Terror in Sydney
: 16 Tote am Bondi Beach in Australien nach Angriff

UPDATE 14.12., 20.41 Uhr: Bei dem Angriff in der australischen Metropole Sydney handelt es sich offiziellen Angaben zufolge um einen Terrorakt, der sich gegen die jüdische Gemeinde richtete. Immer mehr Details werden bekannt.
Von
dpa
Sydney
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Rettungskräfte transportieren eine Person auf einer Trage nach einem Zwischenfall am Bondi Beach in Sydney. (zu dpa: «Angriff auf Bondi Beach: Was wir wissen - und was nicht»)

Mark Baker/AP/dpa
  • Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney richtete sich gegen die jüdische Gemeinde.
  • Mindestens zwölf Menschen, darunter ein Angreifer, wurden getötet.
  • Zweiter mutmaßlicher Angreifer in kritischem Zustand, Identitäten noch unklar.
  • Polizei untersucht verdächtige Gegenstände, Sperrzone eingerichtet.
  • Angriff ereignete sich am ersten Chanukka-Tag, Hunderte feierten das Fest.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem Terroranschlag auf ein jüdisches Fest in der australischen Metropole Sydney gibt die Polizei die Zahl der Toten nun mit 16 an. 40 Menschen seien weiterhin im Krankenhaus, teilte die Polizei von New South Wales auf der Plattform X mit. Zunächst wurden mindestens zwölf Opfer bestätigt. Der Anschlag am ersten Tag des Chanukka-Festes habe sich gegen die jüdische Gemeinschaft gerichtet, sagte der Regierungschef der Region New South Wales, Chris Minns. Er zeigte sich angesichts der Tat schockiert.

„Ich muss leider mitteilen, dass bislang mindestens zwölf Menschen getötet wurden. Einer der Täter wurde ebenfalls getötet“, sagte Minns. Mal Lanyon von der Polizei des Bundesstaats sprach davon, dass der Schütze unter den zwölf Toten sei. Die Situation sei jedoch im Fluss. Seinen Angaben zufolge wurden 29 Menschen in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen zwei Polizisten.

Es sind schreckliche Szenen, die sich am weltberühmten Bondi Beach in der Millionenmetropole Sydney abspielen. Menschen rennen in Panik über den Strand, sie schreien vor Angst - eigentlich sollte dort der erste Tag des jüdischen Lichterfests Chanukka gefeiert werden. Auf Videos in sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie zwei bewaffnete Männer über einen Parkplatz laufen und um sich schießen. Ein Passant wird zum Helden der Stunde: Aufnahmen zeigen, wie er einen der Angreifer kurzzeitig überwältigt und ihm das Gewehr abnimmt. Am Ende sprechen die Behörden von einem Terrorakt, der sich gegen die jüdische Gemeinschaft richtete.

Gegen 18.47 Uhr Ortszeit beginnen die Angreifer laut Polizei, auf Familien zu schießen. Zwölf Menschen sterben, 29 werden in Krankenhäuser gebracht. Einer der mutmaßlichen Angreifer wird laut Polizei getötet, der andere in Gewahrsam genommen.

Merz: „Diesem Antisemitismus müssen wir Einhalt gebieten“

Kanzler Friedrich Merz sprach von einem „antisemitischen Anschlag“, der ihn fassungslos zurücklasse. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen“, schrieb der CDU-Politiker auf X. „Dies ist ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte. Diesem Antisemitismus müssen wir Einhalt gebieten - hier in Deutschland und weltweit.“

Ereignet hatte sich der Angriff am beliebten Strand Bondi Beach, wo sich viele Familien zu einer Chanukka-Feier versammelt hatten. Das achttägige Lichterfest begann an diesem Sonntag.

Die Polizei sprach von zwei Angreifern. Sie hätten am Sonntagabend gegen 18.47 Uhr begonnen, auf Familien zu schießen. Einer der Angreifer sei getötet worden. Medienberichten zufolge handelt es sich um Naveed Akram (24), offiziell bestätigt wurde dies jedoch nicht. Ein anderer mutmaßlicher Täter sei in Gewahrsam, teilte die Polizei mit. Er sei verletzt worden und in kritischem Zustand.

Israels Präsident: „Grausamer Angriff auf Juden“

Australiens Premierminister Anthony Albanese sprach von einem „Terrorakt“. „Wir werden an der Seite der jüdischen Gemeinschaft stehen“, sagte er bei einer Pressekonferenz. Fragen von Journalisten, ob sein Land genug gegen wachsenden Antisemitismus tue, wies er zurück. Australien nehme das Thema ernst, sagte Albanese. Kurz nach der Tat hatte er in einem X-Post von „schockierenden und erschütternden“ Szenen gesprochen.

Minns, der Premier von New South Wales, sagte, der Angriff sei „darauf ausgerichtet gewesen, die jüdische Gemeinschaft zu treffen“. Was ein Tag des Friedens und der Freude hätte sein sollen, der in der Gemeinde mit Familie und Unterstützern gefeiert werden sollte, sei „durch diesen schrecklichen und bösartigen Angriff erschüttert“ worden, sagte Minns. Dies sei schockierend und schmerzhaft. Viele Regierungschefs wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer äußerten ihr Mitgefühl

Die jüdische Organisation Australian Jewish Association erhob auf X Vorwürfe: „Wie oft haben wir die Regierung gewarnt? Kein einziges Mal hatten wir das Gefühl, dass sie zugehört hat.“

Israels Staatspräsident Izchak Herzog forderte Australien zu mehr Schutz der jüdischen Gemeinde auf. „In genau diesen Momenten sind unsere Schwestern und Brüder in Sydney, Australien, von abscheulichen Terroristen angegriffen worden - bei einem äußerst grausamen Angriff auf Juden, die sich versammelt hatten, um am Bondi Beach die erste Chanukka-Kerze zu entzünden.»

Herzog sagte weiter: „Wir wiederholen unsere Warnungen immer wieder gegenüber der australischen Regierung, um Maßnahmen einzufordern und gegen die enorme Welle des Antisemitismus zu kämpfen, die die australische Gesellschaft heimsucht.»

Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 ist eine weltweite Welle von Antisemitismus zu beobachten, darunter Angriffe auf Juden und Synagogen, bei der Israel-Kritik teils in Hass gegen Juden umschlägt.

Der Angriff und ein mutiger Held - Videos vom Angriff

Videos in den sozialen Medien zeigen dramatische Szenen am Tatort. Eines zeigt einen Schützen, der von einer nahegelegenen Brücke aus feuert. Zu sehen sind auf den Videos auch Menschen, die in Panik vom Tatort fliehen.

Ein Video zeigt einen Passanten, der während des Anschlags einen der zwei Schützen überrascht und entwaffnet. Zu sehen ist, wie der Mann dem Angreifer zunächst von hinten auf den Rücken springt. Nach einem kurzen Gerangel nimmt er ihm das Gewehr ab. Der mutmaßliche Täter, der zuvor noch mit dem Gewehr geschossen hatte, kann jedoch hinkend entkommen. In australischen Medien wird der Passant als „Held“ gefeiert.

Ein anderes im Netz kursierendes Video zeigt Verletzte und mutmaßlich Tote auf einer Wiese liegend. Einige Menschen scheinen behandelt oder wiederbelebt zu werden.

Während der Einsatz am Sonntagabend (Ortszeit) noch lief, meldete die Polizei, dass eine Reihe verdächtiger Gegenstände in der Umgebung von Spezialkräften untersucht werde, eine Sperrzone sei eingerichtet worden.

Wo genau der Tatort war? „Überall, verdammt“

Am späten Abend ist die Strandpromenade menschenleer, flatternde Absperrbänder der Polizei flackern im Blaulicht der Streifenwagen - der weltberühmte Bondi Beach ist vom Sehnsuchtsziel zum Tatort geworden.

In der Eile zurückgelassene Flipflops liegen neben umgestürzten Fahrrädern, ein Schuh ist im Sand stecken geblieben, der Besitzer vermutlich um sein Leben gerannt. Auf den Tischen der Strandlokale: volle Bierflaschen und halb gegessene Pizzen. Am Rande des Gehwegs liegt ein zertretenes Smartphone.

In wärmende Decken gehüllt sucht ein junger Surfer Trost in den Armen seines Freundes. Die Badeshorts sind längst wieder trocken, die Wangen nicht. Über das, was hier vor wenigen Stunden passiert ist, wollen beide nicht reden. Wo genau der Tatort war? „Überall, verdammt! Die haben überall rumgeschossen!“

Albanese: Australien nimmt Antisemitismus ernst

Fragen von Journalisten, ob sein Land genug gegen wachsenden Antisemitismus tue, weist Australiens Premierminister Anthony Albanese zurück. Sein Land nehme das Thema ernst, sagte er. Kurz nach der Tat hatte er in einem X-Post von „schockierenden und erschütternden“ Szenen gesprochen.

Schon im Oktober war die Debatte über Antisemitismus neu entflammt - damals in Folge eines schweren Anschlags auf Jüdinnen und Juden in Manchester. Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 ist eine weltweite Welle von Antisemitismus zu beobachten, darunter Angriffe auf Juden und Synagogen, bei der Israel-Kritik teils in Hass gegen Juden umschlägt. Der Terror von Sydney dürfte die Angst der jüdischen Gemeinden ein weiteres Mal vergrößern.