Flugfähre in Berlin: Ticketpreise, Tempo, Reisezeit – ab 2025 für Pendler realistisch?

Mit der Flugfähre durch Berlin: Candela P-12 schwebt über dem Wasser und verursacht dadurch so gut wie keine Wellen. Doch lohnt sich die E-Fährte für Pendler?
Candela/Daniel Vesterbaek- Berlin plant ab 2025 den Betrieb einer CO₂-neutralen Flugfähre auf der Spree.
- Die Candela P-12 fährt mit 40 km/h, verursacht keine Wellen und ist energieeffizient.
- Genehmigungen fehlen wegen Berliner Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Wasserwegen.
- Betreiber hofft auf Sondergenehmigung; könnte Verkehr in Plänterwald entlasten.
- Fähre bietet Platz für 30 Personen und reduziert Reisezeit deutlich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten als Pendler in Berlin während der Rushhour flink auf der Spree reisen und dabei den Stau umschiffen. Im Jahr 2025 soll das in Berlin möglich werden und die weltweit erste elektrische, fliegende Fähre den Betrieb aufnehmen. Das neuartige Gefährt des schwedischen Technologieunternehmens Candela, das trotz Tempo 40 keine Wellen erzeugt, soll auf einer rund fünf Kilometer langen Strecke vom Funkhaus in Oberschöneweide in Treptow-Köpenick bis zur East Side Gallery in Friedrichshain zum Einsatz kommen.
Damit könnte sie vor allem Pendler von Oberschöneweide in rund 20 Minuten in die Innenstadt bringen „Ich habe das Boot bestellt. Es wird derzeit gebaut und soll im Frühjahr hier eintreffen“, freut sich Uwe Fabich, der Eigentümer des Funkhaus-Geländes an der Nalepastraße, der 2020 auch die Reederei Riedel übernommen hat.
Ticketpreise wie bei der BVG
Bei den Ticketpreisen wolle sich der Immobilienentwickler ungefähr an den Preisen der Berliner Verkehrsbetriebe orientieren. „Ich will der BVG damit keine Konkurrenz machen und kann mir vorstellen, die Fähre auch in ihrem Auftrag zu betreiben“, betont der Funkhaus-Eigentümer.
Die neuartige Mini-Fähre mit dem Namen P-12 ist rund dreimal so schnell wie herkömmliche BVG-Fähren. An Bord passen rund 30 Menschen, dazu gibt es Platz für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen. „Berlin ist eine Stadt mit viel Wasser, aber dieses wird kaum für den Transport genutzt. Das müssen wir ändern, wenn wir die Emissionen reduzieren und den Verkehr entlasten wollen,“ sagt Brigitte Junker von Candela von der Herstellerfirma.
Das schwedische Unternehmen, das in der eFoil-Technologie schon kleinere Flugboote für den Freizeitbereich produziert, erprobt seine neuartige Fähre gerade in Stockholm. Das Besondere an der Candela P-12 ist, dass das Schiff über dem Wasser schwebt, getragen von Tragflächen, einer Art Flügel unter Wasser, auch Foil genannt. „Dank dieser Technologie wird der Fahrtwiderstand drastisch verringert“, heißt es vom Hersteller. Die P-12 sei daher etwa 400 Prozent energieeffizienter als herkömmliche Schiffe, was eine große Reichweite bei zügiger Geschwindigkeit mit batteriebetriebenem E-Antrieb ermöglicht.
Auch die Betriebskosten des Schiffes seien durch den geringen Energieverbrauch und die größtenteils wartungsfreien Motoren 90-prozentig niedriger als die eines herkömmlichen Dieselschiffs, heißt es weiter. Das mache die Candela-Fähren im Vergleich zu Bussen in den Kosten pro Passagierkilometer wettbewerbsfähig.
Berlin – E-Fähren fahren mit Tempo 40
Sind die fliegenden E-Fähren also eine grüne Lösung, mit der man die Verkehrswende beschleunigen könnte? In der deutschen Hauptstadt gibt es da allerdings noch ein Problem.
Denn eine Genehmigung zum Betrieb einer E-Fähre auf der Spree mit einer Fahrtgeschwindigkeit von 40 km/h wurde bisher nicht erteilt, heißt es aus dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Spree-Havel auf Anfrage. Denn auf den Berliner Wasserwegen dürfe im Regelfall lediglich mit einer Höchstgeschwindigkeit von zehn bis zwölf Kilometern pro Stunde gefahren werden. Eine Ausnahme ist die Fahrrinne des Müggelsees mit 25 Stundenkilometern.
Doch die Schwebefähre braucht mindestens Tempo 25, um überhaupt abheben zu können. Der Funkhaus-Eigentümer lässt sich davon nicht abschrecken und setzt auf eine Sondergenehmigung. Diese sei auch schon vor Jahren für ein Wasserflugzeug auf der Spree erteilt worden. „Das war beim Start wahrscheinlich über 100 km/h schnell. Ich bin da aus Interesse selbst mal mitgeflogen“, berichtet Fabich.
Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Spree sei in erster Linie den dicken Wellen geschuldet, die schnelle Boote sonst verursachen und damit Ufer und Umwelt schädigten. „Das ist bei der Schwebefähre nicht der Fall“, argumentiert der Geschäftsmann. Auch Kanu-Fahrer und Ruderer würden nicht durch erhöhten Wellengang gefährdet. Fliegt sie erst einmal knapp über der Wasseroberfläche, haben nur noch dünne Flügel, ähnlich wie beim Kite-Surfboard, Kontakt mit der Spree.
Tram kommt nur alle 20 Minuten
Nach Meinung des Reederei-Besitzers müsste aufgrund der neuen Technologie eine Gesetzesänderung her – doch so lange will er nicht warten und setzt deshalb auf ein Einsehen der Behörden. „Bei diesem Projekt gibt es doch schließlich nur Gewinner.“
Sein Anliegen ist in erster Linie, das Areal des ehemaligen DDR-Rundfunks anzuschließen, das mehr und mehr von einer wachsenden Kreativszene zurückerobert wird. „Die Straßenbahnen fahren nur alle 20 Minuten und halten einen halben Kilometer vom Funkhaus-Gelände entfernt“, so der Immobilienentwickler. „Einige der Start-ups, die sich angesiedelt haben, fühlen sich inzwischen gezwungen, für eine bessere An- und Abreise ihrer Mitarbeiter private Busunternehmen zu engagieren, was ja auch nicht gerade umweltfreundlich ist.“
Die neue E-Fähre könnte nach seinen Plänen unter anderem am gegenüberliegenden Ufer einen Zwischenstopp einlegen und damit auch das ebenfalls schwierig zu erreichende Eierhäuschen und den Spreepark anschließen, an dem gerade erst eine neue Anlegestelle gebaut wurde. „Das wäre eine Verkehrslösung für den gesamten Plänterwald“, betont der Visionär.
Das sieht der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), ähnlich: „Wir haben in unserem Bezirk eine teils sehr schwierige Verkehrssituation auf den Straßen und gleichzeitig ein riesiges Wassernetz“. Die neue Technik sollte deshalb zum Umdenken bei den Geschwindigkeitsbeschränkungen führen, jedenfalls für diese Schiffsklassen, meint der Politiker.

Die neuartigen Schwebefähren des Herstellers Caldela bieten Platz für 30 Personen, Kinderwagen und Fahrräder.
Candela/Daniel VesterbaekDenn öffentlicher Nahverkehr auf den Wasserwegen wäre nur sinnvoll, wenn auf diesen auch relevante Geschwindigkeiten zurückgelegt werden dürften. „Für eine Alternative als ÖPNV wären sicher 50 Km/h notwendig“, sagt Igel. Bei den möglichen Fahrstrecken geht der Bezirksbürgermeister sogar noch weiter. „Ich kann mir den Einsatz einer solchen Fähre insbesondere für den Ortsteil Wendenschloß vorstellen, um dort eine Verbindung zur Altstadt Köpenick und weiter nach Oberschöneweide mit Anschluss an den S-Bahnhof Oberspree und gegebenenfalls noch weiter bis zum Treptower Hafen am S-Bahn-Ring zu schaffen.“
Schnell-Fähre in Berlin – Reisezeit halbiert
So wird die Fahrt, die derzeit mit einer herkömmlichen Fähre 55 Minuten dauert, auf eine Dauer von 25 Minuten verkürzt. In Schweden hat Candela dazu nach eigenen Angaben einen Vertrag mit der Stockholmer Verkehrsgesellschaft SL geschlossen. „Noch im Oktober soll die Flugfähre in den öffentlichen Regelbetrieb starten“, kündigt Philip Demler von Candela an.
Dafür war allerdings ein Kompromiss nötig: Die Sondergenehmigung gilt nicht für alle Monate. Die Candela P-12 darf nur im Frühling und Herbst ordentlich Tempo machen. Im Sommer, wenn auf dem Norrström viel Verkehr ist, dürfen die Fähren auch in Schweden nur langsam fahren.



