AfD-Jugendorganisation
: Zwischen Aufbruch und rechter Rhetorik

In Gießen wurde die neue AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gegründet. Die Veranstaltung zeigt: Von Mäßigung ist in der Partei weiterhin kaum etwas zu spüren.
Von
Jakob Kerry
Gießen
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Jean-Pascal Hohm, an AfD state lawmaker from the eastern German state of Brandenburg, is seen amid delegates holding up voting cards reading 'Yes' during a two-day convention of far-right Alternative for Germany (AfD) party to establish its new youth organisation at the exhibition halls in Giessen, western Germany, on November 29, 2025. (Photo by Kirill KUDRYAVTSEV / AFP)

Der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm wurde beim Gründungskonvent der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen zu deren Vorsitzenden gewählt.

Kirill Kudryavtsev/AFP
  • In Gießen wurde die neue AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gegründet.
  • Jean-Pascal Hohm, AfD-Landtagsabgeordneter aus Brandenburg, wurde zum Vorsitzenden gewählt.
  • Rund 25.000 Menschen protestierten gegen die Veranstaltung, die mit Verspätung begann.
  • Die Jugendorganisation ersetzt die aufgelöste „Junge Alternative“ und ist eng mit der AfD verknüpft.
  • Radikale Aussagen bei der Gründungsveranstaltung zeigten, dass keine Mäßigung zu erwarten ist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Kann ich Sie um ein Selfie bitten?“ Eine Frage, die viele Gespräche an diesem Tag in den Gießener Messehallen unterbrochen hat. Da wirken die zumeist strammen Männer mit akkuratem Scheitel zum Teil ziemlich nervös, wenn es um ein Foto mit ihren Polit-Idolen geht. So versammelt, wie an diesem Samstag, sind ihre Vorbilder nur selten: Teile des AfD-Bundesvorstandes inklusive der Doppelspitze Alice Weidel und Tino Chrupalla sind anwesend, der innerhalb der Partei umstrittene Matthias Helferich, der sich in der Vergangenheit selbst als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet hatte, sowie der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek, der einen eigenen Stand hatte. Alles aus der AfD und ihrem Vorfeld, was Rang und Namen hat, ist nach Gießen gekommen, zur Gründung der neuen Parteijugend, der „Generation Deutschland“ (GD).

„Generation Deutschland“ wählt Vorsitzenden und Vorstand

Neben einem Jugendstatut, das den Namen und das Logo beinhaltet, wurde am Wochenende auch der Vorstand sowie ein Vorsitzender gewählt: der 28 Jahre alte Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm. Er musste sich schon zweimal von politischen Ämtern wegen seiner Kontakte zum rechten Rand, darunter der völkischen Identitären Bewegung, zurückziehen und ist tief in die rechtsextremen Strukturen in seiner Heimat Cottbus verwurzelt.

Aufgrund des massiven Protests von diversen Bündnissen – laut Polizei beteiligten sich 25.000 Menschen an den Gegendemos – konnte die Veranstaltung am Samstag erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung anfangen. Als Hohm gewählt wurde, befanden sich rund 900 Akkreditierte in der Halle.

Ganz so harmonisch, wie es viele Bilder von sich in den Armen liegenden AfD-Politikern suggerieren, lief die Veranstaltung nicht ab. Es wurde deutlich, dass den Partei-Größen daran gelegen war, das Programm kurzzuhalten. Die Basis hatte allerdings einiges an Redebedarf und erteilte dem Wunsch nach einem Ende der Debatte mehrmals eine Absage. Dennoch endete der Gründungskonvent bereits am Samstagabend; ursprünglich waren zwei Tage angesetzt worden.

Offene Wunden und frischer Wind

Die Wunde zur Auflösung der alten Parteijugend schien bei vielen noch nicht verheilt. Anfang des Jahres beschloss die AfD bei ihrem Parteitag, die „Junge Alternative“ aufzulösen. Dabei standen vor allem die Angst vor Repressionen sowie die begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Mutterpartei im Vordergrund. Denn wer in der Vergangenheit Mitglied der JA war, musste nicht zwangsläufig Mitglied der AfD sein. Mit der GD soll sich das nun ändern.

Wer unter 35 Jahre ist und in der Partei ist, wird fortan gleichzeitig Mitglied der neuen Jugendorganisation. Mit weniger radikalen Tönen der Jugend sollte man deswegen allerdings nicht rechnen. „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder“ oder die Losung der Hitlerjugend: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, war in Redebeiträgen zu hören – Mäßigung hört sich anders an.