Weihnachtsmärchen im TV 2023
: Welche Stoffe die ARD diesmal wählt und wo gedreht wurde

Mit zwei neuen Weihnachtsmärchen bietet das Erste Stoff für besinnliche Tage. An den Start gehen „Die verkaufte Prinzessin“ und „Das Märchen von der Zauberflöte“ – ein Vergleich.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Prinzessin Sophia (Kristin Alia Hunold) trifft auf die Anführerin ihrer Entführer (Eva Kuen). Der Film „Die verkaufte Prinzessin“ läuft am 25.12.

BR/TV60Filmproduktion GmbH/Marti

Es ist die Zeit der selbstbewussten Prinzessinnnen – und des diversen Casts. Mit „Die verkaufte Prinzessin“ und „Das Märchen von der Zauberflöte“ bietet das Erste zu Weihnachten zwei zeitgenössische Interpretationen von Klassikern und setzt seine erfolgreiche Reihe „Sechs auf einen Streich“ fort. Wie sind die Filme und was zeichnet sie aus?

„Die verkaufte Prinzessin“ läuft am 25. Dezember 2023 um 15.30 Uhr im Ersten. Der einstündige Film erzählt auf Basis bayrischer Sagen von der selbstbewussten Melisa (Judith Neumann). Sie möchte, als Junge verkleidet, in einem Bergwerk anheuern, weil schon ihr Großvater Bergmann war. Doch der Stollen ist verschlossen, und auch sonst ist im Reich von Fürst Ingolf (Pasquale Aleardi) einiges im Argen: Der Fürst ist schwerkrank und möchte zugunsten seiner Tochter Sophia (Kristin Alia Hunold) abdanken. Doch deren zweitgeborener Zwillingsbruder Berthold (Langston Uibel) möchte selbst regieren.

Noch vertrauen sie sich: Prinzessin Sophia (Kristin Alia Hunold) und ihr Bruder Berthold (Langston Uibel) verlassen das Schloss.

BR/TV60Filmproduktion GmbH/Marti

Im Märchen ist alles möglich

Gedreht wurde bei Bozen in Südtirol. Der Film nach einem Drehbuch von Su Turhan und in Regie von Matthias Steurer thematisiert den Aufbruch gegen vorgegebene Rollen. So traut Berthold seiner Schwester die Regentschaft nicht zu, weil sie ein Mädchen ist, und auch Melisa meint, sich als Junge ausgeben zu müssen, um im Bergwerk arbeiten zu können. Berggeist Mehrich (Emanuel Fellmer) hingegen studiert die Menschen, weil er selbst keine Gefühle empfinden kann und nicht versteht, welche Folgen enttäuschte Freundschaft haben kann.

Das ist insgesamt etwas sehr zeitgeistig und auch, dass die Fürstenfamilie mit People of Color besetzt ist, wirkt im deutschen Märchensetting gewöhnungsbedürftig. Aber seit „Bridgerton“ wissen wir, dass Fantasie auch bei historischen Stoffen alles darf. Und immerhin ist dies ja ein Märchen ...

Mozarts „Zauberflöte“ als Märchen erzählt

Gelungener ist gleichwohl der zweite Film, „Das Märchen von der Zauberflöte“ (26. Dezember, 15.30 Uhr), das sich auf Basis von Christoph Martin Wieland Vorlage und Emanuel Schikaneders Libretto den Stoff von Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtester Oper „Die Zauberflöte“ vornimmt. Allerdings auch hier mit einigen Neuerungen: So ist Prinz Tamino (Ilyes Raoul) kein Prinz, sondern ein Hochstapler, der mit seiner magischen Flöte und seinem Freund Papageno (Dimitri Abold) durch die Gasthäuser schlägt, um Geld zu verdienen.

Und die Königin der Nacht (Jessica Schwarz) gibt sich als verständnisvolle (Stief-)Mutter, um die Macht zu erlangen. Der weise Sarastro (Waldemar Kobus) ist ein müder alter Mann, der die Macht nur zu gern abgeben möchte. Und Pamina (Harriet Herbig-Matten) ist eine höchst selbstbewusste Prinzessin, die sich nicht vorschreiben lassen möchte, was sie zu tun hat und wen sie zu heiraten hat.

Treffen zufällig auf Prinzessin Pamina (Harriet Herbig-Matten): Papageno (Dimitri Abold, l) und Tamino (Ilyes Raoul, r)

WDR/Nicole Briese

Stimmiger als in Mozarts zwischenzeitlich etwas wirrem Opernplot wird hier eine Geschichte von Freundschaft und Vertrauen erzählt. Tamino und Papageno verhandeln auf ihrer Reise immer wieder Fragen von Macht und Dominanz, Tamino muss lernen, seine Ängste zu überwinden und seine innere Kraft zu finden und Jessica Schwarz ist als Königin der Nacht eine herrlich intrigante, verführerische Figur. Gedreht wurde auf Burg Stolzenfels bei Koblenz und der mittelalterlichen Burg Bürresheim in der Eifel, auch ein ehemaliger Eisenbahntunnel bei Schwelm und das deutsche Lava-Museum in Mendig kommen vor.

Will an die Macht: Die Königin der Nacht (Jessica Schwarz) auf dem Weg zu Sarastros Reich.

WDR/Nicole Briese

Und, was ist jetzt das überzeugendere Märchenland? Die kargen Hochebenen in den Bergen von Südtirol sind ein spektakuläres Setting, aber die 19. Jahrhundert-Rhein-Romantik des 1836 bis 1842 von Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler erbauten Schloss Stolzenfels ist als Märchenort unübertroffen.

„Die verkaufte Prinzessin“: ARD, 25.12., 15.30 Uhr

„Das Märchen von der Zauberflöte“: ARD, 26.12., 15.25 Uhr