Asiatische Hornisse im Osten Deutschlands: „Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Asiatische Hornissen in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern? Experten sagen: Das ist nur eine Frage der Zeit. Wie man die Tiere erkennt, was bei einer Sichtung zu tun ist und warum „Vespa velutina nigrithorax“ so problematisch ist.
Axel Heimken/dpa„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die sich hier etablieren wird“, sagt Insektenexperte Matthias Nuß vom Naturschutzbund Nabu über die Asiatische Hornisse. Er ist sicher: Die invasive Art, die bereits im Westen Deutschlands heimisch ist, wird weiter in Richtung der östlichen Bundesländer wandern.
Warum das problematisch ist, wie man die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) erkennt und was getan werden muss, wenn man ein solches Tier entdeckt – ein Überblick.
Hier hat sich die Asiatische Hornisse bereits angesiedelt
Laut dem Landesamt findet die Verbreitung derzeit vor allem in Hessen und Niedersachsen, aber auch in östliche Richtung statt. „Es ist auch immer möglich, dass einzelne Tiere über weitere Strecken unbemerkt transportiert werden.“ Eine Karte zeigt, dass bereits der gesamte Westen Deutschlands, von der Nordseeküste bis hinunter in den Schwarzwald, zum Zuhause der Hornissenart geworden ist.
Gibt es die Asiatische Hornisse schon im Osten?
Gesicherte Nachweise des Tieres gibt es dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zufolge bisher in den östlichen Bundesländern nicht. Insektenexperte Matthias Nuß vom NABU Sachsen würde sich allerdings nach eigenen Aussagen wundern, wenn es einen Faktor gäbe, der die Verbreitung Richtung Osten verhindere.
Bisher gingen beim sächsischen Landesamt jede Woche mehrere Meldungen über vermeintliche Asiatische Hornissen ein. In der Regel sind es keine asiatischen, sondern europäische Hornissen. Nuß berichtet allerdings auch von einem Foto aus der Nähe von Zwickau, das eindeutig eine Asiatische Hornisse zeige. Es sei auf einer Insekten-Plattform online gestellt, später aber wieder gelöscht worden.
Ist die Asiatische Hornisse gefährlich?
Asiatische Hornissen verhalten sich laut Umweltbundesamt in der Regel eher nicht aggressiv, das haben sie mit ihren europäischen Artgenossen gemeinsam. Aber: Wenn ihr Nest gefährdet ist, können die Tiere ein starkes Abwehrverhalten zeigen. Man solle daher immer einen Abstand von fünf Metern zu Nestern einhalten, raten Experten.
Auf Stiche können Menschen laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) allergisch reagieren, wie es auch bei heimischen Hornissen oder Wespen häufig vorkommt. In Spanien und Portugal habe die Anzahl der Fälle mit allergischen Reaktionen nach Stichen der Asiatischen Hornisse aber stark zugenommen, berichtet das BfN in einem Maßnahmenblatt.
Hornissen jagen Honigbienen
Zum echten Problem wird das Tier für die heimischen Honigbienenvölker. Die Asiatische Hornisse jagt die Bienen, die laut Umweltbundesamt bis zu 80 Prozent der Beute ausmachen. Das führt zu einer Bedrohung der heimischen Imkerei. Wenn Asiatische Hornissen vor einem Bienenstock jagen, reagiere die Honigbienen auf die Bedrohung, indem sie weniger auf Futtersuche gehen. Die Tiere verlassen dann viel seltener den Bienenstock.
Das Bundesamt für Naturschutz geht außerdem davon aus, dass die Asiatische Hornisse als invasive Tierart die Artenvielfalt an sich bedrohen könnte, da neben Honigbienen auch andere Insekten auf dem Speiseplan stehen. Auch mögliche Fraßschäden im Wein- und Obstbau gelten als problematisch.
Asiatische Hornisse oder einheimische Art? So erkennt man den Unterschied
Die Asiatische Hornisse ist schwarz gelb gefärbt und wirkt insgesamt etwas dunkler als die heimische Hornisse (Vespa crabro). Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal sind die gelben Beine der asiatischen Art.

Die Asiatische Hornisse (links) und die Europäische Hornisse (rechts) im Vergleich.
Collage: Axel Heimken/Karl-Josef Hildenbrand/dpaDie wichtigsten Unterscheidungsmerkmale im Überblick:
- Kopf: Die Asiatische Hornisse hat einen schwarzen Kopf mit oranger Stirn. Die Europäische Hornisse einen rötlich-schwarzen Kopf.
- Brust (Thorax): ist bei der Asiatischen Hornisse einheitlich schwarz, bei der Europäischen Hornisse rotbraun mit schwarzer V-Zeichnung.
- Hinterleib: Bei der Asiatischen Hornisse vorn schwarz, nur die Spitze ist orangegelb. Bei der Europäischen Hornisse ist der Hinterleib wechselnd rotbraun-schwarz, zur Spitze hin gelb mit schwarzer Zeichnung.
Wer vermutet, eine Asiatische Hornisse gesehen zu haben, kann den Fund per E-Mail an den Landesverband Brandenburgischer Imker schicken, die Mailadresse lautet vvmeldung@imker-brandenburgs.de
Wichtig ist dabei, unbedingt ein Foto mitzuschicken und – falls möglich – den genauen Fundort (Ort, Adresse, falls vorhanden: GPS-Daten). Im Falle eines Nestes ist zudem eine genauere Beschreibung des Nistortes (z.B. 10 m hoch im Baum, Hecke, Schuppen) hilfreich für die Behörden. Auch das Beobachtungsdatum, gegebenenfalls sogar die Uhrzeit sollten mit angegeben werden. Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Tiere zu töten oder die Nester selbständig zu entfernen.
Nicht die erste invasive Tierart im Osten
Die Asiatische Hornisse ist nicht die erste invasive Art im Freistaat. In Leipzig hat sich, Meldungen vom Juni dieses Jahres zufolge, der amerikanische Sumpfkrebs angesiedelt. Forscher des Naturkundemuseums Leipzig wiesen die invasive Krebsart laut einer Mitteilung erstmals in der Stadt nach. Der Krebs überträgt die für ihn selbst harmlose, für einheimische Krebse jedoch tödliche Krebspest. Auch für Amphibien und Weichtiere stellt er eine Gefahr dar.
Zwei weitere invasive Arten bedrohen zudem aktuell den Süden Deutschlands: der Japankäfer und die invasive Ameise Tapinoma magnum. In Freiburg musste Anfang August eine Japankäfer-Sperrzone eingerichtet werden, um die weitere Ausbreitung des gefräßigen Käfers zu verhindern. Auch in Sachsen sind die Behörden alarmiert. Woran man den Japankäfer erkennt und was dann zu tun ist, haben wir hier zusammengefasst.
Die Riesenameise Tapinoma magnum wurde ebenfalls in Baden-Württemberg gefunden. Ob es die invasive Art bereits in Brandenburg gibt und woran man sie erkennt, haben wir hier zusammengefasst.
