Nach 300 Millionen Steuerschaden in NRW
: Steuerfahnder nehmen Berliner Influencer unter die Lupe

Gesponserte Luxusreisen, Designer-Outfits und bezahlte Posts sind für viele Influencer Alltag. Berliner Steuerfahnder prüfen jetzt, ob deren Einnahmen aus Werbeerlösen auch korrekt versteuert wurden.
Von
David Hahn
Berlin
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Influencer sollen Fiskus um Millionen betrogen haben: ARCHIV - 03.01.2018, Großbritannien, London: Ein Smartphone-Display mit Symbolen von Social-Media-Apps, darunter Facebook, Instagram, YouTube und WhatsApp. (zu dpa: «Berliner Steuerfahnder nehmen Influencer in den Blick») Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Berliner Steuerfahnder nehmen aktuell Influencer in den Blick.

Yui Mok/PA Wire/dpa

In Nordrhein-Westfalen hatten Ermittler 6.000 Datensätze analysiert und einen mutmaßlichen Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro aufgedeckt. Jetzt läuft auch in Berlin eine Prüfung von mehreren tausend Datensätzen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur am 13. August 2025.

Berlin: Prüfungen von Influencer-Einnahmen

In Berlin prüfen Steuerfahnder derzeit mögliche Steuervergehen von Social-Media-Influencern. Dem Finanzamt für Fahndung und Strafsachen liegen Angaben der dpa zufolge rund 4.000 Datensätze vor, die Einnahmen aus Werbung und Produktplatzierungen betreffen. Die Daten werden ausgewertet und an die Berliner Finanzämter weitergegeben, um mögliche Nachzahlungen oder Strafen zu prüfen. Auch ein Austausch mit anderen Bundesländern findet statt.

Die Senatsfinanzverwaltung betonte, dass eine Nennung in den Daten nicht automatisch auf Steuerhinterziehung hindeutet, aber ein Risiko für nicht ordnungsgemäß erklärte Einkünfte besteht. Zur Herkunft der Berliner Datensätze lagen keine Angaben vor. Laut Senatsfinanzverwaltung liegt jedoch die Vermutung nahe, dass es sich um Daten aus den gleichen Datenpaketen wie in NRW handelt. Das dortige Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität hatte allerdings nicht offengelegt, um welche Daten es sich konkret handelt.

SPD-Politiker will nachhaken

Die Antwort der Senatsfinanzverwaltung reichte Steuerexperte der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Schlüsselburg nicht aus. „Während Nordrhein-Westfalen offensiv und transparent gegen möglichen Steuerbetrug von Influencern vorgeht, beschränkt sich der Berliner Senat auf defensive Antworten“, kritisierte er. „Dabei liegen in Berlin selbst 4.000 Datensätze auf dem Tisch.“ Doch konkrete Zahlen oder Informationen über Ermittlungen oder Nachveranlagungen bleibe der Senat schuldig. Er werde hier nachhaken, so Schlüsselburg. „Denn hier geht es um Gerechtigkeit. [...] Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern schadet uns allen.“

Mit Material der dpa