Nobelpreis für Literatur 2023
: Der norwegische Autor Jon Fosse erhält den Preis

Im vergangenen Jahr war der Nobelpreis an die französische Schriftstellerin Annie Ernaux gegangen. Diesmal richtet sich der Blick der Akademie nach Norwegen, zu Jon Fosse.
Von
Christina Tilmann
Stockholm
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Jon Fosse, Autor aus Norwegen, erhält den Literaturnobelpreis 2023. Das gab die Schwedische Akademie am 05.10.2023 in Stockholm bekannt.

Boris Roessler/dpa

Der norwegische Autor Jon Fosse erhält den diesjährigen Nobelpreis für Literatur. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Er erhalte die Auszeichnung „für seine innovativen Theaterstücke und Prosa, die dem Unsagbaren eine Stimme geben“, hieß es zur Begründung. Der Dramatiker sei nicht nur als Theaterautor, sondern auch als Schriftsteller, Essayist und Kinderbuchautor hervorgetreten. Er sei ein Innovator der zeitgenössischen Literatur, so die Jury. Mit seinen Werken gebe er „dem Unsagbaren eine Stimme“, sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Bekanntgabe. Fosse selbst sei mit dem Auto unterwegs auf dem Land gewesen, als ihn die Nachricht erreichte.

Im vergangenen Jahr ging der mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (aktuell rund 920.000 Euro) dotierte Literaturnobelpreis an die französische Schriftstellerin Annie Ernaux. Die Preisgala findet traditionell am 10. Dezember in Schwedens Hauptstadt Stockholm statt, dem Todestag Alfred Nobels.

2021 war der in London lebende tansanische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah und damit erstmals seit 18 Jahren wieder ein afrikanischer Autor mit dem Nobelpreis geehrt worden. 2020 erhielt die US–amerikanische Lyrikerin Louise Glück die renommierte Auszeichnung.

Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck begrüßt die Nachricht, dass Jon Fosse den diesjährigen Literaturnobelpreis erhält. „Ich freue mich für ihn. Ich halte das für eine ausgezeichnete Wahl“, sagte Scheck am Donnerstag der Deutschen Presse–Agentur, nachdem dem norwegischen Autor kurz zuvor in Stockholm der Nobelpreis zugesprochen worden war. „Das ist alles andere als ein skandinavisches Heimspiel, sondern wirkliche Weltliteratur.“ Fosse sei ein Autor, der für die menschliche Einsamkeit neue Ausdrucksformen gefunden habe, und „ein Geistesverwandter von Samuel Beckett“, sagte Scheck.