Angela Merkel
: Eine Kanzlerin hat keine Zeit für Schwäche

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage zittert Merkel bei einem öffentlichen Auftritt. Und ihr Wochenende wird anstrengend.
Von
Ellen Hasenkamp
Berlin
Jetzt in der App anhören

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steigt in den Airbus A340 "Theodor Heuss" der Flugbereitschaft der Luftwaffe der Bundeswehr. Die Kanzlerin ist wenige Stunden nach ihrem neuerlichen Zitteranfall zum G20-Gipfel der mächtigsten Industrienationen der Welt im japanischen Osaka geflogen.

dpa/Michael Kappeler

Die ansonsten schier unerschütterliche Kanzlerin ist am Donnerstagmorgen wie schon bei einem öffentlichen Auftritt vor einer guten Woche sichtlich ins Zittern geraten. Diesmal erwischte es sie im Schloss Bellevue, während neben ihr Bundespräsident Frank–Walter Steinmeier Entlassungs– und Ernennungsurkunden an die alte und die neue Justizministerin vergab. Und wie schon beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor neun Tagen hörte das Zittern dann rasch wieder auf. Ein Glas Wasser, das ihr zwischendurch angeboten wurde, lehnte Merkel dankend ab. Vergangene Woche hatte sie ihr Zittern mit Wassermangel erklärt.

Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte umgehend: „Der Bundeskanzlerin geht es gut.“ Zur Vereidigung von Christine Lambrecht als neue SPD–Bundesjustizministerin war Merkel anschließend pünktlich im Bundestag und gehörte dort zu den ersten Gratulantinnen.

Ein entspanntes Wochenende steht ihr allerdings nicht bevor, im Gegenteil. Am Donnerstagmittag startete sie zum Elf–Stunden–Flug Richtung Japan zum G–20–Gipfel einschließlich Gesprächen mit US–Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin.

„Kamelartige Fähigkeiten“

Und nach der Rückkehr am Samstagabend geht es am Sonntag in Brüssel weiter im Personalpoker um die EU–Spitzenposten, Nachtsitzung nicht ausgeschlossen. Merkel wird also wieder einmal auf das bauen müssen, was sie selbst ihre „kamelartigen Fähigkeiten“ genannt hat, Schlaf und Erholung zu speichern.

Im Umgang mit körperlicher Schwäche gehört Merkel eher zur Fraktion der Diskreten. CSU–Minister Horst Seehofer lehnte einen Kommentar mit den Worten ab: „Ich habe mich nie an Ferndiagnosen beteiligt, weil ich allzu häufig Gegenstand von Ferndiagnosen war.“

Auf der anderen Seite haben beispielsweise die CDU–Politiker Mike Mohring oder Peter Tauber sehr offen über ihre Erkrankungen und ihren Genesungsprozess berichtet und damit nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gemacht. „Ein defensiver Umgang nährt Gerüchte und Spekulationen“, sagt der Politikwissenschaftler Stephan Bröchler.

Merkel ist allerdings mit einer äußerst robusten Gesundheit gesegnet, krankheitsbedingte Fehlzeiten gibt es bei ihr kaum. Um so besorgter reagierte die Öffentlichkeit, wenn sie — wie beispielsweise auch nach ihrem Skilanglauf–Sturz vor einigen Jahren — einmal ausfällt. „Wir nehmen Anteil, weil Frau Merkel eine öffentliche Person ist, die von vielen wertgeschätzt wird“, sagt der Politologe Bröchler. Zum anderen übe die Kanzlerin das wichtigste politische Amt in der Regierung aus.