Brandanschläge, Stromausfälle, Chaos
: Das steckt hinter der Vulkangruppe

Wer ist die Vulkangruppe, die sich zu dem massiven Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin bekannt hat?
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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Am Ende der Strasse in einem dunklen Wohngebiet leuchtet Laternen an einer Eisenbahnbrücke während eines Stromausfalls. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt haben keinen Strom. Und das Ganze wird wohl noch tagelang andauern. +++ dpa-Bildfunk +++

Am Ende der Strasse in einem dunklen Wohngebiet leuchtet Laternen an einer Eisenbahnbrücke während eines massiven Stromausfalls. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt haben keinen Strom. Und das Ganze wird wohl noch tagelang andauern. Zu dem Anschlag auf die Stromversorgung bekannt hat sich die Vulkangruppe.

Carsten Koall/dpa

Die Vulkangruppe ist eine linksextremistische, mutmaßliche Sabotage- oder Aktivistengruppe, die seit etwa 2011 im Raum Berlin und Brandenburg aktiv ist. Sie wird vom Berliner Verfassungsschutz dem anarchistischen Spektrum zugeordnet. Die Gruppierung trat erstmals 2011 im Zusammenhang mit Brandanschlägen auf Kabelschächte der Bahn und andere technische Infrastruktur in Erscheinung. Der Name „Vulkangruppe“ oder Varianten davon erscheinen hauptsächlich in Bekennerschreiben von den mutmaßlichen Sabotageakten. Oft nutzt die Gruppe Namen von isländischen Vulkanen in ihren Bekennerschreiben.

Wer genau der Vulkangruppe angehört, ist unklar. Die Identität einzelner Mitglieder ist nicht verifiziert und Sicherheitsbehörden haben keine verbindlichen Informationen über konkrete Personen veröffentlicht. Unbekannt ist ebenfalls, ob es sich um eine feste, hierarchische Gruppe oder um lose Zusammenschlüsse und autonome Akteure handelt. Fest steht, dass in verschiedenen Bekennerschreiben unterschiedliche Selbstbezeichnungen auftraten, was auf einen wechselnden oder dezentralen Autorenkreis hindeuten könnte.

Was macht die Vulkangruppe?

Laut Verfassungsschutz und Medienberichten verübt oder bekennt sich die Gruppe zu Brandanschlägen und Sabotageakten auf technische Infrastruktur. Dazu gehören Kabelschächte, Starkstromleitungen, Funkmasten, Datenleitungen und Stromversorgungsanlagen. Zu den Anschlägen der Vulkangruppe gehören mehrere Vorfälle rund um die Tesla-Fabrik und Infrastruktur in Grünheide oder ein Anschlag auf ein Starkstromkabel in Berlin-Charlottenburg im Jahr 2018.

Das ist das Ziel der Vulkangruppe

Die Gruppe will laut Bekennerschreiben und Sicherheitsbehörden mit den Anschlägen die Verwundbarkeit moderner Infrastruktur aufzeigen oder politische Botschaften verbreiten. In Bekennerschreiben werden oft ideologische Begründungen genannt, etwa Kritik an Großkonzernen, Kapitalismus oder Energiepolitik. Auch der Transport von Atommüll, Waffenexporte, der Krieg in Afghanistan, die Aufweichung der Grundrechte durch eine COVID-19-App, der steigende Energieverbrauch, globale Erwärmung sowie Gefahren der Künstlichen Intelligenz werden als Gründe genannt.

Die Vulkangruppe wird dem linksextremistischen/anarchistischen Spektrum zugeordnet. Dieses lehnt Hierarchien, kapitalistische Strukturen und etablierte Staatsformen ab. Behörden und Experten sehen das Ziel der Aktionen darin, die Verwundbarkeit urbaner Infrastruktur sichtbar zu machen und systemische Schwächen aufzuzeigen. Laut des Verfassungsschutzberichts 2019 ist das Ziel der Sabotageakte der Vulkangruppe die Beeinträchtigung der Infrastruktur und die Störung der öffentlichen Ordnung. Die Funktionsweise des „kapitalistischen Alltags“ durchbrechen und Menschen zum Innehalten zu bewegen, werde laut dem Bericht von der Gruppe angestrebt.

Anschläge der Vulkangruppe

Es wird vermutet, dass folgende Anschläge von der Vulkangruppe verübt wurden:

  • 23. Mai 2011: Eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz brennt. Es kommt zu erheblichen Störungen im Bahnverkehr. In einem Bekennerschreiben benennt sich die Gruppe, laut RND, nach dem Vulkan Eyjafjallajökull.
  • 2018: Anschlag auf eine Starkstromleitung in Berlin-Charlottenburg
  • März 2018: Brandanschlag auf Starkstromleitungen in Charlottenburg. Rund 6500 Haushalte und 400 Firmen waren stundenlang ohne Strom. Der Sachschaden ging, laut Deutsche Welle, in die Millionen.
  • 2020: Nach einem Anschlag auf einen Kabelschacht in Berlin, taucht ein Bekennerschreiben der Vulkangruppe auf, in dem der Angriff mit Kritik an der Entwicklung einer Corona-App begründet wird.
  • Mai 2021: Brandanschlag auf Stromkabel in einem Waldstück nahe der Tesla-Gigafactory bei Grünheide. Die Vulkangruppe gibt an, die Stromversorgung sabotiert zu haben, um gegen Tesla und seine Produktionspläne zu protestieren.
  • März 2024: Die Vulkangruppe bekennt sich zu Brandstiftung an einem Strommast, der die Tesla-Fabrik in Grünheide mit Elektrizität versorgt. Die Produktion kam zeitweise zum Stillstand, so die Berliner Zeitung.
  • Mai 2025: Die Gruppe bekennt sich zu Brandanschlägen an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem.
  • September 2025: In Adlershof kommt es zu einem größeren Stromausfall nach einem Brandanschlag auf die lokale Stromversorgung. Ob die Vulkangruppe oder ein anderer anarchistischer Kreis dahintersteht, ist laut Tagesspiegel noch nicht eindeutig geklärt, doch in Bekennerschreiben wird auf frühere Aktionen Bezug genommen.
  • Januar 2026: In Berlin-Lichterfelde wird ein Brandanschlag auf ein Starkstromkabel an einer Brücke über den Teltowkanal verübt. Etwa 45 000 Haushalte und mehrere Tausend Unternehmen verlieren Strom und teilweise Heizenergie bei Minustemperaturen. Die Vulkangruppe bekennt sich zu der Tat in einem langen Manifest.