Anschlag geplant
: 17-Jähriger aus Wittstock wegen geplantem Terrorakt verurteilt

Ein jetzt 17-Jähriger aus Wittstock wollte im Dezember 2023 mit einem 15-Jährigen ein Attentat auf dem Weihnachtsmarkt in Leverkusen verüben, bei dem es Tote geben sollte. Jetzt wurde das Urteil gefällt.
Von
Roland Becker
Neuruppin
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Festnahme Wittstock Verdächtiger 16-Jähriger wegen geplantem Anschlag auf Weihnachtsmarkt Leverkusen

Zwei Jugendliche planten einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Leverkusen-Opladen. Am Freitag (2. August) gab es für einen 17-Jährigen am Landgericht Neuruppin das Urteil. Das Foto zeigt eine Szene während der Festnahme des Jugendlichen in Wittstock.

Christian Bark

Auf ein Geständnis wartete die Kammer unter Vorsitz von Richter Philip Schumacher vergebens. Der 17-jährige Angeklagte aus Wittstock, ein aus Tschetschenien stammender Jugendlicher, hat bis zuletzt kein Geständnis abgelegt. Angeklagt war er wegen der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat. Geplant war ein Attentat, das an den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin am 19. Dezember 2016 erinnert.

Laut Anklage wollte der damals 16-jährige Wittstocker gemeinsam mit einem damals 15-jährigen Afghanen aus Nordrhein-Westfalen im Dezember 2023 einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Opladen, einem Ortsteil von Leverkusen (Nordrhein-Westfalen), möglichst viele Menschen töten, die in den Augen der Attentats-Planer Ungläubige sind.

17-Jähriger aus Wittstock verurteilt wegen Verabredung zum Mord

„Die Zweite Große Strafkammer hat den 17-Jährigen wegen Verabredung zum Mord und wegen Verwendung von Kennzeichen eines vom Betätigungsverbot betroffenen Vereins zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt“, teilte Neuruppins Landgerichtspräsident Frank Stark auf Nachfrage mit. Bei Letzterem dürfte es sich um per Video im Internet verbreitete Propaganda für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehandelt haben.

Der Angeklagte habe sich zunehmend radikalisiert. Mit dem damals 15-jährigen Mittäter hatte er verabredet, sich gemeinsam und gewaltsam einen Lkw zu beschaffen, indem sie den Fahrer in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarkts in Leverkusen-Opladen mit einem Messer töten wollten.

Mit diesem Lkw wollten sie dann über den Weihnachtsmarkt in Leverkusen-Opladen fahren, um möglichst viele Menschen zu töten. Diejenigen Weihnachtsmarktbesucher, die dadurch nicht sofort getötet worden wären, hätten sie im Anschluss mit Messern erstechen wollen.

Täter hatten Aufgaben bei Attentat untereinander aufgeteilt

Auch die Aufgaben hatte das Duo unter sich bereits aufgeteilt. Der 15-Jährige aus Köln sollte mit dem Fahrzeug in die Besuchermenge hineinfahren, während der Wittstocker den Anschlag filmen würde. Die Vorbereitungen zu dem Anschlag sollen schon sehr weit gediehen sein und laut Stark „kurz vor der Umsetzung“ gestanden haben. Ende November 2023 wurden die beiden Jugendlichen festgenommen.

Sein zur Tatzeit 15-jähriger, in Köln lebender afghanischer Mittäter war bereits von einer Jugendkammer am Landgericht Köln im Juni ebenfalls zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Dieser hatte die Pläne gestanden und war damit ein wichtiger Zeuge im Neuruppiner Prozess.

Diese und weitere Zeugenaussagen sowie zahlreiche der Jugendkammer vorliegende Beweise reichten trotz des fehlenden Geständnisses aus, den Wittstocker zu verurteilen.„ Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass die Tat wirklich durchgeführt werden sollte“, teilte Stark mit.

Das Gericht habe feststellen können, dass beide an einem nicht näher bekannten Tag Anfang Dezember 2023 mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt von Leverkusen-Opladen rasen wollten, um möglichst viele Menschen zu verletzen und zu töten.

Der Verurteilte bleibt weiter in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte und die Generalstaatsanwaltschaft können gegen das Urteil Revision einlegen.