Hund in Zehdenick
: Weihnachtswunder um Pudel Lillie in der Papageien-Station

Die Auffangstation für Papageien aus prekären Verhältnissen gibt es in Zehdenick immer noch. Doch Betreiberin Jutta Liebrecht musste ihr Engagement einschränken. Warum sie sich jetzt um Hunde kümmert.
Von
Martin Risken
Zehdenick
Jetzt in der App anhören

Jutta Liebrecht mit Pudel Lillie: Kurz vor Weihnachten 2023 musste der Hündin operiert werden.

Martin Risken

Viele Jahre lang war die Papageien-Arche-Noah in Zehdenick eine der wichtigsten Auffangstationen für Papageien in Berlin und Brandenburg. Bis zu 120 der zumeist bunt gefiederten und nicht selten sehr gesprächigen Vögel aus prekären Verhältnissen hatten Jutta Liebrecht und die Mitglieder des von ihr gegründeten Vereins aufgenommen. Jetzt kümmert sich die 74-Jährige vor allem um Hunde.

Sieben aufgeweckte Vierbeiner wuseln kurz vor dem Jahresende 2023 durch ihr Haus. Es sind meist Hunde von alleinstehenden Senioren, die Jutta Liebrecht nur für wenige Wochen aufnimmt, wenn ihre Besitzer ins Krankenhaus oder ins Heim müssen und sich niemand anderes um die Tiere kümmern kann.

Spende für die OP von Pudel Lillie

Doch manchmal sterben Herrchen oder Frauchen auch, sodass die Tiere keiner mehr abholt und die Angehörigen auch kein Interesse daran haben, die Hunde zu übernehmen. Doch es gibt ein Problem: Nicht nur ihre Besitzer sind alt, auch die Hunde haben größtenteils schon ein betagtes Alter erreicht. Wie die Menschen leiden sie unter verschiedenen Krankheiten. Sie medizinisch zu versorgen, kann teuer werden.

Die Pudel-Dame Lillie ist so ein Fall. Nachdem ihr Frauchen verstorben war, blieb das Tier bei Jutta Liebrecht. Wie sich später herausstellten sollte, brauchte Lillie wegen eines Geschwürs dringend medizinische Hilfe. Guter Rat war teuer, denn die Operation sollte 190 Euro kosten. Susi, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Papageienvereins, die selbst nicht auf Rosen gebettet ist, erklärte sich spontan bereit, die Tierarzt-Rechnung zu übernehmen. Jutta Liebrecht sprach von einem „Weihnachtswunder“, das ihr zuteilwurde, denn sie hätte nicht gewusst, woher sie das Geld nehmen sollte, auch wenn ihr die Tierärztin eine Ratenzahlung angeboten hatte.

Aus Kostengründen die Versorgung von Papageien eingeschränkt

Nach ihrer Scheidung vor sieben Jahren musste die heute 74-Jährige ihr Engagement für die Papageien aus Kostengründen bereits stark einschränken. Derzeit leben nur noch acht Vögel in den großen Volieren hinter dem Wohnhaus am Liebenwalder Ausbau in Zehdenick. Um die kümmern sich zum Teil auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – so wie Susi, die ihren Nachnamen nicht preisgeben möchte, weil sie von Transferleistungen lebt. Die Spende für die Hunde-OP könnte ihr vom Amt negativ ausgelegt werden, fürchtet Jutta Liebrecht Sanktionen. Dennoch will sie es nicht versäumen, Susi zu danken, die zusammen mit ihrem behinderten Sohn Dustin und ihrem Mann Thomas den Papageienverein auch sonst durch ehrenamtliche Arbeit unterstützt.

Dass sich der Verein nur noch um wenige Papageien kümmern kann, sei den enormen Kosten geschuldet, die die Versorgung der Vögel mit sich bringt. Die exotischen Tiere lieben vor allem frisches und süßes Obst. Doch nicht erst mit der jüngsten Inflation seien die Preise für frisches Obst wie Weintrauben erheblich gestiegen, weshalb Jutta Liebrecht ihr Engagement schon vor Jahren einschränken musste.

Zwei bis drei Mal im Jahr beteiligt sich die Seniorin mit einer Tombola an Stadtfesten und anderen Veranstaltungen mit vielen Besuchern in Zehdenick. Die Gründerin des Tierheims Tornow, Dagmar Knauth, sammle „Nippes“ wie alte Porzellan-Figuren, die es dann bei der Tombola zu gewinnen gibt. Jedes Los kostet 50 Cent, sodass am Ende des Jahres wieder einiges an Geld für den Papageien-Verein zusammengekommen sei.

Darüber hinaus erhalte sie weiterhin ehrenamtliche Unterstützung, zum Beispiel durch Heidrun Tappert, die schon seit 17 Jahren ehrenamtlich mitarbeitet, oder durch ihren Untermieter Bernd Janke, der ihr bei der täglichen Pflege der Tiere helfe.

Die Pflege-Hunde fühlen sich bei Jutta Liebrecht in Zehdenick gut aufgehoben. Aus Tierliebe betreut die Seniorin mittlerweile sieben Hunde, die ihr vor allem ältere Menschen anvertraut haben, in ihrem Haus.

Martin Risken

Zeitweise machte die Berlinerin, die mit ihrer Papageien-Auffangstation 1996 von Berlin nach Zehdenick gezogen war, auch als Pflegerin von sehr jungen Weißschulter-Kapuzineraffen einen Namen, was ihr den einen oder anderen Fernsehauftritt eingebracht hatte.

Tierliebe von Jutta Liebrecht sprach sich herum

Als ein Kind – das im Heim aufgewachsen ist, weil sich ihre Eltern aufgrund von Alkoholsucht nicht um ihre Tochter kümmern konnten – entwickelte Jutta Liebrecht schon in ihrer Kindheit eine große Liebe zu Tieren. „Aber ich bin auch ein großer Menschenfreund.“

Lange Zeit hatte sie sich um Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten waren und die bei ihr in Zehdenick Sozialstunden in der Tierpflege ableisten mussten, gekümmert. Doch der Umgang mit Jugendlichen sei in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, sodass sie von der Arbeit mit den Heranwachsenden Abstand genommen habe.

Dass sie sich jetzt verstärkt um Hunde kümmert, sei eher durch Zufall entstanden. Zwei Hunde einer guten Freundin hatte sie aufgenommen. Die Tierliebe sprach sich herum, immer wieder sei sie insbesondere von älteren Menschen aus der Region gebeten worden, ihre Hunde vorübergehend aufzunehmen, was für viele auch eine Frage der Kosten sei. Eine Unterbringung im Tierheim oder einer -pension koste schnell einige Hundert Euro. Viele Senioren mit einer sehr kleinen Rente könnten sich das nicht leisten und suchten Hilfe bei ihr.

Doch das Risiko bleibe immer, dass die Tiere krank werden und dann auf tierärztliche Hilfe angewiesen seien. Doch für teure Tierarzt-Besuche fehle das Geld, zumal die Pflege-Hunde auch nicht krankenversichert sind.