Kanzlerkandidatur
: Der Wahlkampf kündigt sich an

Während die SPD mit Olaf Scholz zulegt, sorgen mögliche Ambitionen von Markus Söder für Streit in der Union.
Von
Igor Steinle
Berlin
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Während die SPD mit Olaf Scholz zulegt, sorgen mögliche Ambitionen von Markus Söder für Streit in der Union.

Britta Pedersen/dpa

Den Anfang machten die So–zialdemokraten selbst. Während die Parteivorsitzenden mit einem Linksbündnis aus Grünen und Linkspartei liebäugeln, äußerte Scholz Skepsis über die Regierungsreife der Linken. Was deren Vorsitzender Dietmar Bartsch natürlich prompt zurückwies. Die Linke sei auch in außenpolitischen Fragen „diskussionsfähig“ und werde „auch auf diesem Feld regierungsfähig sein.“ Doch überzeugen konnte er damit nicht alle. „Wenn die SPD Wahlen gewinnen will, reicht es nicht, nach links zu schielen“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Denn Wahlen würden in der Mitte gewonnen. Die jüngsten Umfragen scheinen ihm Recht zu geben: So ließ die Kandidatur des Konservativen Scholz die Werte der SPD um drei Punkte auf 18 Prozent ansteigen.

Grüne sehen Führungsanspruch

Mitte — das ist jener Ort, an dem die Grünen sich angekommen sehen. Dementsprechend stoisch bleiben sie bei ihrem Kurs der Eigenständigkeit. „Wir haben als progressive, gestaltende Kraft einen Führungsanspruch für dieses Land“, sagte Annalena Baerbock den Funke–Zeitungen. Man könne mit allen außer der AfD. Wer die behauptete Führungsrolle jedoch wahrnehmen soll, sie oder Co–Chef Habeck, darüber herrscht nach wie vor Schweigen.

Anders bei der Union. Dort sorgen die Debatten über eine mögliche Kanzlerkandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU–Chefs Markus Söder für Zwist. Einige CDU–Landesvorsitzende könnten sich Söder gut als gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union vorstellen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS). Genannt wurden der niedersächsische CDU–Chef Bernd Althusmann und der Hamburger Landesvorsitzende Roland Heintze. Andere werfen Söder laut FAS hingegen „Zweideutigkeiten“ in der Kanzlerfrage vor. So soll die CDU–Vorsitzende Annegret Kramp–Karrenbauer bereits Anfang Juli Söder in einem Telefonat zu mehr Zurückhaltung aufgerufen haben, weil seine Äußerungen so verstanden wurden, als spreche er den Bewerbern um den CDU–Vorsitz Merz, Laschet und Röttgen die Eignung fürs Kanzleramt ab.

Angesichts der Querelen hat Schleswig–Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther in der „Bild am Sonntag“ zu einer einvernehmlichen Lösung der Vorsitzendenfrage aufgerufen. „Ich empfehle jedem, der sich zur Kandidatur berufen fühlt, noch einmal in sich zu gehen, ob ein parteiinterner Machtkampf und öffentliches Schaulaufen jetzt in die Zeit passen.“