"Das Entscheidende ist die Erinnerungsarbeit in der Schule und der Besuch von authentischen Orten, also den Gedenkstätten", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, dem "Tagesspiegel". Obligatorische Gedenkstättenbesuche sollten deswegen Teil der Lehrpläne werden.
Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes, Felix Klein, haben sich dieser Forderung angeschlossen. Der Grünen-Sprecher für Kulturpolitik, Erhard Grundl, begrüßt sie ebenfalls: "Erinnerungskultur kann an authentischen Orten  unmittelbarer wirken als irgendwo sonst", sagte er dieser Zeitung. Das Wissen um die Verbrechen der Nationalsozialisten werde wichtiger, wenn es keine Zeitzeugen mehr gebe.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will sich der Forderung Schusters dennoch nicht anschließen. Der Gedenkstättenbesuch solle eine freiwillige Veranstaltung bleiben, sagte sie. Ähnlich sieht man es bei den Sozialdemokraten. "Vor allem junge Menschen sollten Gedenkstätten besuchen", sagte SPD-Vizefraktionschefin Eva Högl dieser Zeitung. Eine Forderung leitet sie daraus nicht ab.
Eine Mehrheit der Deutschen wäre laut einer repräsentativen Umfrage für KZ-Pflichtbesuche, wie es sie in der DDR bereits einmal gegeben hat. 56 Prozent sprachen sich dafür aus. 22 Prozent hingegen stimmen der Aussage zu, das Holocaust-Gedenken nehme zu viel Raum ein.
Im Berliner Dom fand am Sonntag bereits ein Gedenkgottesdienst statt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rief dazu auf, die Erinnerung an das Leid von Millionen zu bewahren und sagte: "Wir müssen uns denjenigen entgegenstellen, die rechtsextremistische und antisemitische Ideen verbreiten und Hass gegen Fremde säen wollen."