Die aktuelle Corona-Situation im deutschen Nachbarland Polen ist ernst. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt, die Infektionszahlen steigen rapide an.
Der erst vor zwei Wochen verhängte Teil-Lockdown zeigt noch nicht die gewünschte Wirkung. Nur eine Woche später registrierte Polen einen neuen Höchststand an Corona-Todesfällen. Und derzeit steigen die Zahlen weiter.

Aktuelle Corona-Zahlen in Polen

Seit Ende September geht die Kurve der Coronavirus-Erkrankungen in Polen stetig nach oben. Derzeit (Stand 23. November 2020) sind 13.618 Menschen in Polen an oder mit Corona gestorben. 148.359 Neuinfektionen kommen pro sieben Tage hinzu. Insgesamt haben sich 861.331 Polen während der Pandemie mit Covid-19 infiziert. In Polen leben 38 Millionen Menschen.

Ganz Polen wird zum Risikogebiet erklärt

Zu den besonders schwer betroffenen Regionen der letzten 14 Tage zählen die Gebiete um die Woiwodschaft Masowien zu der auch die Hauptstadt Warschau gehört. Hier haben sich insgesamt rund 100.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Auch die Woiwodschaft Schlesien mit rund 95.000 Fällen und Oppeln mit rund 24.000 Fällen zählen zu den besonders stark betroffenen Zonen.
Inzwischen sind jedoch alle Woiwodschaften weit über einen Inzidenzwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tagen gestiegen. Das Auswärtige Amt hat das Nachbarland zum Risikogebiet erklärt.

Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Polen ab

Im Auswärtigen Amt rät man derzeit von nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Polen ab und warnt vor den hohen Infektionszahlen. Die Einreise aus allen benachbarten EU-Mitgliedsstaaten ist laut Auswärtigem Amt ohne Einschränkungen möglich. Von der Quarantänepflicht befreit, sind bei der Einreise nach Polen EU-Staatsangehörige, Angehörige der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island sowie ihre Ehepartner und Kinder. Grenzkontrollen finden nur noch an den Grenzen zur Ukraine, zu Russland und Belarus statt.
Internationale Bahnverbindungen nach Polen über die EU-Binnengrenzen seien wieder möglich. Auch internationale Flugverbindungen von und in die EU-Mitgliedstaaten sowie EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) seien erlaubt. Inländische Flug-, Bahn- und Busverbindungen stehen eingeschränkt zur Verfügung.

Von 10 bis 12 Uhr nur für Senioren geöffnet

Polen ist mittlerweile aufgrund der Infektionszahlen eine einzige rote Zone. Dies bringt einige Einschränkungen im Land mit sich. So sind unter anderem Restaurants geschlossen, allein Mitnahme- und Lieferservice sind erlaubt. In Läden und Poststellen dürfen sich auf einer Fläche von 100 Quadratmeter nur maximal fünf Menschen pro 10 Quadratmeter zeitgleich bewegen.
In Einkaufszentren seien laut Auswärtigem Amt nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien und Dienstleistungsanbieter geöffnet. Die Besonderheit hier: Von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr ist Senioren das Einkaufen in Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken vorbehalten.
Für Menschen über 70 gilt: Sie dürfen ihre Wohnung nur für dienstliche oder berufliche Tätigkeiten, für unbedingte Bedürfnisse des täglichen Lebens und zur Teilnahme an religiösen Veranstaltungen verlassen.

Corona-Einschränkungen auch im polnischen Nahverkehr

Auch im Nahverkehr wurden erhebliche Einschränkungen erlassen. Die Personenobergrenze beträgt hier 30% aller Sitz- und Stehplätze oder 50% aller Sitzplätze.
Bei öffentlichen und privaten Zusammenkünften beträgt die maximale Personenzahl fünf, bei religiösen Zusammenkünften liegt sie bei einer Person pro 15 Quadratmeter, so das Auswärtige Amt weiter. Bei Treffen Zuhause sowie Treffen rund um den Job beträgt die maximale Personenzahl 20.
Hochzeiten und private Feiern sind strikt untersagt. Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sind geschlossen, ebenso wie Diskotheken und Clubs. Sportveranstaltungen finden ohne Publikum statt.
Übernachtungen in Hotels sind nur noch Geschäftsreisenden erlaubt. Zudem ist der Schul- und Hochschulbetrieb stark eingeschränkt. Von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr dürfen Kinder unter 16 Jahren den Wohnbereich nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen verlassen.

Maskenpflicht im öffentlichen Raum – auch im Freien

Die öffentliche Verwaltung in Polen arbeitet überwiegend im Homeoffice. Die polnische Regierung empfiehlt ihrer Bevölkerung, wenn möglich zu Hause zu bleiben und es besteht eine grundsätzliche Maskenpflicht – auch im Freien. Ausnahmen gelten unter anderem für Kinder unter 4 Jahren, bei Autofahrten alleine und mit Personen des eigenen Haushalts sowie für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können.
Geschäfte, Banken und Tankstellen dürfen nur mit Handschuhen betreten werden, die von den Geschäften zur Verfügung gestellt werden müssen oder nach Nutzung der am Eingang vorhandenen Handdesinfektionsmittel.

Was bedeutet das für Brandenburg?

Kurzaufenthalte in Polen sind für Brandenburger bisher noch möglich, ohne dafür in Corona-Quarantäne zu müssen. Wer für einen Kurzaufenthalt bis 24 Stunden nach Polen reist, braucht sich bei der Rückreise nach Brandenburg nicht elektronisch zu registrieren, wie von vielen zuvor vermutet.

Basare und Märkte in Słubice bleiben geöffnet

Bisher gibt es keine Pläne die drei Basarmärkte in Słubice zu schließen, teilt Grzegorz Szram, Vizepräsident der Händlervereinigung „Odra“ mit. „Wir hoffen sehr, dass das auch so bleibt. Ab dem 29. November werden die Corona-Regelungen etwas strenger, aber die Märkte bleiben geöffnet.“ Auch die Pacht für Stände auf den Basaren werde von der Stadt Słubice als Unterstützung für die Händler zeitweise um 25 Prozent verringert, sagt Szram.

Coronakritische Stimmen auch in Polen

Nicht nur in Deutschland, auch in Polen gehen Corona-Kritiker auf die Straße und demonstrieren gegen die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen. Für den 28. November kündigt ein Verein aus Stettin ein deutsch-polnisches „Fest der Freiheit“ in Słubice gemeinsam mit Querdenkern aus Deutschland an. Genehmigt ist die Veranstaltung bisher nicht.
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