Wal Timmy aktuell
: Wo ist der Buckelwal? Ministerium prüft juristische Schritte gegen Retter

Vom in der Nordsee freigelassenen Buckelwal fehlt weiter jede Spur. Experten befürchten jetzt das Schlimmste. Jetzt drohen den Initiatoren der Rettungsmission rechtliche Konsequenzen.
Von
Daniel Steiger
Berlin
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Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee: HANDOUT - 30.04.2026, Dänemark, ---: Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Buckelwal in einem gefluteten Lastschiff auf See. Nach Plänen der privaten Initiative, die für den Transport verantwortlich ist, soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden. Foto: Jens Schwarck/Rettungsinitiative/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Mit diesem gefluteten Lastschiff wurde Buckelwal Timmy in die Nordsee gebracht. Seit einer Woche rätseln viele Menschen über seinen Verbleib.

Jens Schwarck/Rettungsinitiative/dpa

In einer mysteriösen Aktion wurde am vergangenen Wochenende der Buckelwal - der zuvor mehrfach in der Ostsee gestrandet war - in der Nordsee freigelassen. Die handelnden Personen der Rettungsinitiative überschütten sich seitdem mit Vorwürfen. Die zentrale Frage bleibt: Wie geht es dem Tier aktuell und wo ist der Wal? Weil weiterhin ein Lebenszeichen fehlt, drohen den Initiatoren der Rettungsmission jetzt Konsequenzen:

Ministerium will Signal von Wal-Sender

Wegen noch immer fehlender Informationen zum Ort und Zustand des von der Ostseeküste abtransportierten Buckelwals fordert das Schweriner Umweltministerium Klarheit von der privaten Initiative. Diese sei schriftlich darum gebeten worden, Daten des am Wal angebrachten GPS-Senders zu übermitteln oder Gründe zu liefern, warum dies nicht möglich sei, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage am Donnerstag.

Sollte dies nicht geschehen, werde das Ministerium rechtliche Schritte prüfen, so die Sprecherin. Zuvor hatte darüber der „Spiegel“ berichtet. Offene Fragen müssten geklärt werden, sagte sie. Die Peildaten seien schon mehrfach vergeblich angefordert worden.

Warum Experten den Wal für tot halten

Indes mehren sich die Zweifel an einem glücklichen Ausgang des Wal-Dramas. Es sei davon auszugehen, dass das geschwächte Tier „nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“, teilte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Dienstag. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) forderte die Initiative zur Offenlegung der Daten auf.

Zwar sprach der Minister mit Blick auf die Einschätzungen des Museums von „Spekulationen“, denen er sich „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht anschließen wolle. Er sei allerdings der Auffassung, dass „die relevanten Daten zum Wal zügig vorgelegt und die offenen Fragen aufgeklärt werden müssen“. Dies sei im Vorfeld mit der Initiative vereinbart worden. Er erwarte, die Informationen zeitnah zu erhalten.

Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund waren über Wochen in die Rettungsbemühungen für den Buckelwal eingebunden. Gemeinsam mit anderen Fachleuten etwa von Umweltschutzorganisationen kamen sie vor einem Monat zu dem Schluss, dass dem schwer angeschlagenen Tier nicht mehr zu helfen sei und Rettungsversuche unterbleiben sollten.

So verlief die Freilassung von Wal Timmy

Angaben zum Zustand des Tiers zu diesem Zeitpunkt und zum genauen Ablauf der Freisetzung wurden nicht bekannt, auch öffentlich zugängliche Bilder oder Videos gab es nicht. Warum? Das fragen sich seither viele Menschen, die das Drama um den Wal seit Wochen mitverfolgen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärte in einem Statement beim Livestream-Anbieter News5, mit der Initiative sei vereinbart gewesen, dass ein Videosystem auf der Barge installiert wird, damit beauftragte Tierärzte den Timmy genannten Wal weiter beobachten können - das sei aber nicht erfolgt.

Mitglieder des Teams der privaten Initiative verwiesen für Angaben zur Freisetzung auf ihre Geldgeber, Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, die sich merklich wütend zeigten: In einem Statement distanzierten sich beide „ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten“. Die Initiative sei an der Freisetzung nicht beteiligt gewesen und habe diese auch nicht aktiv begleitet. Vielmehr hätten Crewmitglieder der gebuchten Schiffe den Wal abgesetzt.

Wal-Rettung - Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe

Eine an Bord gewesene Tierärztin der privaten Rettungsinitiative erhob nach ihrer Ankunft in der Nacht auf Montag schwere Vorwürfe gegen Teile der Schlepperbesatzung und sprach von mangelnder Transparenz sowie tierschutzwidrigem Vorgehen. Wo sich der Wal derzeit aufhält, war am Montag weiter unklar.

Die Tierärztin der Initiative, Kirsten Tönnies, sagte in Cuxhaven vor Journalisten, zwar hätten die Schiffsleute „weitestgehend einen richtig guten Job gemacht“, den Wal zu bergen und zu transportieren. Beim Entladen des Wales seien jedoch Unterstützer der privaten Rettungsinitiative „belogen“ und „betrogen“ worden. Von der Entladeaktion sei sie selbst „außen vor gehalten“ worden, sagte Tönnies weiter. Sie habe „deutlich protestiert“, sei aber nicht einbezogen worden. Ihr Gefühl an Bord beschrieb Tönnies als „mulmig“.

Besonders kritisch äußerte sich Tönnies zu einem ersten, letztlich gescheiterten Entladeversuch. Ihr sei geschildert worden, dass wiederholt versucht worden sei, den Wal mit der Fluke rückwärts mithilfe von Seilen aus seinem Transportkahn herauszuziehen. Das sei „gegen die Natur dieser Tiere“, da sei sie „nicht mit einverstanden“, betonte Tönnies.

Wo ist Wal Timmy aktuell

Wo der Buckelwal sich aktuell aufhält, ist auch am heutigen Dienstag weiter unklar: Der GPS-Sender liefere anders als geplant keine Ortsdaten, sagte Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative hinter dem Transport. Damit bliebe unbekannt, ob und in welche Richtung das Tier schwimmt. Laut Bild gab es am Montagmorgen Signale vom Sender. Ob diese aktuell ein Beweis dafür sind, dass Timmy lebt, ist unklar.

Lebt der Buckelwal überhaupt noch?

Auch die Frage lässt sich nach wie vor nicht zuverlässig beantworten. Es gebe zumindest vom Sender übertragene Vitalzeichen, demnach lebe der Wal, meinte Walter-Mommert. Die Informationen ließen sich zunächst nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace sagte zu den Angaben, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten. Ohne Ortsdaten des GPS-Senders droht das Schicksal des Wales  ungeklärt zu bleiben, womöglich für immer.

(mit Material von dpa und AFP)