Weihnachten in der DDR
: So besonders waren die Traditionen vor der Wende

Weihnachtstraditionen in der DDR: von der geflügelten Jahresendfigur bis zur Narva-Lichterkette. Ostalgie pur!
Von
Lisa Klopp-Jaber
Frankfurt (Oder)
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Lametta gehoert nach wie vor zum beliebtesten Schmuck fuer Weihnachtsbaeume (wie hier am 17.12.96 in Nürnberg). Doch sollte man sich bei der Frage, wie der eigene Weihnachtsbaum am besten geschmueckt wird, nicht nur vom Aussehen leiten lassen: Lametta, die glaenzenden Streifen aus Blei, sind ein echtes Muellproblem. Und wenn es doch Lametta sein muss, dann gibt es inzwischen Alternativen, z.B. aus lackierter Kunststoff-Folie (nicht im Bild). dpa (zu dpa/lby-Korr vom 19.12.96) +++ dpa-Bildfunk +++

Weihnachtstraditionen, Rituale und kuriose Wortschöpfung rund um das Fest vor der Wende.

Wolf-Dietrich Weißbach/dpa

Weihnachten in der DDR war etwas ganz Besonderes. DDR-Bürger fanden kreative und humorvolle Wege, um sich das „Jahresendfest“ schön zu machen. Was im Osten zu Weihnachten gerne gegessen wurde, welche Deko die Hochglanzschrankwand verzierte, DDR-Weihnachtsfilme und vieles mehr: Wir schwelgen in Erinnerungen an Weihnachten vor der Wende.

Geflügelte Jahresendfigur: Sozialistische Umerziehung zu Weihnachten

Dass die Kirche nicht zum Kurs der SED passte, war in der DDR kein Geheimnis. Der Atheismus in der DDR war eine Priorität in der sozialistische Umerziehung. So wurde versucht, das Wort „Weihnachten“ und dessen Rituale zu ersetzen. Das Weihnachtsgeld wurde zur Jahresendprämie, die Weihnachtsfeier zur Jahresendfeier. Die Witze über diese neuen Wortschöpfungen gehörten für viele zur jährlichen Tradition. Satirisch überspitzt wurde dann auch der Weihnachtsengel zur „geflügelten Jahresendfigur“. Der 24. Dezember war in der DDR ein normaler Arbeitstag. Allerdings wusste man sich in vielen Kollektiven der volkseigenen Betriebe zu helfen und legte die „Jahresendfeier“ auf den 24.12., sodass erst Weihnachten im Betrieb und danach Weihnachten in Familie gefeiert werden konnte.

Weihnachten in der DDR war ein spezielles Fest. In ein weihnachtlich geschmücktes DDR-Wohnzimmer (wie hier in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg) gehörte gebügeltes Lametta am schlecht gewachsenen Weihnachtsbaum genauso dazu, wie das Album Weihnachten in Familie und viele andere Dinge.

Weihnachten in der DDR war ein spezielles Fest. In ein weihnachtlich geschmücktes DDR-Wohnzimmer (wie hier in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg) gehörte gebügeltes Lametta am schlecht gewachsenen Weihnachtsbaum genauso dazu, wie das Album „Weihnachten in Familie“ und viele andere Dinge.

Peter Förster/dpa

Der DDR-Weihnachtsbaum

Wer ihn nicht selber irgendwo schlagen konnte, hatte oft einen Tannenbaum aus dem Erzgebirge zu Hause. Oft war der Tannenbaum im Osten ein Exemplar, über das sich viele lustig machten: zu wenig Äste und Zweige, etwas krumm gewachsen, zu schmächtig. Das Lied „Wir haben einen Weihnachtsbaum“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Wer sich nicht mehr erinnern kann, hier ein Auszug aus dem Lied von Frank Schöbel:

„Wir haben einen Weihnachtsbaum, an dem ist nichts zu tadeln
Natürlich Äste hat er kaum und auch fast keine Nadeln
Jedoch gewachsen ist er gut, er ist so hoch wie breit
Und deshalb bringt es mich in Wut, wenn die Familie schreit
Alle Jahre wieder die gleiche doofe Tour
Die andern hab'n 'nen Weihnachtsbaum und wir 'ne Witzfigur
„Alle Jahre wieder“, das sag ich klipp und klar
Der Baum ist ganz genauso schön wie der vom letzten Jahr“

Oft kaufen DDR-Familien zwei Weihnachtsbäume, schnitten von dem zweiten Baum Äste ab und befestigten diese an dem ersten, um ihn etwas „aufzufüllen“. An den Weihnachtsbäumen in der DRR hingen eine Narva-Lichterkette, Lauscha-Kugeln und das heilige Lauscha-Lametta vom VEB Glasschmuck in Lauscha (Thüringen). Das Lametta fast überall wiederverwendet. Es wurde sorgfältig zusammengelegt oder sogar gebügelt, um es nächstes Weihnachten wiederzuverwenden. So wie Lametta in der DDR gebügelt und aufgehoben wurde, wurde auch das Geschenkpapier immer wieder verwendet. Es wurde nicht zerrissen und weggeschmissen - die Geschenke wurden vorsichtig ausgepackt, sodass auch das Geschenkpapier gebügelt und für nächstes Jahr aufgehoben werden konnte. Das Bügeln und Aufheben gehörte in fast jeder Familie zum Ritual dazu.

Eine Lampe dreht Hanns Schoenau vom NARVA-GOLUX Glühlampenwerk Oberweißbach GmbH (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) am 02.03.2005 in einer original Narva-Lichterkette in die Fassung. Seit letztem Jahr wird die bereits zu DDR-Zeiten produzierte Lichterkette zum Schmücken von Weihnachtsbäumen wieder in Oberweißbach montiert. Die Produktpalette des Glühlampen-Herstellers reicht von Fahrzeuglampen über Signalsoffitten und Illuminations-Beleuchtungen bis zu original Thüringer Glaslichtschmuck. Seit nunmehr 100 Jahren werden in Oberweißbach Glühlampen hergestellt. Der Ort ist zugleich Ursprung der Lampenherstellung mittels Automaten in Deutschland. Foto: Jens Büttner dpa/lth +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Lampe dreht Hanns Schoenau vom NARVA-GOLUX Glühlampenwerk Oberweißbach GmbH (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) am 02.03.2005 in einer original Narva-Lichterkette in die Fassung. Seit 2004 wird die bereits zu DDR-Zeiten produzierte Lichterkette zum Schmücken von Weihnachtsbäumen wieder in Oberweißbach montiert. Die Produktpalette des Glühlampen-Herstellers reicht von Fahrzeuglampen über Signalsoffitten und Illuminations-Beleuchtungen bis zu original Thüringer Glaslichtschmuck. Seit nunmehr 100 Jahren werden in Oberweißbach Glühlampen hergestellt. Der Ort ist zugleich Ursprung der Lampenherstellung mittels Automaten in Deutschland.

Jens Büttner/ dpa

Eher weniger vorsichtig wurden die heiß ersehnten Westpakete geöffnet. Wer Verwandtschaft im Westen hatte, hatte auch oft das Glück, dass zu Weihnachten ein Westpaket mit alltäglichen Dingen, die es in der DDR aufgrund von Mangelwirtschaft nicht gab.  Das konnten Kaffee, Schokolade, Damenstrumpfhosen, exotische Südfrüchte oder Backzutaten wie Orangeat und Zitronat sein.

Weihnachtsdeko im Osten

Zur Deko in der Advents- und Weihnachtszeit in der DDR gehörten die oben genannten Narva-Lichterketten, Kugeln und Lametta aus Lauscha. Herrnhuter Sterne, Schwibbögen, Räuchermännchen, Nussknacker, Weihnachtspyramide und Lichter-Glocken-Spiele (Blechpyramide mit Engeln oder in Weihnachtsbaumform, in der vier Kerzen Platz) gehörten in jedes DDR-Wohnzimmer.

Weihnachten in DDR, hier anhand eines geschmückten Wohnzimmers in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) zu sehen.

Weihnachten in DDR, hier anhand eines geschmückten Wohnzimmers in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) zu sehen.

Peter Förster/dpa

Typisches Essen zu Weihnachten in der DDR

Typisches Weihnachtsessen in der DDR ist so schwer zu bestimmen wie das typische Weihnachtsessen aus der heutigen Zeit. Jede Familie hatte ihre eigenen Klassiker auf dem Festtagstisch zu stehen. Doch folgende Gerichte und Leckereien haben bestimmt nur bei wenigen DDR-Familien gefehlt: Kartoffelsalat mit Bockwurst oder Wiener Würstchen, Dresdner Christstollen, Kasslerbraten, Hühnerfrikassee, Kalter Hund, Vanillekipferl, Plätzchen und Quarkkäulchen sowie Eierlikör.

Traditionell gab es an Heiligabend ein eher schlichtes Gericht, wie Kartoffelsalat mit Würstchen. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wurde dann ein Festbraten serviert. Oft standen Ente, Gans oder Kasslerbraten aus Schweinefleisch auf dem Menü. Die Zutaten für das Festessen zu Weihnachten wurden oft das ganze Jahr über gesammelt und gehortet, um es zum Fest dann richtig schön zu haben.

DDR-Weihnachtsfilme

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist wohl der berühmteste DDR-Weihnachtsfilm. Doch die Defa brachte eine ganze Reihe an festlichen Klassikern heraus, die sogar heute noch im TV ausgestrahlt werden. Darunter sind beispielsweise: „Der Weihnachtsmann heißt Willi“ (1969), „Die Weihnachtsklempner“ (1986) und „Die Weihnachtsgans Auguste“ (1988).

Weihnachtslieder im Osten

Das christliche Weihnachtsfest und der im Sozialismus verankerte Atheismus - eigentlich zwei Dinge, die so gar nicht zusammenpassten. DDR-Bürger, die in der Kirche waren, sangen bevorzugt die traditionellen Weihnachtslieder aus dem Gesangsbuch der Kirche. In der Spätphase der DDR wurden bestimmte Dinge dann doch geduldet, was die 1985 erschienene Platte „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel beweist.

Frank Schöbels selbst komponierte Lieder wie „Liebe Mama“, „Wir haben einen Weihnachtsbaum“, „Weihnachten in Familie“ und „He, du Weihnachtsmann“ wechseln sich auf dem Album mit alten, christlichen Volksliedern ab. Die Mischung kam an: „Weihnachten in Familie“ wurde mit rund 2 Millionen verkauften Exemplare die am häufigsten verkaufte Platte des Plattenlabels „Amiga“. Frank Schöbel machte das seinerzeit zum erfolgreichsten Einzelkünstler der DDR.