Kopfläuse bei Kindern
: Welche Mittel helfen - und welche Mythen falsch sind

Ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt, welche Mittel gegen Kopfläuse wirklich helfen – und mit welchen hartnäckigen Mythen Eltern aufräumen können.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Lästig, aber ungefährlich: Kopfläuse wird man am besten mit Haarpflegespülung und einem Läusekamm los.

Lästig, aber ungefährlich: Kopfläuse wird man am besten mit Haarpflegespülung und einem Läusekamm los.

Silvia Marks

Wenn Kinder sich auffällig oft am Kopf kratzen, denken viele Eltern schnell an Kopfläuse. Ein aktueller Vergleich der Stiftung Warentest zeigt jedoch: Nicht jedes Mittel gegen die kleinen Parasiten ist gleichermaßen empfehlenswert. Zwölf häufig verkaufte Präparate wurden auf ihre Wirksamkeit und die wissenschaftliche Studienlage geprüft.

Nur ein Teil der Läusemittel überzeugt

Im Test waren sowohl Arzneimittel als auch Medizinprodukte aus Apotheke und Drogerie. Die Präparate arbeiten mit unterschiedlichen Wirkprinzipien. Viele enthalten Substanzen, die Läuse physikalisch ersticken sollen. Andere setzen auf klassische Insektizide.

Das Ergebnis fällt gemischt aus: Zwei Mittel bewertet die Stiftung Warentest als uneingeschränkt geeignet, drei weitere als geeignet. Fünf Präparate sind demnach nur mit Einschränkungen zu empfehlen. Von zwei Produkten raten die Tester ab, weil aus ihrer Sicht keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die versprochene Wirkung vorliegen.

Für Verbraucher bedeutet das: Beim Kauf eines Läusemittels lohnt es sich, nicht allein auf Werbeaussagen oder bekannte Markennamen zu vertrauen.

Der ausführliche Test erscheint in der September-Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest und ist online abrufbar unter test.de/laeusemittel.

So lässt sich ein Befall erkennen

Kopfläuse sind nur wenige Millimeter groß und deshalb nicht immer sofort zu entdecken. Besonders gründlich sollte das Haar hinter den Ohren, im Nacken und an den Schläfen untersucht werden.

Die Tiere selbst sind grau bis bräunlich, besitzen sechs Beine und können weder fliegen noch springen. Ein weiterer Hinweis auf einen Befall sind kleine, ovale Eier, die dicht an der Kopfhaut an den Haaren haften.

Wer Gewissheit haben möchte, kann die feuchten Haare Strähne für Strähne mit einem speziellen Läusekamm auskämmen.

Eine Behandlung reicht meist nicht aus

Wird ein Befall festgestellt, sollten Betroffene das jeweilige Präparat genau nach Gebrauchsanweisung anwenden. Entscheidend sind unter anderem eine ausreichende Produktmenge und die vorgeschriebene Einwirkzeit.

Anschließend sollten Läuse und Eier sorgfältig mit einem Läusekamm aus dem Haar entfernt werden.

Besonders wichtig: Auch wenn einzelne Hersteller mit einer einmaligen Anwendung werben, empfiehlt die Stiftung Warentest grundsätzlich eine zweite Behandlung nach acht bis zehn Tagen. Hintergrund ist der Entwicklungszyklus der Kopfläuse. Eier können eine erste Behandlung überstehen, sodass später neue Läuse schlüpfen.

Kosten können teilweise übernommen werden

Geeignete Läusemittel kosten laut Stiftung Warentest etwa 16 bis 27 Euro pro Packung. Einige Präparate können ärztlich verordnet werden und sind unter bestimmten Voraussetzungen erstattungsfähig.

Bei kleinen Kindern sollten Eltern außerdem unbedingt auf die Altersangaben achten. Während manche Mittel bereits für Säuglinge zugelassen sind, dürfen andere beispielsweise erst ab einem Alter von zwei Jahren eingesetzt werden.

Fünf verbreitete Irrtümer über Kopfläuse

Rund um Kopfläuse halten sich zahlreiche Mythen hartnäckig.

Kopfläuse übertragen Krankheiten: In Mitteleuropa gelten Kopfläuse nicht als relevante Krankheitsüberträger. Problematisch können allerdings aufgekratzte und anschließend entzündete Hautstellen werden.

Läuse springen von Mensch zu Mensch: Das ist falsch. Kopfläuse können weder springen noch fliegen. Die Übertragung erfolgt in erster Linie bei engem Kopfkontakt, wenn sich Haare berühren.

Auch Haustiere können Kopfläuse bekommen: Menschliche Kopfläuse sind stark auf ihren Wirt spezialisiert. Hunde, Katzen oder andere Haustiere spielen bei der Übertragung deshalb keine Rolle.

Kopfläuse sind ein Zeichen mangelnder Hygiene: Auch das stimmt nicht. Die Parasiten können saubere genauso wie ungewaschene Haare befallen.

Ein Befall verschwindet irgendwann von selbst: Darauf sollte man nicht hoffen. Ohne wirksame Behandlung können sich die Läuse weiter vermehren. Auch normales Shampoo oder Hausmittel wie Essig, heiße Föhnluft oder ein Saunabesuch reichen nach Einschätzung von Fachleuten nicht aus.

Wissenschaftliche Studien bilden die Grundlage

Für ihre Bewertung wertete die Stiftung Warentest sowohl Untersuchungen der Hersteller als auch öffentlich zugängliche wissenschaftliche Studien aus. Zwei unabhängige Gutachterinnen prüften, wie gut die Wirkung der Produkte belegt ist und ob Nutzen und mögliche Risiken ausreichend untersucht wurden.

Zusätzlich wurden die Ergebnisse von einem Dermatologen aus klinischer Sicht bewertet.

Der aktuelle Vergleich zeigt damit vor allem eines: Ein Kopflausbefall ist zwar unangenehm, lässt sich mit der richtigen Behandlung aber in den Griff bekommen. Entscheidend sind ein nachweislich wirksames Mittel, eine sorgfältige Anwendung und die Wiederholung der Behandlung zum richtigen Zeitpunkt.