Zecken im Winter
: Warum sie auch bei Kälte aktiv sind und wie man sie töten kann

Wer denkt, im Winter sei man vor Zecken sicher, irrt. Warum Zecken auch im Winter gefährlich sind, wie man sie töten kann und welche Risikogebiete es in Brandenburg gibt.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Frankfurt (Oder)
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Zecken gibt es auch im Winter: Welche Gebiete in Brandenburg besonders gefährdet sind, wie man Zecken töten kann und welche Methoden eine Zecke überlebt. (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/dpa

Wer viel draußen unterwegs ist, weiß: Zecken sind in Brandenburg mittlerweile ganzjährig aktiv. Mit der ganzjährigen Zeckenaktivität steigen die Zahlen der übertragenden Krankheiten durch Zecken. 2022 gab es beispielsweise 30 Prozent mehr FSME-Fälle als im Jahr davor. Wann Zecken besonders häufig vorkommen, wo sie lauern, welche Risikogebiete es in Brandenburg gibt – eine Übersicht.

Überblick

Zecken im Winter

Wie kann man eine Zecke töten

Wo lauern Zecken

Zecken und Risikogebiete in Brandenburg

Schutz vor Zecken

Überleben Zecken im Winter?

Zecken überleben Kälte und Hitze. Im Winter ab Temperaturen unter sieben Grad fallen sie in Kältestarre.

Ab welcher Temperatur sterben Zecken?

Es braucht minus 20 Grad Celsius im Winter, um eine Zecke durch Kälte zu töten. Im Sommer sterben Zecken nicht, aber einen Waschgang in der Waschmaschine ab 60 Grad oder eine Runde im Wäschetrockner überleben sie nicht. Aber Achtung: Es braucht über 60 Grad.

Auch in der Toilette sterben Zecken nicht – sie können bis zu einem Monat unter Wasser überleben.

Wie kann man eine Zecke töten?

Zertreten, Zerdrücken, in der Toilette ertränken oder in den Müll werfen – das tötet eine Zecke nicht ab. Trotzdem gibt es Bedingungen, die selbst die resistente Zecke nicht überlebt. Diese Methoden töten Zecken zuverlässig:

Feuer

kochendes Wasser

hochprozentiger Alkohol

Chlorreiniger und Desinfektionsmittel

Zecken im Winter: In welchem Monat gibt es die meisten Zecken?

In den Frühlingsmonaten und Herbstmonaten gibt es die meisten Zecken. Trotzdem sind Zecken mittlerweile ganzjährig aktiv, weil die Winter zu mild sind. Das führt dazu, dass man durchaus im Januar und Februar Zecken mit in die Wohnung nimmt und Hund und Katze auf Zecken untersuchen muss.

Wo lauern Zecken?

Anders als häufig angenommen lassen sich die achtbeinigen Spinnentiere nicht von Bäumen fallen, auch springen können sie nicht. Sie sitzen vielmehr auf Grashalmen, im Gebüsch oder auf Totholz. Kommt ein Tier oder ein Mensch vorbei, werden sie bei Kontakt abgestreift und halten sich fest. Die meisten Zecken warten laut RKI in einer Höhe von weniger als einem Meter, häufig sogar nur zwischen 10 und 50 Zentimeter über dem Boden.

Besonders oft halten sich Zecken an Waldrändern, um Seen und Flüsse, in feuchten Jungwäldern, in Freibädern, Gärten und auf Sport- und Spielplätzen auf.

Zecken und FSME-Risikogebiete in Brandenburg

Mit Beginn der Zeckensaison steige auch in Brandenburg das Risiko für eine Infektion mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis-Erkrankung (FSME) oder der Borreliose. Zeckenkrankheiten sind schon seit einigen Jahren nicht mehr nur ein Problem in den südlicheren Bundesländern. Die drei Landkreise Oder-Spree, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße zählen seit 2022 zu FSME-Risikogebieten in Deutschland. Damit lauert sie Zeckenkrankheit auch direkt vor den Toren Berlins.

Fälle der Zecken-Krankheit in Brandenburg

In Brandenburg wurden laut Ministerium im Jahr 2022 drei Fälle von FSME gemeldet, 2021 waren es fünf und 2020 vier. In ganz Deutschland wurden im Jahr 2022 laut Bericht des Robert Koch-Instituts 546 FSME-Erkrankungen übermittelt, 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

2023 gab es nach Ministeriumsangaben bisher 138 dokumentierte Borreliose-Fälle in Brandenburg. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1091 Borreliose-Erkrankungen.

Zecken: Nirgendwo mehr sicher

Zecken gehören zu den Gewinnern des Klimawandels – das gilt zumindest für die milderen Winter. Die blutsaugenden Parasiten sind auch früher im Jahr unterwegs. Die Winter werden im Zuge des Klimawandels milder, die Nächte sind seltener mal richtig frostig. Auch die vergangenen Monate waren ganz nach dem Geschmack von Zecken, die zunehmend die kalten Monate überstehen und vermehrt schon früh im Jahr unterwegs sind. „Das bedeutet auch, dass die Gefahr von Infektionen deutlich früher droht und sehr hoch ist“, sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Wie kann man sich schützen?

Zum einen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) für Menschen in Risikogebieten eine FSME-Impfung, die bei Menschen bis 60 Jahren alle fünf und bei älteren Menschen alle drei Jahre aufgefrischt werden muss. Zum anderen hängt ein guter Schutz im eigenen Kleiderschrank: Schon das Tragen langärmeliger Hemden, langer Hosen und fester Schuhe kann Zecken abhalten. Es gibt zudem – ähnlich wie gegen Mücken – chemische Abwehrmittel, die zeitlich beschränkt wirken.

Nach einem Spaziergang in freier Natur, vor allem abseits breiter Wege, ist es zudem immer ratsam, sich selbst und vor allem Kinder nach Zecken abzusuchen, heißt es beim RKI. Die Parasiten setzen sich besonders gern in die weichere Haut von Arm- und Kniebeugen, unter Achseln, am Haaransatz oder im Genitalbereich.

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