Yusuf / Cat Stevens 2023 in Berlin
: Erstes Deutschlandkonzert in der Zitadelle Spandau - so war es

Cat Stevens oder Yusuf, den Fans in Berlin ist's egal. Sie feiern den Sänger mit den Oldie-Hits in der Zitadelle Spandau.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Cat Stevens, auch Yusuf, tritt bei seinem ersten von zwei Deutschlandkonzerten in der Zitadelle Spandau auf.

Christoph Soeder/dpa

Die Popwelt ist ein bunter Zoo mit grundverschiedenen Insassen, an denen sich das unterhaltungssüchtige Publikum erfreuen oder erschrecken kann. Das weiß man nicht erst, seitdem ein besonders schillernder Bösewicht in den Blickwinkel von Boulevard, Großfeuilleton und Politik geraten ist.

Auch der Mann, der am Montagabend in der Zitadelle Spandau konzertierte, war mal ein Bösewicht. Davor und danach, also jetzt, war beziehungsweise ist er ein das Gegenteil davon: ein sanfter, liebevoll auftretender Musiker. Wenn man will, könnte man ihn auch als personifizierte gute Menschheit sehen. Der Musiker heißt Steven Demetre Georgiou, Künstlername - und da wird es schon etwas kompliziert - Cat Stevens beziehungsweise Yusuf beziehungsweise Cat Stevens/Yusuf.

Zum muslimischen Glauben konvertiert

Inzwischen hat er sich für letztere Variante seines Namens entschieden. Cat Stevens nannte er sich vor über 50 Jahren, als er in England zum Popstar aufstieg. Etliche Jahre später, 1977, verwandelte er sich in Yusuf Islam, nachdem er zum muslimischen Glauben konvertiert war. Zugleich zog er sich aus der Welt der Popmusik zurück. Es dauerte 20 Jahre, bis er wieder auf die Bühne ging und noch eine Weile länger, sich mit seiner eigenen Musik zu versöhnen, die ihn früh zum Popstar gemacht hatte.

All das scheint nach einem langen Prozess der Reflektion hinter ihm zu liegen. Als der 74-Jährige am Montagabend die Bühne betrat, in schwarzer Hose und hellem Jacke, stimmte er als erstes seinen frühen Welthit „Moonshadow“ an. Ohne ein Wort zur Einführung. Wozu auch, der Song spricht ja für sich. Die Zehntausend in der restlos ausverkauften Open Air-Stätte zücken sofort ihre Handys und summen den Titel beseelt mit.

Der Sound des Abends ist gesetzt. Unterbrochen von leise vorgetragenen, kurzen Zwischenansagen trägt Yusuf/Cat Stevens seine Lieder vor, die alle irgendwie sehr bekannt sind. „First Cut Is The Deepest“, allgemeines Mitnicken im Takt, klar, weiß ja jeder, was gemeint ist, auch wenn der First Cut im Liebesleben schon eine Weile her ist bei den meisten im Publikum. Aber eben nicht bei allen, denn auch erstaunlich viele sehr junge Menschen haben die teueren Ticketpreise nicht vom Konzertbesuch abgeschreckt.

Schon weit vor Ende der gerade mal 90-minütigen Show können alle glücklich feststellen, dass sich das Kommen gelohnt hat, weil die Erwartungen erfüllt werden. Der Künstler singt „Matthew & Sons“ aus dem Jahr 1967, nachdem er launig erzählt hat, dass ihn damals erst The Monkees, die eigentlich auch kaum noch jemand kennt, beim Chartsaufstieg gestoppt haben. Zum Song gibt’s auf der Leinwand Bilder vom jungen Sänger, der aussieht wie Che Guevara mit Gitarre, was ein hübscher Kontrast ist zum Cat Stevens von heute, der mit seinem grauen Rauschebart eher Vadder Abraham ähnelt.

Kirchentagsfeeling in Spandau

Selbstverständlich hat sein Gesang nichts vom infantilem Singsangspaß' des Holländers. Der Brite singt stattdessen den nächsten Welthit-Oldie „Morning Has Broken“. Der Publikum wiegt wieder beglückt mit und eine Frau hat singt sogar von einem mitgebrachten Textausdruck. Kirchentagsfeeling in Spandau.

Auch sonst wirkt manches fast religiös-ikonisch, zum Beispiel das Bild von George Harrison, dessen Song „Here Comes The Sun“ Cat Stevens covert. Das Porträt des Ex-Beatles auf der Leinwand lässt ihn wie Jesus auf einer Ikone aussehen. In gewisser Hinsicht ist das auch sehr passend, denn das Konzert entwickelt sich mit jedem Song mehr zu einer kleinen Messe des menschlichen Anstands. Es geht viel um Frieden und Freundschaft zwischen den Menschen. „Take The World Apart“ ist einer der wenigen neuen Songs von jenem Album, das erst an diesem Freitag erscheint.

Kirchentagsstimmung: Besucher des ersten von zwei Deutschlandkonzerten von Cat Stevens, auch Yusuf, in der Zitadelle Spandau.

Christoph Soeder

Besonders schön klingt das Cover von Nina Simones Song „Let Me Be Misunderstood“. Aber am meisten bejubelt wird natürlich „Peace Train“ sowie „Wild World“. Dann ist Schluss. Es gibt nur eine Zugabe: „Father and Son“. Cat „Yusuf“ Stevens winkt noch mal ins Publikum und tritt ab. Sein letztes Wort ist „Peace“.