Dezember 2024 in Neuruppin.
- Seine Karriere begann bei John Lee Hooker, Canned Heat und John Mayall's Bluesbreakers.
- 1987 beendete er seine Alkohol- und Drogensucht nach einem Gespräch mit Carlos Santana in Ost-Berlin.
- Nach einer Lebertransplantation 2014 kehrte er auf die Bühne zurück.
- Sein neues Album "Broken" erreichte Platz 1 der US-Blues-Charts.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bluesmusik, das wird schon Schülern im Musikunterricht beigebracht, ist nicht denkbar ohne Leidenserfahrung. Den Blues, so heißt es, kann nur fühlen, wer es selbst einmal richtig schwer gehabt hat im Leben.
Es mag ein Klischee sein, das noch an die Herkunft dieser rustikalen Musik in den Südstaaten der USA erinnert. An die Gesänge der afroamerikanischen Sklaven auf den Baumwollplantagen. Seitdem hat sich in der Musik eine Menge getan. Dennoch: Bis heute ist immer auch ein Hauch Anmaßung im Spiel, wenn ein weißer Musiker die tief empfundene Emotionalität des Blues für sich reklamiert.
Auf die Geschichte von Walter Trout (73) allerdings passt das alte Stereotyp vom leidgeprüften Musiker, der erst durch tragische Lebenserfahrungen so richtig überzeugend zu seinem schmerzbehafteten und gefühlsgesättigten Stil gefunden hat, voll und ganz.
Walter Trout: Karrierestationen bei Canned Heat und John Mayall
Geboren wurde Walter Trout 1951 an der amerikanischen Ostküste, in dem Urlaubsort Ocean City im Bundesstaat New Jersey. Mit Anfang 20 zog er nach Los Angeles, um dort sein Glück als Musiker zu versuchen. Und spielte jahrelang in diversen Bands. Nebenbei nahm er einfache Jobs an, um sich über Wasser zu halten.
Seinen Durchbruch erlebte er ab den späten 1970er-Jahren als Sideman einiger Blues-Legenden, die damals schon zu den Oldies der Musikszene gehörten: In der Band von John Lee Hooker (1912-2001), bei den Woodstock-Veteranen Canned Heat und als Stammgitarrist in John Mayall`s (1933-2024) Band Bluesbreakers.
Begegnung mit Carlos Santana in Ost-Berlin
Diese turbulenten Jahre, von den späten 1970er- bis in die späten 1980er-Jahre, forderten aber auch ihren Tribut. Trout, der quasi pausenlos auf Tour war, wurde schwer drogen- und alkoholsüchtig. Oft ging er im volltrunkenen Zustand auf die Bühne. Wer weiß, in welche Höhen seine Karriere gestiegen wäre, wenn er sich damals nicht permanent selbst ein Bein gestellt hätte?
Seinen Weg in die Selbstheilung fand Walter Trout tatsächlich in der DDR. Im Jahr 1987 weilten sowohl der Gitarrist Carlos Santana als auch die Bluesbreakers samt Walter Trout für Gastspiele in Ostberlin. Sie waren im selben Hotel untergebracht. Und Santana habe sich den talentierten Gitarristen eines Abends zur Brust genommen und ihm ins Gewissen geredet, wie Trout später mehrfach in Interviews berichtete, unter anderem im Juli 2024 gegenüber dem YouTube-Kanal „Blues Rock Review“.
„Er kam auf mich zu und sagte: Was machst Du hier nur? Du bist in einer Band, in der 100.000 Gitarristen aus der ganzen Welt gerne spielen würden. Du hast die Gabe der Musik. Und was machst Du? Du bist da oben auf der Bühne so betrunken – es ist, als würdest Du dem Publikum den Stinkefinger zeigen.“
Diese Standpauke habe ihn schlagartig aufwachen lassen. Mit viel Selbstdisziplin habe er seine Süchte schließlich überwinden können. „Als ich einmal diese Entscheidung gefällt hatte, war es gar nicht so schwer“, blickt Trout zurück. Mittlerweile blickt er bereits auf 37 Jahre ohne einen Tropfen Alkohol zurück.
Solokarriere als trockener Alkoholiker
1989 gründete Trout seine eigene Band. Noch im selben Jahr erschien das erste Album „Life in the Jungle“, und in den folgenden Jahren erspielte Trout sich durch unermüdliche Club-Tourneen sowohl in seinem Heimatland USA als auch in Europa eine wachsende Fangemeinde. Kritiker und Musikerkollegen schätzten ihn ohnehin für alles, was er fortan in dichter Folge veröffentlichen sollte. Für virtuos eingespielte Alben wie „Transition“ (1992), „Tellin` Stories“ (1994) und „Breakin` the Rules“ (1995) zum Beispiel, auf denen Trout auch mit seinem Songwriting überzeugen konnte.
Ein dramatischer Einschnitt waren für Trout die Jahre 2013 und 2014. Als Folge einer Leberzirrhose und einer unzureichend behandelten Hepatitis-Erkrankung gab das Organ seinen Dienst auf. Es waren Spätfolgen seines starken langjährigen Alkohol- und Drogenmissbrauchs.
Trout kam auf die Warteliste für eine Lebertransplantation, es ging ihm zusehends schlechter. Die Ärzte hatten ihn bereits aufgegeben. In Interviews erzählte Trout später, dass er durch eine damit einhergehende Hirnschädigung zeitweise weder sprechen noch sich an fundamentale Fakten erinnern konnte, geschweige denn Gitarre spielen oder gar singen.

Zeigt Spuren des Gebrauchs, wie auch sein Besitzer: Diese alte abgeschabte Fender Stratocaster spielt Walter Trout bereits seit Jahrzehnten. Nach seiner Lebertransplantation musste der in Kalifornien lebende US-Musiker das Gitarrespielen erst mühsam wieder erlernen.
Fish-Net ProductionsDoch die Organtransplantation gelang – ermöglicht auch durch eine Spendensammlung unter Fans. Trout hätte sich die kostspielige Operation im Gesundheitssystem der USA nicht leisten können. Er begann, mithilfe seiner Frau und mehrerer Therapien, alles wieder von vorne zu lernen: Laufen, Sprechen, Musik machen.
Sechs bis sieben Stunden am Tag habe er mit seiner Gitarre verbracht und jeden Akkordgriff und jeden Sololauf wieder neu gelernt. Seine Begegnung mit dem Tode verarbeitete Trout später in dem Song „Omaha“, denn in Omaha, Nebraska wurde ihm die Spenderleber eingesetzt. Bereits 2015 stand Trout wieder auf der Bühne als auch im Studio. „Battle Scars“ heißt sein erstes Post-Transplantation-Album aus diesem Jahr, zu Deutsch „Kampfnarben“.
Welche Songs Walter Trout in Neuruppin spielen könnte
Etliche Höhepunkte seiner 35 Jahre währenden Solokarriere gehören zum Repertoire der laufenden Tournee. Das heißt: viele selbstgeschriebene Songs. Vor allem sind es dieses Mal Songs aus seinem neuen Album „Broken“, das es in den USA in diesem Jahr auf Platz 1 der Blues-Charts brachte. Aber auch den einen oder anderen Blues-Klassiker, die Trout schon mit seinem Ex-Boss John Mayall – er nennt den Briten seinen Lehrmeister – gespielt hat.
Der Auftritt am Nikolaustag im Kulturhaus Neuruppin wird Walter Trouts einziger in der Region sein.
Walter Trout - Blues Rock Icon, live am Freitag, 6. Dezember, Kulturhaus Neuruppin, Beginn 20 Uhr. Information: www.kulturhaus-neuruppin.de


